Samuel Oppenheimer: Unterschied zwischen den Versionen

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Oppenheimer Samuel, * 1635 wahrscheinlich in der Pfalz, † 1. Mai 1703 Wien (vermutlich Stadt 577 in seinem Haus [1, Tuchlauben 1]), Bankier, kaiserlicher Faktor. Kam 1674 nach Wien wo er ausschließlich für Leopold I. und den Staat tätig war. Durch äußerst riskante Geldtransaktionen kam er zu großem Reichtum. 1679 wurde er kaiserlicher Kriegsfaktor (Armeelieferant; 1701 Oberkriegsfaktor). Schon 1682 kontrollierte er den gesamten Lebensmittelnachschub; er finanzierte mit seinem privaten Vermögen den Krieg gegen die Türken und später gegen die Franzosen. Wegen Betrugsvorwürfen mehrmals verhaftet, wurde am 21. Juni 1700 sein Haus von einer aufgebrachten Menge gestürmt und geplündert. Der Staat war allerdings auf sein Vermögen angewiesen, das für die Finanzierung der Armee unabdinglich war. Nach Oppenheimers Tod kam es zu einer der gefährlichsten Finanzkrisen Österreichs. Oppenheimer richtete das jüdische Versorgungshaus und auf benachbartem Grund einen Friedhof ein (9, Seegasse 9).
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Oppenheimer Samuel, * 1635 wahrscheinlich in der Pfalz, † 1. Mai 1703 Wien (vermutlich Stadt 577 in seinem Haus [1, Tuchlauben 1]), Bankier, kaiserlicher Faktor. Kam 1674 nach Wien wo er ausschließlich für Leopold I. und den Staat tätig war. Durch äußerst riskante Geldtransaktionen kam er zu großem Reichtum. 1679 wurde er kaiserlicher Kriegsfaktor (Armeelieferant; 1701 Oberkriegsfaktor). Schon 1682 kontrollierte er den gesamten Lebensmittelnachschub. 1683 wurde er, zusammen mit seinem Sohn verhaftet. Auf Grund seiner guten Kontakten wurde er bald wieder entlassen. 1684 betrugen seine Forderungen an den Staat 187.000 Gulden, 1695 3.500.000 Gulden. Ab 1696 verlangte er 12% Zinsen, 3,5% Provision und bis 5% Wechselaufgeld. Er lieferte verschiedenste Sachen für das kaiserliche Haus. Er finanzierte mit seinem privaten Vermögen den Krieg gegen die Türken und später gegen die Franzosen. 1691 erhielt er ein besonderes Privileg; 1699 wurde er Oberfaktor, 1701 kaiserlichen Oberkriegsfaktor. Wegen Betrugsvorwürfen mehrmals verhaftet, wurde am 21. Juni 1700 sein Haus von einer aufgebrachten Menge gestürmt und geplündert. Der Staat war allerdings auf sein Vermögen angewiesen, das für die Finanzierung der Armee unabdinglich war. Nach Oppenheimers Tod wurde über sein Nachlass Bankrott erklärt und kam es zu einer der gefährlichsten Finanzkrisen Österreichs. Oppenheimer richtete das jüdische Versorgungshaus und auf benachbartem Grund einen Friedhof ein (9, Seegasse 9).
  
 
== Literatur ==
 
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* Josef Fraenkel: The Jews of Austria. London: Vallentine 1967, S. 10
 
* Josef Fraenkel: The Jews of Austria. London: Vallentine 1967, S. 10
 
* Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur, Wien ²1951 ff (Manuskript im Wiener Stadt- und Landesarchiv), S. 698 ff.
 
* Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur, Wien ²1951 ff (Manuskript im Wiener Stadt- und Landesarchiv), S. 698 ff.
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* Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 3. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 699-701

Version vom 7. Januar 2015, 01:24 Uhr

Daten zur Person
Personenname Oppenheimer, Samuel
Abweichende Namensform
Titel
Geschlecht männlich
PageID 25358
GND
Wikidata
Geburtsdatum 1635
Geburtsort
Sterbedatum 1. Mai 1703
Sterbeort Wien
Beruf Bankier, kaiserlicher Faktor
Parteizugehörigkeit
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Recherche
Letzte Änderung am 7.01.2015 durch DYN.ruthgoren
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle
  • 1., Tuchlauben 1 (Sterbeadresse)
Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft

Oppenheimer Samuel, * 1635 wahrscheinlich in der Pfalz, † 1. Mai 1703 Wien (vermutlich Stadt 577 in seinem Haus [1, Tuchlauben 1]), Bankier, kaiserlicher Faktor. Kam 1674 nach Wien wo er ausschließlich für Leopold I. und den Staat tätig war. Durch äußerst riskante Geldtransaktionen kam er zu großem Reichtum. 1679 wurde er kaiserlicher Kriegsfaktor (Armeelieferant; 1701 Oberkriegsfaktor). Schon 1682 kontrollierte er den gesamten Lebensmittelnachschub. 1683 wurde er, zusammen mit seinem Sohn verhaftet. Auf Grund seiner guten Kontakten wurde er bald wieder entlassen. 1684 betrugen seine Forderungen an den Staat 187.000 Gulden, 1695 3.500.000 Gulden. Ab 1696 verlangte er 12% Zinsen, 3,5% Provision und bis 5% Wechselaufgeld. Er lieferte verschiedenste Sachen für das kaiserliche Haus. Er finanzierte mit seinem privaten Vermögen den Krieg gegen die Türken und später gegen die Franzosen. 1691 erhielt er ein besonderes Privileg; 1699 wurde er Oberfaktor, 1701 kaiserlichen Oberkriegsfaktor. Wegen Betrugsvorwürfen mehrmals verhaftet, wurde am 21. Juni 1700 sein Haus von einer aufgebrachten Menge gestürmt und geplündert. Der Staat war allerdings auf sein Vermögen angewiesen, das für die Finanzierung der Armee unabdinglich war. Nach Oppenheimers Tod wurde über sein Nachlass Bankrott erklärt und kam es zu einer der gefährlichsten Finanzkrisen Österreichs. Oppenheimer richtete das jüdische Versorgungshaus und auf benachbartem Grund einen Friedhof ein (9, Seegasse 9).

Literatur

  • Richard Bamberger / Franz Maier-Bruck: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Wien: Österreichischer Bundesverlag / Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1966
  • Kurt Schubert [Hg]: Die österreichischen Hofjuden und ihre Zeit. Eisenstadt: Österreichisches Jüdisches Museum 1991 (Studia Judaica Austriaca, 12), S. 16 ff.
  • Heinz Gastrein: Jüdisches Wien. Wien / München: Herold 1984, S. 19 ff.
  • Josef Mentschl / Gustav Otruba: Österreichische Industrielle und Bankiers. Wien: Bergland-Verlag 1965 (Österreich-Reihe, 279 / 281), S. 9 ff.
  • Max Grunwald: Samuel Oppenheimer und sein Kreis. (Ein Kapitel aus der Finanzgeschichte Österreichs). Wien [u.a.]: Braumüller 1913 (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich, 5)
  • Robert Waissenberger [Hg]: Die Türken vor Wien. Europa und die Entscheidung an der Donau 1683. Wien: Eigenverlag 1983 (Katalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 82), S. 300
  • Josef Fraenkel: The Jews of Austria. London: Vallentine 1967, S. 10
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur, Wien ²1951 ff (Manuskript im Wiener Stadt- und Landesarchiv), S. 698 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 3. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 699-701