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Ingeborg Bachmann

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Daten zur Person
PersonennameName der Person Bachmann, Ingeborg
Abweichende NamensformAlternative Formen des Namens
Titel
Geschlecht weiblich
Wien Geschichte WikiIdentifier/Persistenter URL zur Seite 
GNDGemeindsame Normdatei 118505602
Wikidata Q78506
GeburtsdatumDatum der Geburt 25. Juni 1926
GeburtsortOrt der Geburt Klagenfurt 4030921-6
SterbedatumSterbedatum 17. Oktober 1973
SterbeortSterbeort Rom 4050471-2
BerufBeruf Lyrikerin
Parteizugehörigkeit
Ereignis
Nachlass/Vorlass Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
Siehe auchVerweist auf andere Objekte im Wiki 
RessourceUrsprüngliche Ressource  Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, Gedenktage-GW
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Recherche
Letzte Änderung am 7.03.2024 durch WIEN1.lanm09kka
BestattungsdatumDatum der Bestattung 
FriedhofFriedhof, auf dem eine Person begraben wurde Friedhof Annabichl, Klagenfurt
Grabstelle
  • 3., Gottfried-Keller-Gasse 13
  • 3., Beatrixgasse 26
Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft

  • Georg-Büchner-Preis (Verleihung: 1965)
  • Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur (Verleihung: 1968)
  • Hörspielpreis der Kriegsblinden (Übernahme: 17. März 1959)
  • Preis der Gruppe 47 (Verleihung: 1953)
  • Anton-Wildgans-Preis (Verleihung: 1971)
  • Fördergabe des Literarischen Förderungswerkes des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (Übernahme: 1955)
  • Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen (Übernahme: 1957)
  • Deutscher Kritikerpreis (Übernahme: 1961)

Ingeborg Bachmann, * 25. Juni 1926 Klagenfurt, † 17. Oktober 1973 Rom, Lyrikerin.

Biografie

Ingeborg Bachmann war das erste von drei Kindern des Volksschullehrers Matthias Bachmann (1895–1973) und seiner Frau Olga (geborene Haas, 1901–1998). Der Vater stammte aus einer Bauernfamilie im Kärntner Gailtal, wo Bachmann prägende Teile ihrer Kindheit verbrachte. Die Volksschule und das Ursulinengymnasium absolvierte sie allerdings in Klagenfurt, wohin die Eltern kurz vor ihrer Geburt gezogen waren.

Von 1945 bis 1950 studierte Ingeborg Bachmann Philosophie und Germanistik in Innsbruck, Graz und ab Herbst 1946 in Wien. Bei Viktor Kraft, der dem Wiener Kreis zuzuordnen ist, dissertierte sie mit einer Arbeit über "Die kritische Aufnahme der Existenzialphilosophie Martin Heideggers". Nach der Promotion blieb sie in Wien und sammelte erste Erfahrungen mit journalistischer Arbeit für diverse örtliche Periodika.

Am 5. September 1947 lernte sie den zwei Jahrzehnte älteren Schriftsteller und Kritiker Hans Weigel kennen, der aus Zürich nach Wien remigriert war. Anlässlich der von ihm stammenden Revue "Seitensprünge", die an diesem Abend am Theater in der Josefstadt Premiere hatte, bat Bachmann um ein Interview, das, obwohl nie erschienen, schließlich eine längere Beziehung beider nach sich zog. Beredte Zeugnisse sind die zahlreichen Liebesbriefe aus Bachmanns Feder, die sich in Weigels Nachlass befinden. Schon 1948 sprach Bachmann gegenüber ihrem Mentor und Liebhaber in Personalunion von einer "Nachlass-Angst", wenn dereinst neugierige Doktoranden ihre intime Korrespondenz zu lesen bekommen sollten. Erstaunlich scheint, dass Bachmann nachgerade schockiert gewesen sei, als Weigel im Juli 1951 die Schauspielerin Elvira Hofer (1927–1995) geehelicht hat – zu diesem Zeitpunkt hatte ihn Paul Celan schon längst abgelöst.

