Josef Popper-Lynkeus: Unterschied zwischen den Versionen

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Josef Popper-Lynkeus (eigentlich Popper), * 21. Februar 1838 Kolín, Böhmen, † 22. Dezember 1921 Wien, Sozialethiker, Philanthrop, sozialphilosophischer [[Schriftsteller]], Techniker, Erfinder.
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==Biografie==
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===Ausbildung und naturwissenschaftliche Bedeutung===
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Josef Popper studierte nach der Absolvierung der deutschen Oberrealschule in Prag von 1854 bis 1859 an der Prager deutschen technischen Hochschule Physik und Mathematik. Zugleich ging er am [[Polytechnikum|polytechnischen Institut]] in Wien naturwissenschaftlich-technischen Studien nach, hörte jedoch auch Vorlesungen zur Nationalökonomie, Kulturgeschichte und Ästhetik.
|Name=Karl Raimund Popper
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Aufgrund seiner jüdischen Abstammung konnte Josef Popper eine ihm in Prag angebotene Assistentenstelle nicht annehmen, sondern war vielmehr gezwungen, seinen Lebensunterhalt als Frachtarbeiter bei der [[Eisenbahn]], als Privatlehrer und Schriftsteller zu verdienen. Seit 1862 befasste er sich vermehrt mit Erfindungen. Im Bereich der Elektrotechnik beschäftigte er sich etwa mit den physikalischen Grundlagen der elektrischen Kraftübertragung und Kondensatortechnik. Auf dem Gebiet der Kalorik gelang ihm 1867 die Verbesserung der Leistung von Dampfmaschinen durch neuartige Reinigungssysteme (Kesseleinlagen) und in der Aerodynamik konnte er 1880 auf die Erfindung der "Kaptiv-Schraube", einer Art Propeller, verweisen.
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Popper-Lynkeus (eigentlich Popper) Josef, * 21. Februar 1838 Kolín, Böhmen, † 22. Dezember 1921 Wien, Sozialethiker, Philanthrop, sozialphilosophischer Schriftsteller, Techniker, Erfinder.
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In dieser Zeit wurde auch die lebenslang anhaltende Freundschaft Poppers mit dem [[Physiker]] und Philosophen [[Ernst Mach]] begründet, den er bei dessen psychophysikalischen Experimenten unterstützte. Die erste wirtschaftlich verwertbare Erfindung Poppers war ein Luftkondensator. Dieser wurde zusammen mit den seit 1870 patentierten Kesseleinlagen über eine eigens dafür begründete Firma, dessen Leitung sich Josef Popper mit seinem Bruder David teilte, vertrieben.
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===Schriftsteller===
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Abseits seiner naturwissenschaftlichen Arbeiten publizierte Josef Popper Gelegenheitsprosa, die ihm zunächst eine größere Bekanntheit eintrug, als seine technischen Arbeiten dies vermochten: In der Sammlung ''Phantasien eines Realisten'' (1900) ist die Erzählung ''Träumen wie Wachen'' enthalten, auf die sich [[Sigmund Freud]] während seiner Arbeit an der Traumdeutung, die im selben Jahr erschien, bezog und darin eine Vorwegnahme seiner eigenen Traumforschung erkannte. Das Prosawerk wurde von [[Georg Schönerer]] heftig attackiert und eine von ihm angeregte Interpellation der Alldeutschen Partei erwirkte 1901 die Beschlagnahmung der Schrift.
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===Sozialphilosophische Arbeiten===
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Die heutige Bekanntheit verdankt Josef Popper seinen theoretischen Abhandlungen als Sozialreformer. Sein sozialphilosophisches Denken verstand er als konsequente Fortführung der Lehren Voltaires sowie der Aufklärung. Erste Aufmerksamkeit erregte Poppers frühe Schrift ''Das Recht zu leben und Die Pflicht zu sterben'' (1878), worin er versucht, die Forderungen Voltaires (Achtung des Individuums, Freiheit und Unabhängigkeit des Denkens) in die Gegenwart zu übersetzen. Im Zentrum der freien Gesellschaft stehe ein persönlich und politisch freies Individuum, welches keinen religiös-sittlichen Normen unterworfen sei. Der Staat wird von Popper als ein soziales Geschöpf der Gesellschaft betrachtet, der dem Individuum nicht übergeordnet ist, sondern von diesem, um nicht in Anarchie zu degenerieren, aus Solidarität gegenüber dem menschlichen Leben erhalten wird. In diesem Zusammenhang spricht sich Popper auch für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht sowie für Strafrechtsreformen aus.
  
