Paul Lendvai: Unterschied zwischen den Versionen

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==Biografie==
 
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Paul Lendvai wurde in Budapest als Sohn jüdischer Eltern geboren. Nur knapp entging er im Herbst 1944 der Deportation in ein Todeslager. Nach der Matura begann er ein Studium der Rechtswissenschaften und arbeitete daneben als Journalist. Obwohl zu diesem Zeitpunkt überzeugter Marxist wurde er 1953 als "politisch Unzuverlässiger" verhaftet und interniert. In weiterer Folge erhielt er Berufsverbot und drei Jahre lang keine Anstellung. Über den ungarischen Volksaufstand 1956 berichtete er offen und setzte sich schließlich über mehrere Stationen nach Wien ab.
  
Paul Lendvai wurde in Budapest als Sohn jüdischer Eltern geboren. Seinen schon als Kind gehegten Berufswunsch, Journalist zu werden, konnte er sich bereits mit 18 Jahren erfüllen. Daneben studierte er Rechtswissenschaften und absolvierte die Diplomatische Akademie. Weltanschaulich neigte er der Sozialistischen Partei zu, war leitender Funktionär der sozialistischen Mittelschüler und Studenten und Mitarbeiter sozialistischer Zeitungen. Später schrieb er für das Parteiorgan "Szabad Nep" und wurde dann Ressortleiter für die Bereiche "Wirtschaft", später "Außenpolitik", der offiziellen ungarischen Nachrichtenagentur MTI. Nach Verhaftung und Internierung im Jahre 1952, wurde er 1956 wieder rehabilitiert. Nach dem Ungarnaufstand war er leitender Redakteur (Außenpolitik) und Chefkommentator der Budapester Parteizeitung "Esti hirlap".
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In Österreich begann Lendvai seine journalistische Laufbahn als Osteuropa-Korrespondent bei der Tageszeitung "[[Die Presse]]" und erlangte 1959 die österreichische Staatsbürgerschaft. Von 1960 bis 1982 wirkte er als Korrespondent für das Londoner Blatt "Financial Times" sowie als Kolumnist für verschiedenste Zeitungen und Rundfunkanstalten, darunter die "Times", die "New York Times", "Die Welt", in Österreich neben der "Presse" auch für die "Kleine Zeitung", die "[[Furche]]", "[[Die Zukunft]]" oder die "Wochenpresse". 1973 gründete er die "Europäische Rundschau", eine Vierteljahresschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte.  
  
Anfang 1957 entschloss er sich zur Flucht nach Österreich. Mit einem geborgten Koffer aus Prag kommend, landete er am 4. Februar 1957 auf dem Flughafen Wien-Schwechat. 1959 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft.
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Größere Bekanntheit erreichte der Journalist mit außenpolitischen Kommentaren im [[ORF]], wo er auch am Aufbau einer Osteuropa-Redaktion beteiligt war. 1982 wurde er zum Chefredakteur dieser Einheit berufen und wechselte 1987 als Intendant zu Radio Österreich International, wo er bis 1998 tätig blieb. Bis heute leitet er die international besetzte TV-Diskussionssendung "Europastudio" und schreibt regelmäßige Kolummnen für österreichische Tageszeitungen.
  
Seine journalistische Karriere startete Paul Lendvai bei "Die Presse". Er schrieb unter anderem für die Londoner "Times", die "New York Times", die "Financial Times", "Die Welt", in Österreich neben der "Presse" auch für die "Kleine Zeitung", die "Furche", die "Zukunft" und die "Wochenpresse". 1973 gründete er die "Europäische Rundschau", eine Vierteljahresschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte, und erhielt dafür (sowie für seine Ostberichterstattung in der "Kleinen Zeitung") am 15. März 1984 den Preis der Dr. Karl Renner-Stiftung.  
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Darüber hinaus ist Paul Lendvai Autor zahlreicher Bücher, vorrangig über den mittelosteuropäischen Raum, die auch in mehrere andere Sprachen (wie Englisch, Ungarisch, Französisch, aber auch Japanisch, Hebräisch oder Estnisch) übersetzt wurden. Zu seinen publizistischen Erfolgen zählen etwa "Kreisky. Portrait eines Staatsmannes" (1972), "Die Grenzen des Wandels. Spielarten des Kommunismus im Donauraum" (1977), "Das einsame Albanien" (1985), "Die Ungarn" (1999), "Mein Österreich. 50 Jahre hinter den Kulissen der Macht" (2007), "Mein verspieltes Land" (2010) und zuletzt "Orbans Ungarn" (2016). 2013 erschienen seinen Lebenserinnerungen unter dem Titel "Leben eines Grenzgängers".  
  