Von 1951 bis 1953 arbeitete Bachmann als Rundfunkjournalistin beim Sender Rot-Weiß-Rot. In dieser Zeit verfasste sie nicht nur ihr erstes Hörspiel, sondern steuerte für die vielgehörte "Radiofamilie" elf Folgen bei. Bei vier weiteren Ausgaben darf sie als Co-Autorin von Jörg Mauthe und Peter Weiser gelten.

Wesentlich für ihre Entwicklung zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen nach 1945 waren ihre beiden Auftritte bei der Gruppe 47 in Niendorf an der Ostsee (1952) sowie in Mainz (1953). Für ihre dortige Lesung von vier Gedichten aus "Die gestundete Zeit" erhielt sie nicht nur den "Preis der Gruppe 47", sondern zudem 2.000 DM, die der Rowohlt-Verlag und der Südwestfunk in Baden-Baden ausgelobt hatten.

Allmählich neigte sich Bachmanns Zeit in Wien, wo sie laut Meldezetteln vom 21. Oktober 1946 bis zum 15. Juni 1949 bei Familie Winkler in der Beatrixgasse 26 (Gedenktafel, gestiftet von der Österreichischen Gesellschaft für Literatur; enthüllt am 4. April 1978) beziehungsweise vom 15. Juni 1949 bis zum 8. Oktober 1953 in der Gottfried-Keller-Gasse 13 (jeweils 3. Bezirk) gewohnt hatte, dem Ende zu. Sie zog nach Italien, wo ihre langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hans Werner Henze begann. 1956 nahm sie noch einmal eine feste Stelle an und wurde beim Bayerischen Fernsehen in München Dramaturgin. Nach zwei Jahren gab sie das Engagement aber auf und zog Max Frisch zuliebe nach Zürich, ab 1960 lebten beide gemeinsam in Rom – bis zur Trennung Ende 1962.

Allen Unkenrufen zum Trotz war sie während dieser Zeit sehr produktiv und erhielt zahlreiche renommierte Auszeichnungen. Darüber hinaus machte sie mit ihrer Poetikvorlesung an der Universität Frankfurt am Main Furore und fand wenig später Aufnahme in der Akademie der Künste, Berlin-West. In der Mauerstadt lebte sie Mitte der 1960er Jahre zwar für einige Zeit, sie ging aber 1965 nach Rom zurück. Ihre literarische Produktivität litt zunehmend unter einer Tabletten- und Alkoholabhängigkeit. Obendrein verließ sie den Piper-Verlag, nachdem dieser mit Hans Baumann einen früheren HJ-Kader mit der Übersetzung eines Textes von Anna Achmatowa beauftragt und somit dem von ihr vorgeschlagenen Paul Celan vorgezogen hatte. Dass der Verlagsleiter von Piper, seit 1958 hieß dieser Hans Rößner (1910–1997), einst SS-Obersturmbannführer und Referatsleiter im Reichssicherheitshauptamt gewesen war, entzog sich ihrer Kenntnis.

So wechselte Bachmann zu Suhrkamp, wo zu ihren Lebzeiten nur mehr der Roman "Malina" erschien, der bekanntlich auch eine topografische Reminiszenz an das ihr so gut bekannte "Ungargassenland" im 3. Wiener Gemeindebezirk ist. In Wien wurden nach ihr der Ingeborg-Bachmann-Park und der Ingeborg-Bachmann-Platz im 22. Bezirk benannt.

Ingeborg Bachmann und ihr Werk sind immer wieder Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. So wurden etwa im Rahmen des Projekts "Udine kommt" die in Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau temporär oberirdisch geführten Wasserrohre im Bereich des Sigmund-Freud-Parks mit Zitaten Bachmanns ummantelt, im Herbst 2023 war der Film "Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste" in den österreichischen Kinos zu sehen.