==Biographie==
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Sein sozialphilosophisches Hauptwerk formulierte er 1912 mit ''Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage''. Darin legte Popper ein statistisch und volkswirtschaftlich  begründetes Modell vor, wonach der Staat als Gegenleistung für den Arbeitsdienst, zu dem sich die Bürger in einer "Nährpflicht-Armee" verpflichten, dem Individuum die lebensnotwendige Grundversorgung zur Verfügung stellt. Die Umsetzung überwacht die sogenannte "Minimum-Institution". Die Realisierbarkeit dieses Modells einer materiellen Grundsicherung für alle wurde von Josef Popper mathematisch bewiesen.
  
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Popper verfasste zudem Schriften gegen den [[Antisemitismus]] und trat, ohne der zionistischen Bewegung anzugehören, für die Schaffung eines jüdischen Staates ein.
  
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===Rezeption===
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Die größte Bedeutung erlangten die sozialreformerischen Ideen Poppers während und nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]], als in der Wiener Sozialdemokratie im Umfeld von [[Otto Bauer]] und [[Otto Neurath]] solche sozialreformerischen Ideen als Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme diskutiert wurden.
  
==Ausbildung und naturwissenschaftliche Bedeutung==
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1918, noch zu Lebzeiten Poppers, wurde der Verein "Allgemeine Nährpflicht" gegründet, welcher sich die Umsetzung und Verbreitung der sozialreformerischen Konzepte ihres Begründers in Österreich und Deutschland zum Ziel gesetzt hatte.  
Josef Popper studierte nach der Absolvierung der deutschen Oberrealschule in Prag von 1854-1859 an der Prager deutschen technischen Hochschule Physik und Mathematik, ging zugleich am polytechnischen Institut in Wien naturwissenschaftlich-technischen Studien nach, hörte jedoch auch Vorlesungen aus Nationalökonomie, Kulturgeschichte und Ästhetik.
 
Aufgrund seiner jüdischen Abstammung war es Popper nicht möglich, eine ihm in Prag angebotene Assistentenstelle anzunehmen, sondern war gezwungen, seinen Lebensunterhalt als Frachtarbeiter bei der Eisenbahn, Privatlehrer und Schriftsteller zu verdienen. Seit 1862 befasste er sich vermehrt mit Erfindungen im Bereich der Elektrotechnik (Physikalische Grundlagen der elektrischen Kraftübertragung, Kondensatortechnik), der Kalorik (1867 Verbesserung der Leistung von Dampfmaschinen durch neuartige Reinigungssysteme (Kesseleinlagen)), der Aerodynamik (1880 Erfindung der „Kaptiv-Schraube“, eine Art Propeller). In dieser Zeit wurde auch die lebenslang anhaltende Freundschaft Poppers mit dem Physiker und Philosophen [[Ernst Mach]] begründet, da er Mach bei dessen psychophysikalischen Experimenten unterstützte. Die erste wirtschaftlich verwertbare Erfindung Poppers war ein Luftkondensator, der zusammen mit den seit 1870 patentierten Kesseleinlagen über eine eigens dafür begründete Firma vertrieben wurde, dessen Leitung sich Josef Popper mit seinem Bruder David teilte.
 
==Schriftsteller==
 
Abseits seiner naturwissenschaftlichen Arbeiten publizierte Josef Popper Gelegenheitsprosa, die ihm eine größere Bekanntheit eintrugen, als seine technischen Arbeiten dies vermochten: In der Sammlung Phantasien eines Realisten (1900) ist die folgenreiche Erzählung Träumen wie Wachen enthalten, auf die sich [[Sigmund Freud]] während seiner Arbeit an der Traumdeutung, die im selben Jahr erschien, bezog und darin eine Vorwegnahme seiner eigenen Traumforschung erkannte. Das Prosawerk wurde von [[Georg Schönerer]] heftig attackiert und eine von Ihm angeregte Interpellation der Alldeutschen Partei erwirkte 1901 die Beschlagnahmung der Schrift.  
 
