Diesen Donnerstag (13. Juni 2024) findet eine Aktualisierung des Wikis statt. Es wird daher an diesem Tag nicht zur Verfügung stehen. Die Bearbeitung von Beiträgen wird bereits am Mittwoch ab 17:00 nicht mehr möglich sein. Wir bitten um Verständnis.

Brauherren

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu:Navigation, Suche
Schlussstein des Torbogens zum Kellerabgang am Haus Mailergasse 12
Daten zum Eintrag
Datum vonDatum (oder Jahr) von
Datum bisDatum (oder Jahr) bis
Siehe auchVerweist auf andere Objekte im Wiki  Bier, Brauhäuser, Brauer, Brauherrenverein
RessourceUrsprüngliche Ressource 
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Recherche
Letzte Änderung am 1.03.2024 durch WIEN1.lanm08trj
BildnameName des Bildes Kaiserebersdorf.jpg
BildunterschriftInformation, die unterhalb des Bildes angezeigt werden soll Schlussstein des Torbogens zum Kellerabgang am Haus Mailergasse 12

Es wurden noch keine Bezeichnungen erfasst!

Brauherren und Brauhausbesitzer von Brauhäusern in Wien und Umgebung.

Die ersten Brauherren

Das Bierbrauen lag ursprünglich ausschließlich in der Hand der Zunft der Brauer. Unter Kaiser Joseph II. setzte allerdings eine Liberalisierung des Braugewerbes ein die im frühen 19. Jahrhundert ihre Fortsetzung fand. Ein Regierungsdekret vom 21. November 1815 legte schließlich fest, dass für die Erlangung einer Braugerechtigkeit das Erlernen des Brauhandwerks nicht mehr notwendig ist. Das war die Geburtsstunde der Brauherren. Dabei handelte es sich zunächst um außerzünftische Unternehmer die Braumeister beschäftigten und den zünftischen Brauern Konkurrenz machten. Zu ihnen zählten der Reichsgraf Franz Simon Pfaff von Pfaffenhofen, der als Erster mit englischen Braugerätschaften arbeitete, Vinzenz Neuling, der Sohn des Landstraßer Juweliers Bruno Neuling, der im Oktober 1817 in der heute nach ihm benannten Neulinggasse eine Brauerei eröffnete, Joseph Leopold Gierster, der in Gaudenzdorf 1836 ein in der Biedermeierzeit sehr beliebtes Brauhaus eröffnete, und Johann Georg Dittmann, der eine ehemals von Nonnen geführte Brauerei in Simmering 1821 erwarb und kurz darauf an Georg I. Meichl verkaufte. Franz Xaver Bosch, der in Jedlesee und Nussdorf Brauhäuser führte und Franz Anton Dreher sind dieser Gruppe ebenfalls zuzurechnen, obwohl ihr Aufstieg noch innerhalb der Brauerzunft erfolgte.

Aufstieg durch neue Produktionsmethoden

Nach einer mehrjährigen Gründungspause erschien 1837 in Wien eine neue Generation von Brauherren. Sie kamen wie die Gründer vieler anderer Wiener Industrien aus Nachbarstaaten und anderen Kronländern. In diesem Jahr eröffnete der Müllermeister Heinrich Plank in Ottakring die einzige heute noch in Wien bestehende historische Brauerei, die er aber bald darauf dem aus dem mährischen Lundenburg (Břeclav) stammenden Ignaz Kuffner verkaufen musste. Ebenfalls 1837 wurde in Währing ein Brauhaus gegründet, das Verwandte der Familie Dreher erfolglos führten und das unter der Familie Schwarz nach 1860 einige gute Jahre erlebte. 1839 begann der Kriegsveteran Johann Georg Held nach großen Widerständen der Zunft ebenfalls ohne besondere Kenntnisse in Liesing zu brauen und wurde bald von Theodor Löwenthal und Moriz Faber sen. abgelöst. 1840 kam der erste Mautner, Adolf Ignaz, vom böhmischen Smirsitz nach Wien und begann in Sankt Marx, einem Zweigbrauhaus des Bürgerspitals, zu brauen, bevor er sich 1857 dort selbständig machte. Zu diesen „neuen“ Brauherren zählten auch die Söhne von Georg I. Meichl, Theodor und Georg II., und vor allem den Sohn von Franz Anton Dreher, Anton den Älteren.

Die neue Generation der Brauherren lösten durch Einführung neuer Produktionsmethoden (Lagerbier, Abzugbier), den Einsatz von Dampfmaschinen und später Kühlaggregaten, eine Bierrevolution aus. Schon 1848 schlossen sie sich lose in einer Vereinigung, dem Brauherrenverein zusammen. Diese wurde 1885 auch institutionell verankert und bildete ein höchst erfolgreiches Bierkartell welches nahezu nach Belieben Bierpreise für Gastwirte und Konsumenten diktierte. Das Kartell zerbrach erst 1938 infolge der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Das Ende der Brauherren

Nach dem Jahrhundertwende um 1900 und vor allem in der Zwischenkriegszeit wurden viele Brauereien in Aktiengesellschaften umgewandelt in denen auf Grund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zwischenkriegszeit und des sinkenden Bierkonsums Großbanken zu Mehrheitsaktionären aufstiegen. Vollends mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 war auch das Ende der großen Zeit der Brauherren, die zu den reichsten Männern der Habsburgermonarchie zählten, gekommen. Die einstigen Eigentümer von Familienunternehmen waren entweder in männlicher Linie ausgestorben (Dreher, Bergmiller, Faber, Schwarz), von den Nationalsozialisten vertrieben (Kuffner, Herzfelder) oder wurden zu einem beträchtlichen Teil durch von Banken unterstützte Fusionen nur mehr Aktionäre (Medinger, Bachofen von Echt, Dengler, Meichl).