1980 wurde Paul Lendvai als Chefkonsulent in den ORF berufen und 1982 zum Leiter der Osteuroparedaktion bestellt.
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Außerdem war Lendvai Gastprofessor an der Universität von Kalifornien und hielt im In- und Ausland zahlreiche Vorträge über internationale Fragen. Er erhielt zahlreiche Ehrungen für sein journalistisches wie publizistisches Werk.
 
 
1985 erschien in der Edition Interfrom, Zürich sein Bericht "Das einsame Albanien. Reportage aus dem Land der Skipetaren". Darin liefert der Autor eine tiefgreifende Analyse der politischen Verhältnisse dieses Staates, der damals zu den in sich abgeschlossensten Gebieten der Erde zählte.
 
 
 
1986 veröffentlichte er – ebenfalls in der Edition Interfrom – einen Bericht über die Liberalisierungsbestrebungen in seinem ehemaligen Heimatland unter dem Titel "Das eigenwillige Ungarn", 1990 folgten Beiträge im Band "Revolution! Die Befreiung Osteuropas vom kommunistischen Absolutismus". In "Mein verspieltes Land" aus dem Jahr 2010 liefert er Erklärungen für die politischen Entwicklungen Ungarns. Im Jahr 2013 erschienen seinen Memoiren "Leben eines Grenzgängers".
 
 
 
Anfang April 1987 wurde Paul Lendvai zum Intendanten von "Radio Österreich International", bestellt. 1998 wurde er pensioniert.  
 
  
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==Literatur==
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*[https://w5.siemens.com/web/at/de/corporate/aol/veranstaltungen/2016/Pages/lendvai.aspx Siemens-Academy of Life: Prof. Paul Lendvai] [Stand: 20.04.2018]
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*[http://www.alois-mock-europastiftung.at/AloisMock-Lebenslauf-Lendvai.html Alois Mock-Stiftung: Lebenslauf von Prof. Paul Lendvai] [Stand: 20.04.2018]
  
 
==Links==
 
==Links==
 
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*[http://www.lendvai.at/ Persönliche Website von Paul Lendvai]
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lendvai Wikipedia: Paul Lendvai]
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*[https://austria-forum.org/af/Biographien/Lendvai%2C_Paul Austria-Forum: Lendvai, Paul]
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*[http://der.orf.at/unternehmen/who-is-who/tv/lendvai100.html ORF: Prof. Paul Lendvai]

Version vom 20. April 2018, 12:37 Uhr

Daten zur Person
Personenname Lendvai, Paul
Abweichende Namensform
Titel Prof.
Geschlecht männlich
PageID 36252
GND 119383683
Wikidata
Geburtsdatum 24. August 1929
Geburtsort Budapest
Sterbedatum
Sterbeort
Beruf Journalist, Publizist
Parteizugehörigkeit
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Objektbezug
Quelle Gedenktage, Gedenktage-GW
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Recherche
Letzte Änderung am 20.04.2018 durch WIEN1.lanm09mer


Es wurden noch keine Adressen zu dieser Person erfasst!

Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft
  • Axel-Corti-Preis (Verleihung: 1998)
  • Europäischer Buchpreis für Essays (Verleihung: 2018)
  • Concordia-Preis für das Lebenswerk (Verleihung: 2022)
  • Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (Verleihung: 2020)
  • Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln (Verleihung: 2008)
  • Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik (Verleihung: 2005)
  • Dr.-Alois-Mock-Europa-Preis (Verleihung: 2002)
  • Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung (Verleihung: 2001)
  • Großer Ehrenpreis des Burgenländischen Journalistenpreises (Verleihung: 2000)
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark (Verleihung: 1990)
  • Kommandeurskreuz des Verdienstordens der Republik Polen (Verleihung: 1999)
  • Verdienstkreuz mit Stern der Republik Ungarn (Verleihung: 2003)
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (Übernahme: 20. Dezember 1974)
  • Silbernes Komturkreuz für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich (Verleihung: 1997)
  • Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (Verleihung: 1994)
  • Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis (Verleihung: 1974)
  • Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (Verleihung: 25. März 1994)
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (Verleihung: 10. Juli 2001)
  • Ordre National du Mérite (Verleihung: 7. Dezember 1997)
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (Verleihung: 1. August 1989, Übernahme: 24. August 1989)
  • Dr. Karl Renner-Preis der Stadt Wien (Übernahme: 15. März 1984)
  • Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der BRD (Übernahme: 5. November 1990)
  • Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (Übernahme: 3. Juni 1986)


  • Leiter der Osteuropa-Redaktion des ORF (1982 bis 1987)
  • Intendant von Radio Österreich International (1987 bis 1998)
  • Chefredakteur der "Europäischen Rundschau" (1973)

Paul Lendvai, * 24. August 1929 Budapest, Journalist.

Biografie

Paul Lendvai wurde in Budapest als Sohn jüdischer Eltern geboren. Nur knapp entging er im Herbst 1944 der Deportation in ein Todeslager. Nach der Matura begann er ein Studium der Rechtswissenschaften und arbeitete daneben als Journalist. Obwohl zu diesem Zeitpunkt überzeugter Marxist wurde er 1953 als "politisch Unzuverlässiger" verhaftet und interniert. In weiterer Folge erhielt er Berufsverbot und drei Jahre lang keine Anstellung. Über den ungarischen Volksaufstand 1956 berichtete er offen und setzte sich schließlich über mehrere Stationen nach Wien ab.

In Österreich begann Lendvai seine journalistische Laufbahn als Osteuropa-Korrespondent bei der Tageszeitung "Die Presse" und erlangte 1959 die österreichische Staatsbürgerschaft. Von 1960 bis 1982 wirkte er als Korrespondent für das Londoner Blatt "Financial Times" sowie als Kolumnist für verschiedenste Zeitungen und Rundfunkanstalten, darunter die "Times", die "New York Times", "Die Welt", in Österreich neben der "Presse" auch für die "Kleine Zeitung", die "Furche", "Die Zukunft" oder die "Wochenpresse". 1973 gründete er die "Europäische Rundschau", eine Vierteljahresschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte.

Größere Bekanntheit erreichte der Journalist mit außenpolitischen Kommentaren im ORF, wo er auch am Aufbau einer Osteuropa-Redaktion beteiligt war. 1982 wurde er zum Chefredakteur dieser Einheit berufen und wechselte 1987 als Intendant zu Radio Österreich International, wo er bis 1998 tätig blieb. Bis heute leitet er die international besetzte TV-Diskussionssendung "Europastudio" und schreibt regelmäßige Kolummnen für österreichische Tageszeitungen.

Darüber hinaus ist Paul Lendvai Autor zahlreicher Bücher, vorrangig über den mittelosteuropäischen Raum, die auch in mehrere andere Sprachen (wie Englisch, Ungarisch, Französisch, aber auch Japanisch, Hebräisch oder Estnisch) übersetzt wurden. Zu seinen publizistischen Erfolgen zählen etwa "Kreisky. Portrait eines Staatsmannes" (1972), "Die Grenzen des Wandels. Spielarten des Kommunismus im Donauraum" (1977), "Das einsame Albanien" (1985), "Die Ungarn" (1999), "Mein Österreich. 50 Jahre hinter den Kulissen der Macht" (2007), "Mein verspieltes Land" (2010) und zuletzt "Orbans Ungarn" (2016). 2013 erschienen seinen Lebenserinnerungen unter dem Titel "Leben eines Grenzgängers".

Außerdem war Lendvai Gastprofessor an der Universität von Kalifornien und hielt im In- und Ausland zahlreiche Vorträge über internationale Fragen. Er erhielt zahlreiche Ehrungen für sein journalistisches wie publizistisches Werk.

Literatur

Links