  
==Sozialphilosophische Arbeiten==  
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===Biografische Quellen und Dokumente in der Wienbibliothek im Rathaus===
Die heutige Bekanntheit verdankt Josef Popper seinen theoretischen Abhandlungen als Sozialreformer. Sein sozialphilosophisches Denken versteht Popper als konsequente Fortführung der Lehren Voltaires sowie der Aufklärung. Erste Aufmerksamkeit erregte Poppers frühe Schrift Das Recht zu leben und Die Pflicht zu sterben (1878), worin er versucht, die Forderungen Voltaires (Achtung des Individuums, Freiheit und Unabhängigkeit des Denkens) in die Gegenwart zu übersetzen. Im Zentrum der freien Gesellschaft steht ein persönlich und politisch freies Individuum, welches keinen religiös-sittlichen Normen unterworfen ist. Der Staat wird als ein soziales Geschöpf der Gesellschaft betrachtet, der dem Individuum nicht übergeordnet ist, sondern von diesem, um nicht in Anarchie zu degenerieren, aus Solidarität gegenüber dem menschlichen Leben erhalten wird. In diesem Zusammenhang spricht sich Popper auch für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht sowie für Strafrechtsreformen aus.
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Josef Popper unterhielt ausführliche Korrespondenzen mit dem Literaturkritiker [[Moritz Necker]] sowie den Schriftstellern [[Carl Colbert]] und [[Anton Wildgans]]. Diese Korrespondenzen sowie eine Sammlung von etwa 50 [[Brief]]en, beinhaltend Nachrichten Josef Poppers an Regierungsrat Jakob von Winternitz, den Leiter des literarischen Büros im [[Ministerium des Äußeren]], werden in der Handschriftensammlung der [[Wienbibliothek im Rathaus]] aufbewahrt.  
Sein sozialphilosophisches Hauptwerk formulierte er 1912 mit Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage. Darin legte Popper ein statistisch-volkswirtschaftlich minutiös untermauertes Modell vor, wonach der Staat als Gegenleistung für den Arbeitsdienst, zu dem sich die Bürger in einer „Nährpflicht-Armee“ verpflichten,  dem Individuum die lebensnotwendige Grundversorgung zur Verfügung stellt. Die Umsetzung überwacht die sogenannte „Minimum-Institution“. Die Realisierbarkeit dieses Modells einer materiellen Grundsicherung für alle hat Josef Popper mathematisch bewiesen.
 
Popper verfasste zudem Schriften gegen den Antisemitismus und trat, ohne der zionistischen Bewegung anzugehören, für die Schaffung eines jüdischen Staates ein.  
 
  
==Rezeption==
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Nach dem Sozialethiker wurden die [[Lynkeusgasse]] und das [[Popper-Lynkeus-Denkmal]] benannt.
Die größte Bedeutung erlangten die sozialreformerischen Ideen Poppers während und nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]], als in der Wiener Sozialdemokratie im Umfeld von [[Otto Bauer]] und [[Otto Neurath]] solche sozialreformerischen Ideen als Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme diskutierten.
 
1918, noch zu Lebzeiten Poppers, wurde der Verein „Allgemeine Nährpflicht“ gegründet, welcher sich die Umsetzung und Verbreitung der sozialreformerischen Konzepte ihres Begründers in Österreich und Deutschland zum Ziel gesetzt hatte.
 
==Biografische Quellen und Dokumente in der Wienbibliothek im Rathaus==
 
Josef Popper unterhielt ausführliche Korrespondenzen mit dem Literaturkritiker [[Moritz Necker]], den Schriftstellern [[Carl Colbert]] und [[Anton Wildgans]]. Diese Korrespondenzen sowie eine Sammlung von etwa 50 Briefen beinhaltend Nachrichten Josef Poppers an Regierungsrat Jakob von Winternitz, den Leiter des literarischen Büros im Ministerium des Äußern werden in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt.  
 
  
Die [[Lynkeusgasse]] und das [[Popper-Lynkeus-Denkmal]] wurden nach ihm benannt.
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==Quellen==
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*[https://wais.wien.gv.at/document/6802b3b5-5ad8-41a9-930d-9b3cc5c63ec9 Wiener Stadt- und Landesarchiv, BPD Wien: Historische Meldeunterlagen, K11]
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*[https://permalink.obvsg.at/wbr/AC15838668 Wienbibliothek im Rathaus: Josef Popper-Lynkeus]
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*[https://www.digital.wienbibliothek.at/wbr/name/view/2984955 Wienbibliothek Digital: Josef Popper-Lynkeus]
  
