Ferdinand Porsche: Unterschied zwischen den Versionen

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Porsche Ferdinand, * 3. September 1875 Maffersdorf, Böhmen (Vratislavice, Tschechische Republik), † 30. Jänner 1951 Stuttgart, Autokonstrukteur, Sohn eines Spenglers. Hatte bereits als Kind großes Interesse für die Technik und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Autokonstrukteure („Vater des Volkswagens"), der durch seine zahlreichen Erfindungen im Motoren- und Karosseriebau die Geschichte des Autos maßgeblich beeinflußte. Nach Besuch der Gewerbeschule in Reichenberg (1890-1893) begann er 1898 seine Tätigkeit als Konstrukteur bei der [[Ludwig Lohner|Kutschen- und Karosseriefabrik Lohner]] in Wien (1899/1900 Elektromobil System Lohner-Porsche). 1906-1923 arbeitete Porsche als technischer Direktor der Austro-Daimler Motoren AG in Wiener Neustadt (Konstruktion der ersten Flugzeugmotoren); während des Ersten Weltkriegs konstruierte er eine Zugmaschine für den österreichischen 30,5-cm-Mörser, 1921 entwickelte er einen Sportwagen mit 1100 ccm Hubraum (Typ Sascha), mit dem er 1922 bei einem Rennen in Sizilien siegte. 1923-1929 entwickelte Porsche bei Daimler (ab 1926: Daimler-Benz) in Stuttgart Sportwagenmodelle, 1929-1931 entwarf er als Chefkonstrukteur bei den Steyr-Werken die legendären Typen „Steyr 30" und „Steyr 100". 1931 gründete er in Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro und stellte 1933 den „Volkswagen" vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg interniert, versuchte er danach zunächst, in Gmünd (Kärnten; Denkmal) ein Autowerk aufzubauen, scheiterte jedoch an der Bürokratie und ging wieder nach Stuttgart, wo er 1948/1949 den ersten „Porsche" konstruierte.  
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Porsche Ferdinand, * 3. September 1875 Maffersdorf, Böhmen (Vratislavice, Tschechische Republik), † 30. Jänner 1951 Stuttgart, Autokonstrukteur, Sohn eines Spenglers. Hatte bereits als Kind großes Interesse für die Technik und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Autokonstrukteure ("Vater des Volkswagens"), der durch seine zahlreichen Erfindungen im Motoren- und Karosseriebau die Geschichte des Autos maßgeblich beeinflusste. Nach Besuch der Gewerbeschule in Reichenberg (1890-1893) begann er 1898 seine Tätigkeit als Konstrukteur bei der [[Ludwig Lohner|Kutschen- und Karosseriefabrik Lohner]] in Wien (1899/1900 Elektromobil System Lohner-Porsche). 1906-1923 arbeitete Porsche als technischer Direktor der Austro-Daimler Motoren AG in Wiener Neustadt (Konstruktion der ersten Flugzeugmotoren); während des Ersten Weltkriegs konstruierte er eine Zugmaschine für den österreichischen 30,5-cm-Mörser, 1921 entwickelte er einen Sportwagen mit 1100 ccm Hubraum (Typ Sascha), mit dem er 1922 bei einem Rennen in Sizilien siegte. 1923-1929 entwickelte Porsche bei Daimler (ab 1926: Daimler-Benz) in Stuttgart Sportwagenmodelle, 1929-1931 entwarf er als Chefkonstrukteur bei den Steyr-Werken die legendären Typen "Steyr 30" und "Steyr 100". 1931 gründete er in Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro und stellte 1933 den "Volkswagen" vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg interniert, versuchte er danach zunächst, in Gmünd (Kärnten; Denkmal) ein Autowerk aufzubauen, scheiterte jedoch an der Bürokratie und ging wieder nach Stuttgart, wo er 1948/1949 den ersten "Porsche" konstruierte.  
  