Eine Ausnahme bildete die Familie Mautner Markhof. Georg III. Mautner Markhof gelang es nach einigen Jahren der Absenz seiner Familie aus dem Braugeschäft im Jahr 1936, die wirtschaftliche Schwäche der Creditanstalt-Bankverein auszunutzen und die Aktienmehrheit an den Vereinigten Brauereien zu erwerben. Die Familie feierte damit ein Comeback in ihrem Stammgeschäft, taufte sie in Schwechater Brauerei um und konnte sie in der nationalsozialistischen Zeit mit viel Mühe erhalten. Sie war nach 1938 neben der Familie Bachofen von Echt in Nussdorf die einzige große Brauherrenfamilie in Wien, die erst 1978 das Unternehmen an die Brau AG verkaufte. Die Familie Kuffner in Ottakring wurde von den Nationalsozialisten aus rassistischen Gründen vertrieben. Ihr folgten mit den Familien Harmer und Wenckheim die einzigen Wiener Brauherren der unmittelbaren Gegenwart.

Liste der Brauherren

 NameBerufBerufGeburtsdatumDatum der GeburtSterbedatumSterbedatumAnmerkungAnmerkung oder Notiz.
Anton StörckArzt
Brauereibesitzer
21. Februar 173111. Februar 1803
Franz Anton DreherBierbrauer29. Juli 17369. November 1820
Franz Simon PfaffenhofenGroßgrundbesitzer
Brauereibesitzer
17. Dezember 17534. April 1840
Anton BoschBrauereibesitzer
Ortsrichter
7. Jänner 17849. November 1868
Franz Xaver BoschBraumeister
Ortsrichter
4. Oktober 178912. Mai 1860
Georg MeichlBrauereibesitzer5. April 179116. April 1834
Vinzenz NeulingGastwirt
Bierbrauer
11. Oktober 17954. Oktober 1846
Johann Georg HeldMilitärbeamter
Brauherr
179612. November 1850
Theodor LöwenthalBrauereibesitzer17981878
Josef Leopold GiersterHofbräumeister
Brauhausbesitzer
180027. Dezember 1863
Adolf Ignaz MautnerIndustrieller
Brauereibesitzer
26. Oktober 180124. Dezember 1889
Anton Dreher der ÄltereBierbrauer
Industrieller
8. Juni 181027. Dezember 1863
Johann Nepomuk DenglerBrauereibesitzer29. November 181325. März 1866
Theodor Karl MeichlBrauereibesitzer31. Oktober 182031. Juli 1869
Anton BergmillerBraumeister182215. Mai 1870
Kuffner Ignaz.JPGIgnaz von KuffnerIndustrieller
Politiker
22. April 182223. März 1882
Karl Adolf von BachofenBrauhausbesitzer
Kommunalpolitiker
Numismatiker
12. März 183022. Mai 1922
Karl Ferdinand Mautner MarkhofIndustrieller
Braumeister
16. April 18341. September 1896
Moritz Faber (Industrieller)Industrieller
Brauereifachmann
Politiker
14. März 183719. Februar 1921
Anton DenglerBrauereibesitzer27. Jänner 18389. Juni 1900
Georg Heinrich Mautner MarkhofIndustrieller8. Mai 184015. Mai 1904
Josef WünschIndustrieller
Gemeinderat
30. Mai 184319. Mai 1916
Johann von MedingerIndustrieller21. März 184618. Dezember 1908
Anton Dreher der JüngereBierbrauer
Industrieller
21. März 18497. August 1921
Georg II. MeichlBrauereibesitzer
Braumeister
28. August 184928. November 1919
Moritz KuffnerIndustrieller
Alpinist
30. Jänner 18545. März 1939
Alfons ErhardBrauereifachmann6. August 18628. März 1926
Victor Mautner Ritter von MarkhofBrauhausbesitzer
Brauherr
5. Juli 186510. Mai 1919
Konrad SchneebergerBierbrauer
Politiker
Mitglied der Wiener Bürgerschaft
27. September 186629. April 1936
Georg Anton Mautner MarkhofIndustrieller
Brauherr
9. September 187516. September 1934
Manfred Mautner Markhof seniorIndustrieller
Brauherr
17. September 19034. Jänner 1981
Georg Heinrich T. Mautner MarkhofIndustrieller
Brauherr
30. August 190424. Februar 1982
Georg Josef Erwin Mautner MarkhofBrauherr
Politiker
Industrieller
11. Juni 192613. Mai 2008
Manfred Mautner Markhof juniorIndustrieller
Politiker
Brauherr
6. Februar 19277. Jänner 2007

Literatur

  • Alfred Paleczny: Die Wiener Brauherren. Das goldene Bierjahrhundert. Wien: Löcker Verlag 2014