Quellen

Werke (Auswahl)

  • Ingeborg Bachmann: Die gestundete Zeit. Gedichte. Frankfurt/M.: Frankfurter Verlagsanstalt 1953
  • Ingeborg Bachmann: Anrufung des großen Bären. Gedichte. München: Piper 1956
  • Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhattan. Hörspiel. München: Piper 1958
  • Ingeborg Bachmann: Der dreißigste Jahr. Erzählungen. München: Piper 1961
  • Ingeborg Bachmann: Gedichte, Erzählungen, Hörspiel, Essays. München: Piper 1964
  • Ingeborg Bachmann: Ein Ort für Zufälle. Berlin: Wagenbach 1965
  • Ingeborg Bachmann: Malina. Roman. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1971
  • Ingeborg Bachmann: Simultan. Neue Erzählungen. München: Piper 1972
  • Ingeborg Bachmann: Werke. Hg. von C. Koschel, I. von Weidenbaum, C. Münster. 4 Bände. München: Piper 1978
  • Ingeborg Bachmann: Wir müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews. Hg. von C. Koschel und I. von Weidenbaum. München / Zürich: Piper 1983
  • Ingeborg Bachmann: "Todesarten"-Projekt. Kritische Ausgabe. Unter Leitung von Robert Pichl, hg. von Monika Albrecht und Dirk Göttsche. München: Piper 1995
  • Ingeborg Bachmann: Römische Reportagen. Hg. und mit einem Nachwort versehen von Jörg-Dieter Kogel. München / Zürich: Piper 1998
  • Ingeborg Bachmann: Kritische Schriften. Hg. von Monika Albrecht und Dirk Göttsche. München: Piper 2005
  • Ingeborg Bachmann: Die Radiofamilie. Hg. und mit einem Nachwort von Joseph McVeigh. Berlin: Suhrkamp 2011
  • Ingeborg Bachmann: Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit. Hg. von Isolde Schiffermüller und Gabriella Pelloni. München: Piper bzw. Berlin: Suhrkamp 2017
  • Ingeborg Bachmann: Die Werke und Briefe Ingeborg Bachmanns (Salzburger Edition). München: Piper bzw. Berlin: Suhrkamp 2017ff.

Literatur

  • Helmut Böttiger: Wir sagen uns Dunkles. Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan. München: Dt. Verlagsanstalt 2017
  • Ina Hartwig: Wer war Ingeborg Bachmann? Eine Biographie in Bruchstücken. Frankfurt/M.: S. Fischer 2017
  • Helmut Böttiger: Seitensprünge, Nachlass-Angst. In: Süddeutsche Zeitung, 14.02.2016 [Stand: 05.08.2022]
  • Hans Höller / Arturo Larcati: Ingeborg Bachmanns Winterreise nach Prag. München: Piper 2016
  • Joseph McVeigh: Ingeborg Bachmanns Wien 1946–1953. Berlin: Insel-Verlag 2016
  • Helmut Böttiger: Ingeborg Bachmann. Berlin / München: Dt. Kunstverlag 2013
  • Ingeborg Gleichauf: Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit. München: Piper 2013
  • Marion Schmaus: Ingeborg Bachmann. Epoche – Werk – Wirkung. München: Beck 2013
  • Andrea Stoll: Ingeborg Bachmann – Der dunkle Glanz der Freiheit. München: Bertelsmann 2013
  • Frauke Meyer-Gosau: "Einmal muss das Fest ja kommen." Eine Reise zu Ingeborg Bachmann. München: Beck 2008
  • Bachmann-Handbuch. Hg. von Monika Albrecht und Dirk Göttsche. Stuttgart / Weimar: Metzler 2002
  • Adolf Opel: Wo mir das Lachen zurückgenommen ist … Auf Reisen mit Ingeborg Bachmann. München: Langen Müller 2001
  • Hans Höller: Ingeborg Bachmann. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1999
  • Sigrid Weigel: Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses. Wien: Zsolnay 1999
  • Adolf Opel: Landschaft, für die Augen gemacht sind. Ingeborg Bachmann in Ägypten. Wien: Deuticke 1996
  • LeMO: Lebendiges Museum Online: Ingeborg Bachmann [Stand: 13.11.2023]


Ingeborg Bachmann im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.

Weblinks