Laut Abschlussbericht der im Auftrag der Universität Wien und der Stadt Wien eingesetzten Forschungsgruppe zur Untersuchung und Kontextualisierung der Benennung der Wiener Straßennamen seit 1860 war Ferdinand Porsche ab 1937 NSDAP-Mitglied und hatte ab 1942 die Funktion eines SS-Oberführers inne. Er verdankte seinen rasanten Karriereaufstieg u. a. seiner Nähe zum NS-Regime, in Folge dessen er in den 1930er Jahren von Hitler mit der Konstruktion des „KdF-Wagen“ (später „Volkswagen“) beauftragt wurde. Neben der Autoherstellung engagierte sich Porsche, zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, ab 1939 auch in der Panzer- und Waffenkonstruktion. Er erhielt zahlreiche Ehrungen (z. B. „Nationalpreis für den Bau des Volkswagens“). Ferner, so der Bericht, soll Porsche seine guten Kontakte zum NS-Regime genutzt haben, um Häftlinge und Kriegsgefangene Zwangsarbeit in seinem Unternehmen verrichten zu lassen. 1945 wurde Porsche in französische Haft genommen und gegen Kaution 1947 wieder entlassen. Sein Antrag auf Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft wurde wegen des (bis 1956 bestehenden) Nationalsozialistengesetzes abgewiesen.
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Laut Abschlussbericht der im Auftrag der Universität Wien und der Stadt Wien eingesetzten Forschungsgruppe zur Untersuchung und Kontextualisierung der Benennung der Wiener Straßennamen seit 1860 war Ferdinand Porsche ab 1937 NSDAP-Mitglied und hatte ab 1942 die Funktion eines SS-Oberführers inne. Er verdankte seinen rasanten Karriereaufstieg unter anderem seiner Nähe zum NS-Regime, in Folge dessen er in den 1930er Jahren von Hitler mit der Konstruktion des "KdF-Wagen" (später "Volkswagen") beauftragt wurde. Neben der Autoherstellung engagierte sich Porsche, zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, ab 1939 auch in der Panzer- und Waffenkonstruktion. Er erhielt zahlreiche Ehrungen (zum Beispiel "Nationalpreis für den Bau des Volkswagens"). Ferner, so der Bericht, soll Porsche seine guten Kontakte zum NS-Regime genutzt haben, um Häftlinge und Kriegsgefangene Zwangsarbeit in seinem Unternehmen verrichten zu lassen. 1945 wurde Porsche in französische Haft genommen und gegen Kaution 1947 wieder entlassen. Sein Antrag auf Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft wurde wegen des (bis 1956 bestehenden) Nationalsozialistengesetzes abgewiesen.
  
 
[[Porschestraße]].
 
[[Porschestraße]].

Version vom 7. Oktober 2014, 13:03 Uhr

Daten zur Person
Personenname Porsche, Ferdinand
Abweichende Namensform
Titel Prof.
Geschlecht männlich
PageID 16532
GND
Wikidata
Geburtsdatum 3. September 1875
Geburtsort Maffersdorf
Sterbedatum 30. Jänner 1951
Sterbeort Stuttgart
Beruf Autokonstrukteur
Parteizugehörigkeit
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Objektbezug
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Recherche
Letzte Änderung am 7.10.2014 durch DYN.patricktavernar
Begräbnisdatum
Friedhof
Grabstelle Zell am See, Friedhof Schütthof

Es wurden noch keine Adressen zu dieser Person erfasst!

Familiäre Beziehung
Berufliche Beziehung
Beziehung, Bekanntschaft, Freundschaft

  • Direktor der Daimler-Motoren-A.G. )