 
==Literatur==  
 
==Literatur==  
*Neue österreichische Biographie. 1815 – 1918. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1923-1935. Band 7.
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* Andrea Fruhwirth: Josef Popper-Lynkeus. Zwischen Individualethik, Ich-Verlust und Social Engineering. Anthropologische Montagefahrten eines Maschinen- und Menschentechnikers. Graz: SFB Moderne 2003
*Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
 
* Andrea Fruhwirth: Josef Popper-Lynkeus. Zwschen Individualethik, Ich-Verlust und Social Engeneering. Anthropologische Montagegfahrten eines Maschinen- und Menschentechnikers. Graz: SFB Moderne 2003
 
 
*Friedrich Brezina: Josef Popper-Lynkeus. Wien: Eigenverlag 1996  
 
*Friedrich Brezina: Josef Popper-Lynkeus. Wien: Eigenverlag 1996  
 
*Patricia Steines: Hunderttausend Steine. Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof, Tor I und Tor IV. Wien: Falter-Verlag 1993, S. 171 f.  
 
*Patricia Steines: Hunderttausend Steine. Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof, Tor I und Tor IV. Wien: Falter-Verlag 1993, S. 171 f.  
*Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u.a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
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*Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u. a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
 
*Rathauskorrespondenz, 18.12.1971, 15.02.1988
 
*Rathauskorrespondenz, 18.12.1971, 15.02.1988
*Harry Zohn: "...ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur...". Jüdisches Erbe in der österreichischen Literatur. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1986
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*Harry Zohn: "...ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur...". Jüdisches Erbe in der österreichischen Literatur. Wien [u. a.]: Amalthea-Verlag 1986
 
*Robert Plank: The welfare state as utopia. The work of Josef Popper-Lynkeus. New York: Human Dimension Center 1978
 
*Robert Plank: The welfare state as utopia. The work of Josef Popper-Lynkeus. New York: Human Dimension Center 1978
*Heribert Sturm: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. München: Oldenbourg 1974 - lfd.
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*Heribert Sturm: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. München: Oldenbourg 1974–lfd.
*Karl Raimund Popper: Die sozialreformerischen Ideen von Josef Popper-Lynkeus. o.O., o.J.  
 
 
*Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 158  
 
*Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 158  
*Ders.: Josef Popper-Lynkeus, der Gesellschaftsingenieur. Wien: Saturn-Verlag 1938  
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*Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien / Graz: Böhlau 1954–lfd.
 
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*Hans Markl: Josef Popper-Lynkeus, der Gesellschaftsingenieur. Wien: Saturn-Verlag 1938  
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*Neue österreichische Biographie. 1815–1918. Band 7. Wien [u. a.]: Amalthea-Verlag 1923–1935
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*Karl Raimund Popper: Die sozialreformerischen Ideen von Josef Popper-Lynkeus. O. O., o. J.
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*Josef Popper-Lynkeus im [https://search.wienbibliothek.at/primo-explore/search?vid=WBR&mode=advanced&query=creator,contains,118595822 Katalog der Wienbibliothek im Rathaus].
  
==Links==
+
==Weblinks==
 
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Popper-Lynkeus Wikipedia: Josef Popper-Lynkeus]
 
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Popper-Lynkeus Wikipedia: Josef Popper-Lynkeus]
 
* [http://www.dasrotewien.at/seite/rathauspark-denkmaeler.html Das Rote Wien. Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie: Josef Popper-Lynkeus]
 
* [http://www.dasrotewien.at/seite/rathauspark-denkmaeler.html Das Rote Wien. Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie: Josef Popper-Lynkeus]
 
* [http://www.biographien.ac.at/oebl_8/205.pdf Österreichisches Biographisches Lexikon: Josef Popper-Lynkeus]
 
* [http://www.biographien.ac.at/oebl_8/205.pdf Österreichisches Biographisches Lexikon: Josef Popper-Lynkeus]
 
* [https://www.deutsche-biographie.de/gnd118595822.html#ndbcontent Neue Deutsche Biographie: Josef Popper-Lynkeus]
 
* [https://www.deutsche-biographie.de/gnd118595822.html#ndbcontent Neue Deutsche Biographie: Josef Popper-Lynkeus]

