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Stefan Weber

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Stefan Weber im Foyer der Wienbibliothek im Rathaus (2007)
Daten zur Person
PersonennameName der Person Weber, Stefan
Abweichende NamensformAlternative Formen des Namens
Titel Mag.
Geschlecht männlich
Wien Geschichte WikiIdentifier/Persistenter URL zur Seite 
GNDGemeindsame Normdatei 122495128
Wikidata Q87390
GeburtsdatumDatum der Geburt 8. November 1946
GeburtsortOrt der Geburt Wien
SterbedatumSterbedatum 7. Juni 2018
SterbeortSterbeort
BerufBeruf Lehrer, Musiker
Parteizugehörigkeit
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus
Siehe auchVerweist auf andere Objekte im Wiki  Popgeschichte
RessourceUrsprüngliche Ressource  Gedenktage, Gedenktage-GW
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Letzte Änderung am 12.12.2023 durch WIEN1.lanm09bie
BestattungsdatumDatum der Bestattung 
FriedhofFriedhof, auf dem eine Person begraben wurde
Grabstelle
BildnameName des Bildes StefanWeber.jpg
BildunterschriftInformation, die unterhalb des Bildes angezeigt werden soll Stefan Weber im Foyer der Wienbibliothek im Rathaus (2007)

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Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft
  • Silbernes Verdienstzeichen des Landes Wien (Verleihung: 22. April 2004, Übernahme: 27. April 2005)
  • Amadeus Austrian Music Award für sein Lebenswerk (Verleihung: 2005)

Stefan Weber, * 8. November 1946 Wien, † 7. Juni 2018, Rockmusiker, Lehrer.

Biografie

Stefan Weber studierte ab 1964 an der Akademie der bildenden Künste in Wien in der Meisterklasse für Grafik und schloss sein Studium 1975 mit dem Diplom ab. 1970 legte er die Lehramtsprüfung für Allgemeinbildende Höhere Schulen ab und unterrichtete bis zu seiner krankheitsbedingten Frühpensionierung im Jahr 2000 bildnerische Erziehung am Gymnasium Waltergasse in Wien – hier standen auch Kollegen wie Friedrich Polakovics oder Ernst Jandl für ein liberales Bildungsklima. Von 1971 bis 1973 besuchte er zusätzlich die Grafikklassen der Professoren Franz Herberth und Wolfgang Baminger an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Stefan Weber war ab 1966 Mitglied der als "wildeste Band von Wien" firmierenden Truppe "wabbs crew" (später "wabbs gun"). Nach der Auflösung von wabbs crew gründete Weber im Jahr 1969 die Underground-Rock-Punk-Gruppe "Drahdiwaberl".

"Der Name leitet sich von einer wienerischen Bezeichnung für einen Kreisel ab", weiß Wikipedia, verschweigt aber, dass damit nicht nur ein Spielzeug, sondern weit zutreffender ein berauschter Zustand und wild-anarchistischer Zugang zum Weltgeschehen gemeint sein könnte. Weber, deklarierter Kommunist, war daran interessiert, gesellschaftspolitische Botschaften mit den Mitteln der Protest- und Popkultur zu vermählen.

Ihren ersten offiziellen Auftritt hatten Drahdiwaberl 1972 im Audimax der Universität Wien. Zunächst eher an internationalen Vorbildern wie den Rolling Stones, den Fugs, Franz Zappa, The Tubes oder Alberto Y Lost Trios Paranoias orientiert, entwickelte der Musiker-Kern der chaotisch-aktionistischen Gruppe ab Mitte der Siebzigerjahre ein eigenes Repertoire. Mit der Compilation "Wiener Blutrausch", 1979 im Eigenverlag veröffentlicht, hatten Stefan Weber und Drahdiwaberl maßgeblichen Anteil an der – im internationalen Kontext verspäteten – Initialzündung von Punk und New Wave in Österreich.

Weber bezeichnete die Gruppe als "Kabarett-Rock-Exzess-Kultband". Viele heute prominente Musikerinnen und Musiker begannen ihre Karriere bei "Drahdiwaberl". Hans Hölzel, später Falco, trat der Formation rund um die Bandleader Peter Vieweger und Thomas Rabitsch 1978 als Bassist bei. Sein Song "Ganz Wien" wurde rasch einer der musikalischen Höhepunkte der berüchtigten Drahdiwaberl-Shows, die keine Form von Provokation und Exzess scheuten und als obligaten Höhe- und Schlusspunkt einen "Mulatschag" (ungarisch: Mulatság; Belustigung, Vergnügen) darboten, bei dem es auf der Bühne zu regelrechten Sexorgien kam.

