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Universal-Edition

Aus Wien Geschichte Wiki
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Daten zur Organisation
Art der OrganisationArt der Organisation Verlag
Datum vonDatum (oder Jahr) von 15. Juni 1901
Datum bisDatum (oder Jahr) bis
Benannt nach
Prominente Personen
Wien Geschichte WikiIdentifier/Persistenter URL zur Seite 
GNDGemeindsame Normdatei 2045143-X
WikidataIDID von Wikidata Q569779
Siehe auchVerweist auf andere Objekte im Wiki  Verlagsgeschichte
RessourceUrsprüngliche Ressource  Murray G. Hall: Österr. Verlagsgeschichte
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Letzte Änderung am 14.04.2021 durch WIEN1.lanm09lue
  • 1., Karlsplatz 6

Frühere Adressierung
  • 11 (von: 1901, bis: 1908)
  • 32 (von: 1908, bis: 1911)
  • 9 (von: 1911, bis: 1914)
  • Universal Edition Actiengesellschaft (1901)

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Universal-Edition, auch Universal Edition oder UE. Bei der Universal-Edition (UE) handelt es sich um einen Wiener Musikverlag, der am 15. Juni 1901 in einer konstituierenden Generalversammlung als "Universal Edition Actiengesellschaft" ins Leben gerufen wurde. Ausschlaggebend für die Gründung war der Wunsch von Wiener Musikverlegern und Musikfreunden, von den vornehmlich aus Leipzig stammenden Notenimporten unabhängig zu werden. Die Universal-Edition wurde in der Folge zum Vorzeigebeispiel dafür, wie man in Österreich einen den etablierten Verlagshäusern in Deutschland ebenbürtigen Verlag schaffen konnte. Mit der Universal-Edition gelang es auch, das bis dahin primär im Ausland erfolgte Verlegen von moderner österreichischer Musik wieder ins Land zurückzuholen. Wesentlich für den Erfolg war die Vereinigung von namhaften Wiener Musikverlegern mit der leistungsfähigen Wiener Notendruckerei R. v. Waldheim-Josef Eberle & Co. Im Verwaltungsrat des Unternehmens fanden sich Verleger wie Josef Weinberger, Bernhard Herzmansky (senior) und Adolf Robitschek sowie der Bankier Josef Simon, Schwager von Josef Strauss.

Bereits im Jahr der Gründung erschienen mehr als 400 Nummern mit vorwiegend Werken aus der Klassik und Romantik. In den folgenden Jahren wurde durch die Übernahme von Verlagsrechten und durch Ankauf des Münchner Verlags Joseph Aibl (1904) zahlreiche Werke namhafter Komponisten, darunter Richard Strauss und Franz von Suppè, in das Verlagsrepertoire übernommen. Ab 1907 bis zu seinem Tod 1932 war Emil Hertzka geschäftsführender Redakteur und ab 1909 Direktor der Universal-Edition. Hertzka baute neben den "Klassikern" eine Sparte für neue Musik auf und verlegte Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton von Webern, Béla Bartók, Josef Matthias Hauer und Ernst Krenek, um hier nur einige zu nennen, wodurch die Universal-Edition zu einem der wichtigsten Verlage für zeitgenössische europäische Musik aufstieg und fortan weite Teile der Tonkunst – egal ob Klassik, Romantik, moderne Musik, Studienwerke oder auch Unterhaltungsstücke – auch in Wien erhältlich waren. Innerhalb der ersten zehn Jahre erreichte die Verlagsproduktion 5.000 Nummern.

Zum Verlagsrepertoire zählten Unterrichts- und Spielliteratur, wissenschaftliche Ausgaben, zahlreiche Reihen, Zeitschriften sowie Gesamtausgaben. So erschien beispielsweise ab 1911 Arnold Schönbergs "Harmonielehre" und im Jahr darauf startete das Projekt "Klassiker der Tonkunst" in acht Bänden. Dabei handelte es sich um Prachtausgaben mit ausführlichen Biografien, Einführungen und Illustrationen. Von 1913 bis 1921 wurde in zehn Bänden die Reihe "Meisterwerke kirchlicher Tonkunst in Österreich" verlegt. 1919 übernahm die Universal-Edition die Reihe "Denkmäler der Tonkunst in Österreich", die 1894 begründet wurde und zuvor bei Artaria erschien. Die Universal-Edition führte die Reihe bis 1938 weiter. Von 1924 bis 1937 erschien mit "Pult und Taktstock" eine Fachzeitschrift für Dirigenten. Von 1926 bis 1942 wurde in 16 Bänden die Gesamtausgabe der Werke von Claudio Monteverdis herausgegeben. Ab 1934 wurde mit "Continuo" eine Sammlung alter Spielmusik aufgebaut.

Nach dem Tod Hertzkas im Jahr 1932 übernahmen Hugo Winter, Hans Heinsheimer und Alfred A. Kalmus das Direktorium. 1936 emigrierte Alfred A. Kalmus nach London, wo er die Universal Edition London gründete. Hans Heinsheimer emigrierte 1938 nach New York. Mit dem so genannten "Anschluss" wurden die zahlreichen jüdischen Aktionärinnen und Aktionäre zum Verkauf ihrer Anteile weit unter ihrem Wert gezwungen. Der Rechtsanwalt Ernst Geutebrück verleibte sich den Verlag zunächst als "kommissarischer Verwalter" ein, weitere Transaktionen folgten, ehe das Unternehmen 1940 an Johann Petschull verkauft wurde, der es als Universal Edition Johannes Petschull führte. Nicht nur Aktionärinnen und Aktionäre sowie das Leitungsgremium wurden enteignet und vertrieben, auch zahlreiche Komponisten galten als "entartet" und unterlagen einem Aufführungsverbot.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Alfred Schlee Leiter der Universal-Edition, die zunächst noch unter öffentlicher Verwaltung stand. Bereits während des Krieges hatte Schlee, der ab 1927 im Verlag tätig war, Materialien vor der Vernichtung bewahrt und mit Künstlerinnen und Künstlern – auch jüdischen – Kontakt gehalten und Pläne für die Verlagsarbeit nach Kriegsende gemacht. Er war am Wiederaufbau des Verlags nach 1945 maßgeblich beteiligt. Am 5. Juni 1951 wurde die Universal-Edition in einer Generalversammlung wieder in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Alfred A. Kalmus, Alfred Schlee und Ernst Hartmann wurden zu Vorständen bestellt.

Ab 1955 bis 1962 erschien mit "die reihe" ein Forum für serielle und elektronische Musik. Es folgten zahlreiche weitere Reihen-Gründungen, viele Gesamtausgaben, aber auch Ausstellungen und die Aufnahme "neuer" Musikrichtungen, wie beispielsweise Jazz in das Verlagsprogramm. Seit 1972 erscheint unter dem Titel "Wiener Urtext Edition" eine wissenschaftlich-kritische Ausgabe von Musik der Vorklassik bis zur Romantik.

Anfang der 1980er Jahre übergab die Universal-Edition tausende Musikhandschriften, Musikdrucke und Briefe aus ihrem historischen Archiv der Wienbibliothek im Rathaus – teils als Dauerleihgabe, teils als Schenkung. Diese Bestände sind in Archivordnern alphabetisch nach Komponisten erschlossen und können nach Absprache mit der Universal-Edition bestellt und im Lesesaal der Wienbibliothek eingesehen werden.


Quellen

Literatur