Aktuelle Version vom 24. April 2024, 09:56 Uhr

Josef Popper-Lynkeus, um 1910
Daten zur Person
Personenname Popper-Lynkeus, Josef
Abweichende Namensform Popper, Josef; Lynkeus; P. Josef; Hugo von Friedheim; Nestor
Titel
Geschlecht männlich
PageID 16491
GND 118595822
Wikidata Q78903
Geburtsdatum 21. Februar 1838
Geburtsort Kolín
Sterbedatum 22. Dezember 1921
Sterbeort Wien
Beruf Sozialethiker, Philanthrop, Sozialphilosophischer Schriftsteller, Techniker, Erfinder
Parteizugehörigkeit
Ereignis
Nachlass/Vorlass Wienbibliothek im Rathaus
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, Gedenktage-GW
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Recherche
Letzte Änderung am 24.04.2024 durch WIEN1.lanm08uns
Begräbnisdatum
Friedhof Alter Israelitischer Friedhof
Grabstelle Gruppe 52A, Reihe 1, Nummer 20
Ehrengrab Ehrengrab
Bildname Josef Popper.jpg
Bildunterschrift Josef Popper-Lynkeus, um 1910
  • 2., Woltergasse 2a (Sterbeadresse)
Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft

Denkmal für Josef Popper-Lynkeus im Rathauspark
Titelblatt, 1879
Popper-Lynkeus-Medaille, gestaltet von Hugo Taglang, 1918

Josef Popper-Lynkeus (eigentlich Popper), * 21. Februar 1838 Kolín, Böhmen, † 22. Dezember 1921 Wien, Sozialethiker, Philanthrop, sozialphilosophischer Schriftsteller, Techniker, Erfinder.

Biografie

Ausbildung und naturwissenschaftliche Bedeutung

Josef Popper studierte nach der Absolvierung der deutschen Oberrealschule in Prag von 1854 bis 1859 an der Prager deutschen technischen Hochschule Physik und Mathematik. Zugleich ging er am polytechnischen Institut in Wien naturwissenschaftlich-technischen Studien nach, hörte jedoch auch Vorlesungen zur Nationalökonomie, Kulturgeschichte und Ästhetik.

Aufgrund seiner jüdischen Abstammung konnte Josef Popper eine ihm in Prag angebotene Assistentenstelle nicht annehmen, sondern war vielmehr gezwungen, seinen Lebensunterhalt als Frachtarbeiter bei der Eisenbahn, als Privatlehrer und Schriftsteller zu verdienen. Seit 1862 befasste er sich vermehrt mit Erfindungen. Im Bereich der Elektrotechnik beschäftigte er sich etwa mit den physikalischen Grundlagen der elektrischen Kraftübertragung und Kondensatortechnik. Auf dem Gebiet der Kalorik gelang ihm 1867 die Verbesserung der Leistung von Dampfmaschinen durch neuartige Reinigungssysteme (Kesseleinlagen) und in der Aerodynamik konnte er 1880 auf die Erfindung der "Kaptiv-Schraube", einer Art Propeller, verweisen.

In dieser Zeit wurde auch die lebenslang anhaltende Freundschaft Poppers mit dem Physiker und Philosophen Ernst Mach begründet, den er bei dessen psychophysikalischen Experimenten unterstützte. Die erste wirtschaftlich verwertbare Erfindung Poppers war ein Luftkondensator. Dieser wurde zusammen mit den seit 1870 patentierten Kesseleinlagen über eine eigens dafür begründete Firma, dessen Leitung sich Josef Popper mit seinem Bruder David teilte, vertrieben.

Schriftsteller

Abseits seiner naturwissenschaftlichen Arbeiten publizierte Josef Popper Gelegenheitsprosa, die ihm zunächst eine größere Bekanntheit eintrug, als seine technischen Arbeiten dies vermochten: In der Sammlung Phantasien eines Realisten (1900) ist die Erzählung Träumen wie Wachen enthalten, auf die sich Sigmund Freud während seiner Arbeit an der Traumdeutung, die im selben Jahr erschien, bezog und darin eine Vorwegnahme seiner eigenen Traumforschung erkannte. Das Prosawerk wurde von Georg Schönerer heftig attackiert und eine von ihm angeregte Interpellation der Alldeutschen Partei erwirkte 1901 die Beschlagnahmung der Schrift.

