Grete Wiesenthal

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Grete Wiesenthal in Donauwalzer von Johann Strauss, 1908
Daten zur Person
Personenname Wiesenthal, Grete
Abweichende Namensform Silfverskiöld, Margarethe; Lang, Grete
Titel
Geschlecht weiblich
PageID 11087
GND 118771663
Wikidata
Geburtsdatum 9. Dezember 1885
Geburtsort Wien
Sterbedatum 22. Juni 1970
Sterbeort Wien
Beruf Tänzerin, Choreographin
Parteizugehörigkeit
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
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Letzte Änderung am 8.07.2019 durch WIEN1.lanm09was
Begräbnisdatum 26. Juni 1970
Friedhof
Grabstelle Wiener Zentralfriedhof
Ehrengrab ja„ja“ befindet sich nicht in der Liste (historisches Grab, ehrenhalber gewidmetes Grab, Ehrengrab) zulässiger Werte für das Attribut „Ehrengrab“.
Bildname Wienbibliothek-ausstellung2016-donau-so-blau-grete-wiesenthal.jpg
Bildunterschrift Grete Wiesenthal in Donauwalzer von Johann Strauss, 1908
  • 3., Modenapark 6
Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft

  • 1. Gatte Erwin LangDie Verwendung von „1. Gatte“ als Attributkette ist während des Hinzufügens von Annotationen nicht möglich.
  • 2. Gatte Nils SilverskjöldDie Verwendung von „2. Gatte“ als Attributkette ist während des Hinzufügens von Annotationen nicht möglich.

Grete Wiesenthal * 9. Dezember 1885 Wien, † 22. Juni 1970 Wien, Tänzerin, Choreographin.

Biografie

Grete (eigentlich: Margarethe) Wiesenthal wuchs mit fünf Schwestern und einem Bruder als Tochter des Malers Franz Wiesenthal auf. 1895 trat sie in die Ballettschule der Hofoper ein und wurde hier konsequent für das klassische Ballett geschult. 1901 wurde sie ins Corps de ballet aufgenommen. 1902, als sie bereits eine wichtige Ensemblestütze war, wurde ihr Talent von Gustav Mahler entdeckt. Trotz ihrer Erfolge verließ sie mit ihrer jüngeren Schwester Elsa wegen einer Auseinandersetzungen mit dem Ballettmeister die Hofoper. Die Schwester kreierten sie einen völlig neuen unkonventionellen Tanzstil, frei von Schablonen und Regeln. Ihren ersten öffentichen Auftritt als selbständige Tanztruppe hatten sie im Juni 1907 beim Gartenfest im Dreherpark in Max Mells Pantomime "Die Tänzerin und die Marionette".

Im Kabarett "Fledermaus" geben Grete, Elsa und ihre Schwester Bertha Wiesenthal am 14. Jänner 1908 vor einem prominenten Publikum, in dem sich Peter Altenberg, Hugo von Hofmannsthal, Gustav Klimt und Kolo Moser befanden, ihr Debut. Nachdem die Schwestern einige Wochen vor ausverkauftem Haus aufgetreten waren, folgten sie einer Einladung von Max Reinhardt nach Berlin; Gastspielreisen nach Russland, Ungarn und Prag schlossen sich an. 1910 heiratete Grete Wiesenthatl den Maler Erwin Lang, der für sie Plakate entwarf. 1911 wurde der gemeinsame Sohn Martin geboren. Nach dieser Unterbrechung trat Wiesenthal als Solistin auf; auch die Solokarriere verlief erfolgreich. Mit ihrerNeuinterpretation des Walzers konnte sie international reüssieren.

Hofmannsthal schrieb für sie "Amor und Psyche" und "Das fremde Mädchen", für Reinhardt arbeitete sie als Choreographin, und 1913 begann sie eine neue Karriere beim Stummfilm.

1919 gründete Wiesenthal auf der Hohen Warte eine Tanzschule, begann aber auch gelegentlich mit Partnern (Toni Birkmeyer, Willy Fränzl) aufzutreten. Berretis damals veröffentlichte sie unter dem Titel "Der Aufstieg. Aus dem Leben einer Tänzerin" ihre Memoiren. Das Buch wurde 1947 unter dem Titel "Die ersten Schritte wieder aufgellegt.

