Petersbach
48° 7' 32.26" N, 16° 18' 47.68" E zur Karte im Wien Kulturgut
Der Petersbach entspringt bei Perchtoldsdorf und mündet bei Maria Lanzendorf in die Schwechat. Sein Einzugsgebiet erstreckt sich über 3.370 Hektar, sein mittlerer Abfluss (MQ) beträgt etwa 30 Liter pro Sekunde. Er ist Wiens südlichstes Fließgewässer, nur etwa 1,5 Kilometer des Flusslaufes befinden sich allerdings auf heutigem Wiener Stadtgebiet. In diesem Bereich war er für die Entwicklung der Gemeinde Siebenhirten von großer Bedeutung. Im Westen der Gemeinde mündete das Au-Bachel ein, das zwischen Oberliesing und Rodaun entsprang und den Burggraben des Liesinger Schlosses speiste. Um 1800 wurde dieses in den Liesinger Mühlbach abgeleitet.
Trotz seiner geringen Abflussmenge trieb der Petersbach in Siebenhirten drei Mühlen an: am westlichen Ortsende die Mühle der Brauerei Schellenhof, die seit 1719 bestand, die Teufelsmühle am östlichen Ortsende und eine weitere Mühle im Ortszentrum. Die Schellenhofmühle und die Teufelsmühle bestanden bis Anfang des 20. Jahrhunderts und wurden beide im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Betrieb der dritten Mühle dürfte schon früher, Ende des 19. Jahrhunderts, eingestellt worden sein. Im späten 18. und 19. Jahrhundert wurde die gesamte Abflussmenge in die Mühlbäche dieser Mühlen ausgeleitet.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stiegen die Einwohnerzahlen und die bebaute Siedlungsfläche von Siebenhirten stark an. Damit nahm auch das Ausmaß der Uferschutzmaßnahmen zu. In den 1940er und 1950er Jahren wurde der Lauf des Petersbachs im Wiener Stadtgebiet stark reguliert. Im Bereich der Kellerberggasse war der Bach auf 200 Meter eingewölbt. Die offenen Strecken waren mit Trapezprofilen hart verbaut. 2012 wurde ein 200 Meter langer Abschnitt des Petersbach renaturiert. Dazu wurde das gepflasterte Bachbett geöffnet, das Profil verbreitert und natürliches Sohlsubstrat eingebracht.
Der Petersbach im Bereich der heutigen Kellerberggasse, im Hintergrund die ehemalige Siebenhirtener Kirche (1942)
Regulierung des Petersbaches im Bereich von Vösendorf (1943)
Regulierung des Petersbaches im Bereich von Siebenhirten (1954)
Renaturierter Abschnitt des Petersbachs in Siebenhirten (2025)
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Literatur
- Ferdinand Opll: Wiener Bezirkskulturführer. XXIII Liesing. Wien: Jugend und Volk 1981
- Severin Hohensinner: Wild, aber nicht ursprünglich. Wiens Gewässer vor 1683. In: Wasser Stadt Wien. Eine Umweltgeschichte. Hg. vom Zentrum für Umweltgeschichte, Universität für Bodenkultur Wien. Wien: Holzhausen Druck 2019, S. 44-63
- Severin Hohensinner / Friedrich Hauer: Neue Maßstäbe. Industrialisierung der Gewässerlandschaft 1830–1918. In: Wasser Stadt Wien. Eine Umweltgeschichte. Hg. vom Zentrum für Umweltgeschichte, Universität für Bodenkultur Wien. Wien: Holzhausen Druck 2019, S. 90-121
- Julia Tanzer: Historische Morphologische Veränderung der südlichen Wiener Donauzubringer 1755–2010. Masterarbeit. Universität für Bodenkultur Wien. Wien 2016, S. 94-97
- Christina Spitzbart-Glasl: Wassermühlen in Wien: eine umwelthistorische Annäherung an Praktiken und Arrangements der mechanischen Wasserkraftnutzung vom 17. bis ins 20. Jahrhundert. Dissertation. Universität Klagenfurt. Klagenfurt 2021.
- R. Wimmer / H. Wintersberger / M. Fink / G. Wimmer-Weinzettl / T. Komarek: Wiener Gewässer. Typologie, Morphologie, Kenndaten. Wien2011