Der legendäre Ruf der Truppe drang bis zum jungen Produzenten Markus Spiegel (GiG Records) durch, der sowohl Drahdiwaberl als auch Falco als Einzelkünstler unter Vertrag nahm. Letzterer steuerte mit Hits wie "Der Kommissar", "Junge Römer" und "Amadeus" zielstrebig eine Weltkarriere an. Der Ursprungszelle um Stefan Weber gelang immerhin trotz anfänglichen Rundfunkboykotts überregionaler Erfolg mit ihren Shows, Alben (etwa "Psychoterror", "McRonalds Massaker" oder "Werwolfromantik") und ironisch intendierten Hit-Singles (beispielsweise "Lonely" mit Lukas Resetarits oder "Greif hier nicht her" mit dem ehemaligen Jagger- und Bowie-Groupie Dana Gillespie).

Als Karrierehöhepunkt – zugleich ein Tiefpunkt des Publikum-Unverständnisses – werden intern USA-Auftritte beim New Music Seminar 1991 und im "Palladium" in New York gewertet, die auch internationale Schlagzeilen abwarfen. Ihre größte Popularität genoss die Band in den 1980er Jahren, teilweise auch mit äußerst provokativen Auftritten, die oft Verhaftungen, Auftrittsverbote und Gerichtsverfahren nach sich zogen. Schlagzeilen wie "Psychoterror in Österreich" und "Blutige Massenschlägerei vor dem Haus der Begegnung" gingen durch die Medien. Aufmerksamkeit erlangte die Band dann noch einmal ab dem Jahr 2000, als sie des Öfteren bei den Donnerstagsdemonstrationen gegen die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung auftrat.

Seit 1975 spielte man mit dem Gedanken, seit 1990 spielten Drahdiwaberl dezidiert "letzte" Konzerte. Tatsächlich löste sich die lose Formation im Lauf der Jahrzehnte mehrmals auf. Die wechselnden, bis dato aus über vierzig Musikern und noch weit mehr Bühnenaktionisten – darunter etwa Lotte Pawek, Franz Bilik, Heli Deinboek und Jazz Gitti – bestehenden Inkarnationen hatten jedoch immer die Texte und Inszenierungsvorgaben des Sängers und Kopfs von Drahdiwaberl, Stefan Weber, als jede Veränderung überdauernden Kern.

Ab Mitte der Neunzigerjahre wurde es ruhiger um Drahdiwaberl, trotz einiger Veröffentlichungen, Dokumentationen, Filme ("Weltrevolution") und gelegentlicher Auftritte. Offiziell aufgelöst ist die Band bis heute nicht, der letzte Auftritt – mit einem durch seine Parkinson-Erkrankung deutlich geschwächten zentralen Protagonisten – erfolgte am 11. Mai 2013 am Karlsplatz in Wien (im Rahmen einer Stefan Weber-Personale des Wien Museums).

Der Film "Weltrevolution", Regie Klaus Hundsbichler, ist eine Dokumentation über die Genese der wilden Truppe. 2008 fand beim Filmfestival in Rotterdam die Premiere statt, 2011 erschien der Film auf DVD. Eine filmische Ehrerweisung legte 2016 auch Regisseur Amor Schläggen vor. Mit "Stefan Weber heißt das Schwein" entstand eine verspielte und vielsagende Doku, die Schläggen mit der Mulatschag-TV-Truppe 2016 als Geschenk an das unersetzliche Wiener Enfant Terrible zu dessen 70er gestaltet hat.

1985 veröffentlichte Weber gemeinsam mit Hansi Dujmic, Joesi Prokopetz und Peter Vieweger unter dem Namen "ULK (Unzulässige Lehrer Konzentration)" die Single "Na, so geht's ned".

Weber trat auch immer wieder im Fernsehen auf, zum Beispiel in den Serien "Kottan ermittelt – Entführung" (1982), "Kaisermühlen Blues – Ein Stern wird geboren" (1997), "Trautmann" – Wer heikel ist, bleibt übrig" (2000) und "Kommissar Rex – Strahlen der Rache" (2001).

Die Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus besitzt einen Großteil des Archivs von Stefan Weber, das seinen großen Einfluss auf die Entwicklung der Wiener Musikerszene der 1960er und 1970er Jahre belegt. In der Plakatsammlung finden sich fast vollständig die von Stefan Weber gestalteten Plakate, die wegen ihrer hohen künstlerischen Qualität immer wieder in Ausstellungen gezeigt werden.

Quellen

Literatur

Stefan Weber im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.

Weblinks