1920 debütierte sie als Schauspielerin (Phantasie in Raimunds "Die gefesselte Phantasie"), 1921/1922 unternahm sie eine Europa-Tournee, auf der sie ihren zweiten Gatten, den schwedischen Arzt Nils Silfverskiöld, kennenlernte. Nach der Heirat 1923 lebte sie in Stockholm. Nachdem auch diese Ehe gescheitert war, kehrte sie nach Wien zurück.

1926 kehrte Wiesenthal nach Wien zurück und eröffnete hier mit Birkmeyer wieder ihre Tanzschule; sie übernahm Arbeiten für Reinhardt (1928 Choreographie der "Fledermaus"). Ab 1928 arbeitete sie für die Salzburger Festspiele. Zu einem Triumph gestaltete sich die Einladung der Staatsoper das Ballett "Der Taugenichts in Wien" zu choreografiern (1929). Ab 1934 hatte Wiesenthal einen Lehrauftrag an der Akademie für Musik und darstellende Kunst. 1938 zog sie sich von der Bühne, aber auch privat, völlig zurück; ihre Wohnung (3, Modenapark 6) wurde zum Refugium für Verfolgte und Regimegegner.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie nochmals aktiv und arbeitete bis 1951 als Professorin in an der Akademie für Musik und darstellende Kunst sowie bis 1959 als Choreographin bei den Salzburger Festspielen. Hier erarbeitete sie dieChoreografien für Goldonis "Diener zweier Herren" und Mozarts "Die Hochzeit des Figaro". In allten Ernst Lothar-Inszenierungen des "Jedermann" gestaltete sie die Tischgesellschaft. Sie arbeitete auch für die Bregenzer Festwochen ("Eine kleine Nachtmusik, 1946).

1951 veröffentlichte sie mit "Iffi, Roman einer Tänzerin" ein weiteres autobiografisches Werk.

1981 wurde die Wiesenthalgasse nach der Tänzerin und 'Choreografin benannt.

Werke

  • Greten Wiesenthal: Der Aufstieg. Aus dem Leben einer Tänzerin. Berlin: Rowohlt 1919
  • Grete Wiesenthal: Iffi. Roman einer Tänzerin. Wien: Amandus Verlag 1951

Literatur

  • Olse Korotin: biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3 P - Z. Wien [u. a.]: Böhlau 2016], S. 3537
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon [der Ersten und Zweiten Republik]. Wien: Ueberreuter 1992
  • Reingard Witzmann: Die neue Körpersprache - Grete Wiesenthal und ihr Tanz. 18. Mai 1985 - 23. Februar 1986 [Hermesvilla]. Wien: Eigenverlag 1985 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 94)
  • Milan Dubrovic: Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés. Wien [u.a.]: Zsolnay 1985, S. 178 ff.
  • Neue österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1957-1987. Band 19, 1977
  • Franz Hadamowsky / Alexander Witeschnik: Jubiläumsausstellung 100 Jahre Wiener Oper am Ring. In sämtlichen Redoutensälen der Hofburg 17. Mai bis 28. September 1969. Wien: Aktionskomitee 100 Jahr-Feier der Wiener Staatsoper 1969, S. 179
  • Marcel Prawy: Geschichte und Geschichten der Wiener Staatsoper. Wien [u.a.]: Molden 1969, S. 151, S. 212
  • Hans Giebisch / Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Hollinek 1963
  • Lebendige Stadt. Almanach. Wien: Amt für Kultur, Volksbildung und Schulverwaltung der Stadt Wien 1954-1963. Band 10,1963
  • Alfred Kerr: Die Schwestern Wiesenthal. In: Paul Zsolnay [Hg.]: Wiener Cocktail. Wien [u.a.]: Zsolnay 1960, S.444 f.
  • Oskar Maurus Fontana: Die Wiesenthal tanzt. In: Paul Zsolnay [Hg.]: Wiener Cocktail. Wien [u.a.]: Zsolnay 1960, S. 446 f.
  • Robert Teichl: Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen. Wien: Verlag der Österr. Staatsdruckerei 1951

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