Grabenbrunnen

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Daten zum Eintrag
Datum von 1455 JL
Datum bis
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Letzte Änderung am 12.11.2014 durch DYN.elwu

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Grabenbrunnen (1, Graben).


Die erste Spur eines Röhrbrunnens auf dem Graben geht auf das Jahr 1455 zurück. In diesem Jahr verzeichnen die städtischen Rechnungsbücher Ausgaben für einen damals entweder neu errichteten oder nur erneuerten Brunnen, dessen Wasser in Röhren vom Garten der Hofburg hergeleitet wurde. Das steinerne Brunnenhaus ist von der Bildsäule des heiligen Florian bekrönt. Die Florianstatue gibt einen Hinweis auf den Zweck des Brunnens: sein Wasser sollte für Löschzwecke verfügbar sein (so bestimmte es die Feuerordnung 1458). Die Ausgaben von etwa 500 Pfund Pfennig in den Jahren 1455/1456 wurden vor allem für die in Kupfer und Messing ausgeführten Rohre und das Brunnenhaus verwendet. Den von Steinmetzmeister Hanns (Puchsbaum?) geschaffenen Brunnen zierten vier Löwenköpfe, deshalb bezeichnete man ihn bald als "Löwenbrunnen". Er stand an der Westseite des Grabens (vor dem Haus "Zum goldenen Hirschen"). Neben Meister Hanns wird noch Meister Augustin Ratsmid namentlich genannt, der die Löwenköpfe schuf.

Der zweite Brunnen (am Ostende des Grabens) dürfte erst 1561 errichtet worden sein; man leitete damals das Wasser vom Kärntnertor teils auf den Neuen Markt, teils auf den Graben (auf dem sich zur selben Zeit Fleischbänke befanden). Von hier nahm als Abfluss die Möring ihren Ausgang.

Eine Eintragung in der Kammeramtsrechnung 1614 über Zahlungen für eine Arbeit des Bildhauers Gianelli an den beiden Röhrenbrunnen am Graben beweist die Existenz zweier Brunnen. Im Zuge der Vorarbeiten für die Feuerordnung von 1639 äußerte die niederösterreichische Regierung unter anderem den Wunsch, beim "Goldenen Hirschen" einen neuen Röhrenbrunnen zu errichten; am Graben hatten sich "die Tragger und Aufleger" zum Feuerlöschdienst einzufinden. 1648 wurden beide Grabenbrunnen repariert. 1651 zierte den westlichen Brunnen ein Jupiterstandbild; auf dem östlichen befand sich (entgegen Angaben in der Literatur) keine Figur (den Aufbau kann man am ehesten mit einer gotischen Fiale vergleichen). Die Kammeramtsrechnungen erwähnen 1651 den Bildhauer Johann Jakob Pockh, den Steinmetz Premb und 1653 den Hofmaler Stephan Simpeckh, der das (damals angebrachte) Gitter eines der beiden Grabenbrunnen vergoldete.

Als Leopold I. 1679 die Errichtung einer "Pestsäule" gelobte (Dreifaltigkeitssäule), billigte er den an ihn herangetragenen Wunsch, die weltlichen Symbole auf den Grabenbrunnen durch "Werke der Frömmigkeit" zu ersetzen. Den Auftrag erhielt der Bildhauer Joseph Frühwirth; die beiden Heiligenfiguren (heiliger Leopold, heiliger Josef) wurden 1680 aufgestellt. 1730 wurde über Anordnung Karls VI. erwogen, durch Lorenzo Mattielli neue Brunnenfiguren anfertigen zu lassen, doch kam man (nach Anfertigung von Modellen) 1733 von diesem Plan wieder ab. Die danach vorgenommenen Veränderungen an den Grabenbrunnen waren allerdings nicht unerheblich; die Bassins und Postamente wurden erneuert, die Gitter entfernt.

1804 ersetzte man die bereits verwitterten Statuen Frühwirths durch Bleifiguren von Johann Martin Fischer; der Vorschlag der Akademiedirektoren Hetzendorf von Hohenberg und Füger, diesmal die jüdischen Könige David und Salomon darzustellen, wurde vom Kaiser abgelehnt. Nach Restaurierung der Bassins wurden die Figuren am 8. Dezember 1804 enthüllt.

Literatur

  • Felix Czeike: Der Graben. Wien [u.a.]: Zsolnay 1972 (Wiener Geschichtsbücher, 10), S. 96 ff.
  • Gerhardt Kapner: Freiplastik in Wien. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1970, S. 462, 465
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 46
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 167 – 169