Sozialphilosophische Arbeiten

Die heutige Bekanntheit verdankt Josef Popper seinen theoretischen Abhandlungen als Sozialreformer. Sein sozialphilosophisches Denken verstand er als konsequente Fortführung der Lehren Voltaires sowie der Aufklärung. Erste Aufmerksamkeit erregte Poppers frühe Schrift Das Recht zu leben und Die Pflicht zu sterben (1878), worin er versucht, die Forderungen Voltaires (Achtung des Individuums, Freiheit und Unabhängigkeit des Denkens) in die Gegenwart zu übersetzen. Im Zentrum der freien Gesellschaft stehe ein persönlich und politisch freies Individuum, welches keinen religiös-sittlichen Normen unterworfen sei. Der Staat wird von Popper als ein soziales Geschöpf der Gesellschaft betrachtet, der dem Individuum nicht übergeordnet ist, sondern von diesem, um nicht in Anarchie zu degenerieren, aus Solidarität gegenüber dem menschlichen Leben erhalten wird. In diesem Zusammenhang spricht sich Popper auch für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht sowie für Strafrechtsreformen aus.

Sein sozialphilosophisches Hauptwerk formulierte er 1912 mit Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage. Darin legte Popper ein statistisch und volkswirtschaftlich begründetes Modell vor, wonach der Staat als Gegenleistung für den Arbeitsdienst, zu dem sich die Bürger in einer "Nährpflicht-Armee" verpflichten, dem Individuum die lebensnotwendige Grundversorgung zur Verfügung stellt. Die Umsetzung überwacht die sogenannte "Minimum-Institution". Die Realisierbarkeit dieses Modells einer materiellen Grundsicherung für alle wurde von Josef Popper mathematisch bewiesen.

Popper verfasste zudem Schriften gegen den Antisemitismus und trat, ohne der zionistischen Bewegung anzugehören, für die Schaffung eines jüdischen Staates ein.

Rezeption

Die größte Bedeutung erlangten die sozialreformerischen Ideen Poppers während und nach dem Ersten Weltkrieg, als in der Wiener Sozialdemokratie im Umfeld von Otto Bauer und Otto Neurath solche sozialreformerischen Ideen als Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme diskutiert wurden.

1918, noch zu Lebzeiten Poppers, wurde der Verein "Allgemeine Nährpflicht" gegründet, welcher sich die Umsetzung und Verbreitung der sozialreformerischen Konzepte ihres Begründers in Österreich und Deutschland zum Ziel gesetzt hatte.

Biografische Quellen und Dokumente in der Wienbibliothek im Rathaus

Josef Popper unterhielt ausführliche Korrespondenzen mit dem Literaturkritiker Moritz Necker sowie den Schriftstellern Carl Colbert und Anton Wildgans. Diese Korrespondenzen sowie eine Sammlung von etwa 50 Briefen, beinhaltend Nachrichten Josef Poppers an Regierungsrat Jakob von Winternitz, den Leiter des literarischen Büros im Ministerium des Äußeren, werden in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus aufbewahrt.

Nach dem Sozialethiker wurden die Lynkeusgasse und das Popper-Lynkeus-Denkmal benannt.

Quellen

Literatur

  • Andrea Fruhwirth: Josef Popper-Lynkeus. Zwischen Individualethik, Ich-Verlust und Social Engineering. Anthropologische Montagefahrten eines Maschinen- und Menschentechnikers. Graz: SFB Moderne 2003
  • Friedrich Brezina: Josef Popper-Lynkeus. Wien: Eigenverlag 1996
  • Patricia Steines: Hunderttausend Steine. Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof, Tor I und Tor IV. Wien: Falter-Verlag 1993, S. 171 f.
  • Murray G. Hall / Gerhard Renner: Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Autoren. Wien [ u. a.]: Böhlau 1992 (Literatur in der Geschichte, Geschichte in der Literatur, 23)
  • Rathauskorrespondenz, 18.12.1971, 15.02.1988
  • Harry Zohn: "...ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur...". Jüdisches Erbe in der österreichischen Literatur. Wien [u. a.]: Amalthea-Verlag 1986
  • Robert Plank: The welfare state as utopia. The work of Josef Popper-Lynkeus. New York: Human Dimension Center 1978
  • Heribert Sturm: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. München: Oldenbourg 1974–lfd.
  • Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 158
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien / Graz: Böhlau 1954–lfd.
  • Hans Markl: Josef Popper-Lynkeus, der Gesellschaftsingenieur. Wien: Saturn-Verlag 1938
  • Neue österreichische Biographie. 1815–1918. Band 7. Wien [u. a.]: Amalthea-Verlag 1923–1935
  • Karl Raimund Popper: Die sozialreformerischen Ideen von Josef Popper-Lynkeus. O. O., o. J.
  • Josef Popper-Lynkeus im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.

Weblinks