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Amalie Seidel

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Amalie Seidel (Mitte) mit Therese Schlesinger, Adelheid Popp, Anna Boschek und Charlotte Glas (1904)
Daten zur Person
PersonennameName der Person Seidel, Amalie
Abweichende NamensformAlternative Formen des Namens Ryba, Amalie; Rausnitz, Amalie
Titel
Geschlecht weiblich
Wien Geschichte WikiIdentifier/Persistenter URL zur Seite 
GNDGemeindsame Normdatei 117454990
Wikidata Q90320
GeburtsdatumDatum der Geburt 21. Februar 1876
GeburtsortOrt der Geburt Wien
SterbedatumSterbedatum 11. Mai 1952
SterbeortSterbeort Wien
BerufBeruf Politikerin, Dienstmädchen, Arbeiterin, Angestellte
Parteizugehörigkeit Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP)
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Siehe auchVerweist auf andere Objekte im Wiki 
RessourceUrsprüngliche Ressource  Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, POLAR
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BestattungsdatumDatum der Bestattung 
FriedhofFriedhof, auf dem eine Person begraben wurde
Grabstelle
BildnameName des Bildes Frauenreichskomitee1904.jpg
BildunterschriftInformation, die unterhalb des Bildes angezeigt werden soll Amalie Seidel (Mitte) mit Therese Schlesinger, Adelheid Popp, Anna Boschek und Charlotte Glas (1904)

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Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft
  • Abgeordnete zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderates (10.11.1920 bis 13.11.1923)
  • Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung (04.03.1919 bis 31.05.1919)
  • Abgeordnete zum Nationalrat (10.11.1920 bis 17.02.1934)
  • Stadträtin (22.05.1919 bis 01.06.1920)
  • Vorsitzende des Gemeinderates der Stadt Wien (01.06.1920 bis 12.11.1923)
  • Mitglied des Provisorischen Gemeinderates der Stadt Wien (03.12.1918 bis 22.05.1919)
  • Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien (22.5.1919 bis 10.11.1920)
  • Vorsitzende des Frauenbezirkskomitees (1900
  • Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauenreichskonferenzen (1903 bis 1932)

Amalie Seidel, * 21. Februar 1876 Wien, † 11. Mai 1952 Wien, Politikerin.

Biografie

Amalie Seidel war eines der vier überlebenden Kinder des Ehepaares Jakob und Anna Ryba; zwölf der 16 Kinder starben früh. Amalie Ryba wurde von ihrem Vater, einem Schlosser, der sich in der Gewerkschaftsbewegung engagiert hatte, schon in jungen Jahren politisiert. Bereits als Schülerin erledigte sie Näharbeiten in Heimarbeit. 1888 musste sie die Bürgerschule abbrechen und trat eine Stelle als Dienstmädchen an. Später arbeitete sie in einer Gumpendorfer Appreturfabrik.

1892 schloss sich Amalie Ryba als Mitglied dem Gumpendorfer Arbeiterbildungsverein an. Eine der Mitinitiatorinnen des ersten Frauenstreiks ("Streik der 700") in der Geschichte der Frauenbewegung war sie 1893. Die Forderungen waren die Verminderung der täglichen Arbeitszeit von 13 auf zehn Stunden und ein arbeitsfreier Erster Mai. Während des Streiks wurde auch Viktor Adler auf sie aufmerksam. Wegen ihres temperamentvollen öffentlichen Auftretens als Rednerin wurde sie zu drei Wochen Haft verurteilt. 1895 heiratete Amalie Ryba den Techniker und sozialdemokratischen Aktivisten Richard Seidel. Die Ehe zerbrach, sodass sie ihre beiden Töchter alleine aufzog.