Porsche Ferdinand, * 3. September 1875 Maffersdorf, Böhmen (Vratislavice, Tschechische Republik), † 30. Jänner 1951 Stuttgart, Autokonstrukteur, Sohn eines Spenglers. Hatte bereits als Kind großes Interesse für die Technik und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Autokonstrukteure ("Vater des Volkswagens"), der durch seine zahlreichen Erfindungen im Motoren- und Karosseriebau die Geschichte des Autos maßgeblich beeinflusste. Nach Besuch der Gewerbeschule in Reichenberg (1890-1893) begann er 1898 seine Tätigkeit als Konstrukteur bei der Kutschen- und Karosseriefabrik Lohner in Wien (1899/1900 Elektromobil System Lohner-Porsche). 1906-1923 arbeitete Porsche als technischer Direktor der Austro-Daimler Motoren AG in Wiener Neustadt (Konstruktion der ersten Flugzeugmotoren); während des Ersten Weltkriegs konstruierte er eine Zugmaschine für den österreichischen 30,5-cm-Mörser, 1921 entwickelte er einen Sportwagen mit 1100 ccm Hubraum (Typ Sascha), mit dem er 1922 bei einem Rennen in Sizilien siegte. 1923-1929 entwickelte Porsche bei Daimler (ab 1926: Daimler-Benz) in Stuttgart Sportwagenmodelle, 1929-1931 entwarf er als Chefkonstrukteur bei den Steyr-Werken die legendären Typen "Steyr 30" und "Steyr 100". 1931 gründete er in Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro und stellte 1933 den "Volkswagen" vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg interniert, versuchte er danach zunächst, in Gmünd (Kärnten; Denkmal) ein Autowerk aufzubauen, scheiterte jedoch an der Bürokratie und ging wieder nach Stuttgart, wo er 1948/1949 den ersten "Porsche" konstruierte.

Laut Abschlussbericht der im Auftrag der Universität Wien und der Stadt Wien eingesetzten Forschungsgruppe zur Untersuchung und Kontextualisierung der Benennung der Wiener Straßennamen seit 1860 war Ferdinand Porsche ab 1937 NSDAP-Mitglied und hatte ab 1942 die Funktion eines SS-Oberführers inne. Er verdankte seinen rasanten Karriereaufstieg unter anderem seiner Nähe zum NS-Regime, in Folge dessen er in den 1930er Jahren von Hitler mit der Konstruktion des "KdF-Wagen" (später "Volkswagen") beauftragt wurde. Neben der Autoherstellung engagierte sich Porsche, zum Wehrwirtschaftsführer ernannt, ab 1939 auch in der Panzer- und Waffenkonstruktion. Er erhielt zahlreiche Ehrungen (zum Beispiel "Nationalpreis für den Bau des Volkswagens"). Ferner, so der Bericht, soll Porsche seine guten Kontakte zum NS-Regime genutzt haben, um Häftlinge und Kriegsgefangene Zwangsarbeit in seinem Unternehmen verrichten zu lassen. 1945 wurde Porsche in französische Haft genommen und gegen Kaution 1947 wieder entlassen. Sein Antrag auf Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft wurde wegen des (bis 1956 bestehenden) Nationalsozialistengesetzes abgewiesen.

Porschestraße.

Literatur

  • Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. Begründet von Hellmuth Rössler und Günther Franz, bearbeitet von Karl Bosl [u.a.]. Band 2: I-R. München: A. Francke 1974
  • Neue österreichische Biographie ab 1815. Große Österreicher. Wien [u.a.]: Amalthea-Verlag 1957-1987. Band 11, 1957
  • Robert Teichl: Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen. Wien: Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei 1951
  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon [der Ersten und Zweiten Republik]. Wien: Ueberreuter 1992
  • Richard von Frankenberg: Die ungewöhnliche Geschichte des Hauses Porsche. Stuttgart: Motor-Presse-Verlag 1960
  • Hugo Stolz: Herr seiner Welt. Der Lebensroman Ferdinand Porsches. Augsburg: Kraft 1962
  • Peter Müller: Ferdinand Porsche. Ein Genie unserer Zeit. Graz [u.a.]: Stocker 1965
  • Briefmarkenabhandlung der Postdirektion anläßlich des Erscheinens von österreichischen Briefmarken, 18.08.1975
  • Oliver Rathkolb et al.: Forschungsprojektendbericht "Straßennamen Wiens seit 1860 als 'Politische Erinnerungsorte'". Wien 2013
  • Peter Autengruber, Lexikon der Wiener Straßennamen. Bedeutung, Herkunft, frühere Bezeichnungen. Wien: Pichler Verlag 2014, 9. Auflage, S. 235