1897 wirkte Amalie Seidel als Mitbegründerin und Vorstandsmitglied einer Konsumgenossenschaft. Zudem war sie Schriftführerin des Lese-und Debattierclubs "Libertas". Als Rednerin bei Parteiveranstaltungen trat sie 1900 wieder auf. Sie wurde Vorsitzende des Frauenbezirkskomitees von Margareten und war Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauenreichskonferenzen von 1903 bis 1932. An den Parteitagen 1903 und 1907 bis 1913 nahm sie als Delegierte teil. 1912 war Amalie Seidel Mitgründerin der Genossenschaftlichen Frauenorganisation, Mitglied des Aufsichtsrates der Niederösterreichischen Konsumvereine und des Vorstandes der Konsumgenossenschaft Wien.

Nach dem Ersten Weltkrieg zählte sie zu den ersten Politikerinnen in der Ersten Republik. Sie gehörte dem Provisorischen Gemeinderat der Stadt Wien an und kandidierte für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei im 5. Bezirk. Von 1919 bis 1920 war sie Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien, von 1920 bis 1923 Abgeordnete zum Wiener Landtag und Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien. Zudem fungierte sie von 1919 bis 1920 als Stadträtin und war von 1920 bis 1923 Vorsitzende des Gemeinderates der Stadt Wien. Auf nationaler Ebene wirkte sie als Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung und zog ab 1920 als Abgeordnete in den Nationalrat ein, dem sie bis 1934 angehörte.

Seidel war von 1919 bis 1920 Leiterin des Fürsorgereferats und später in der Verwaltungsgruppe III "Wohlfahrtseinrichtungen, Jugendfürsorge und Gesundheitswesen" des Wiener Stadtsenats beschäftigt. In ihrer politischen Tätigkeit konzentrierte sie sich auf Jugendfürsorge und das Gesundheitswesen. Sie kämpfte gegen das "Pflegeelternsystem" und prangerte die Aufnahme von Pflegekindern nur aus finanziellen Gründen oder als kostenlose Arbeitskräfte an. 1920 begründete Seidel das Wiener Jugendhilfswerk. Im Februar 1934 wurde sie durch das Dollfuß-Schuschnigg-Regime verhaftet. Nach ihrer Entlassung am 30. März stellte sie ihre Wohnung für illegale Treffen sozialistischer Frauen zur Verfügung.

1942 heiratete sie den jüdischen Wiener Kommunalpolitiker Siegmund Rausnitz, um ihn durch diese Ehe zu schützen. Dieser nahm sich allerdings das Leben, was Amalie Seidel schwer traf. 1944, nach dem Attentat auf Hitler, wurde sie einige Tage im Landesgericht Wien inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Amalie Seidel schließlich bei ihrer Tochter Emma und deren Ehemann Karl Seitz, dem einstigen Bürgermeister von Wien.

2006 wurde der Amalie-Seidel-Weg nach der Politikerin benannt.

Quellen

Literatur

  • Ilse Korotin [Hg.]: biografiA.Lexikon österreichischer Frauen. Band 3 P–Z. Wien [u. a.]: Böhlau 2016
  • Peter Autengruber: Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, frühere Bezeichnungen. Wien: Pichler Verlag 2014, 9. Auflage, S. 29
  • Wolfgang Solt: Mitglieder des Gemeinderates der Stadt Wien (Wiener Landtages) und des Stadtsenates der Stadt Wien (der Wiener Landesregierung) 1918−1934. Wien: 1995
  • Renate Wagner: Amalie Seidel. In: Frauenblatt, 20.10.1990, S. 8 f.
  • Edith Leisch-Prost: "Die Partei hat mich nie enttäuscht ...": Österreichische Sozialdemokratinnen. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1989
  • Archivalisches Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Arbeiterbewegung. 1986, S. 136 ff.
  • Jean Maitron / Georges Haupt [Hg.]: Dictionnaire biographique du mouvement ouvrier international. Band 1: Autriche. Paris: Éditions Ouvrières 1971
  • Wienbibliothek Digital: Oswald Knauer: Der Wiener Gemeinderat 1861–1962. In: Handbuch der Stadt Wien. Band 77. Wien: Verlag für Jugend und Volk 1963 [Stand: 11.11.2019]

Weblinks