Metzen
Der Metzen war ein historisches Trockenhohlmaß. Er war bis zur Einführung des metrischen Systems 1876 das gebräuchliche Getreidemaß in Wien, sowie in ganz Nieder- und Oberösterreich.
Das Vielfache des Metzens war das Mut (meist 30 Metzen = 1 Mut; in Wien bis 1752 allerdings 31 Wiener Metzen = 1 Mut). Unterteilt wurde der Metzen in 4 Viertel, 8 Achtel, beziehungsweise 16 Sechzehntel. Das Sechzehntel wurde auch als Massel (Müllermassel oder Mautmassel) bezeichnet.
Geschichte
Im Mittelalter gab es eine Vielzahl lokaler Metzen mit großen Unterschieden, zwischen Städten, Märkten und auch Herrschaften. Kaiser Rudolf II. versuchte mittels Generalmandat vom 19. August 1588 die vielen vorherrschenden Maßeinheiten zu vereinheitlichen. 1588 wurde der Kremser Metzen (mit 59,25 Liter) zum Maß für ganz Österreich unter der Enns (mit Ausnahme der Stadt Wien) und forthin als „Landmetzen“ bezeichnet. Dieser Landmetzen blieb von 1588 bis 1752 unverändert. Erst mit den Unifizierungsbestrebungen Maria Theresias wurde mit 1. Juni 1752 (Patent vom 1. Dezember 1751) der Landmetzen auch in Wien alleiniges Maß für alle Getreidesorten und verdrängte den bisherigen Wiener Metzen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Landmetzen als gestrichener Stockerauer Stanglmetzen/Stängelmetzen bezeichnet und entsprach dem ursprünglichen Kremser Metzen zu 59,25 Liter). Spätestens ab 1756 wird dieser für ganz Niederösterreich geltende Landmetzen als Wiener Metzen bezeichnet und durch das Maß-Patent Maria Theresias vom 14. Juli 1756, welches mit 1. November 1756 wirksam wurde, als alleiniges einheitliches Maß in allen österreichischen Erblanden eingeführt und blieb dies bis 1. Jänner 1876, bis er vom metrischen Maß abgelöst wird.
Abzumessendes Getreide musste dem Metzenleiher angezeigt werden, der die Aufsicht über die Metzenmaße innehatte. 1548 wurde beim Brunnen am neuen Markt ein steinerner Wiener Metzen aufgestellt und direkt daneben ein Pranger für Maß-Betrüger.
Getreidemaß
Die Größe der Maße änderte sich über die Jahre mehrmals. Anfänglich waren für Getreide (Traidmaß für Weizen, Roggen und Gerste) und Hafer (Hafermaß) unterschiedliche Metzenmaße gebräuchlich.
Darüber hinaus existierten drei Meßarten des Metzen: Glattstrich, Kaufstrich und Gupf. In Wien war der gegupfte Metzen nicht üblich, während im Landmaß der Kaufstrich nicht gängig war. Gegupft oder gehauft bedeutete, dass das Getreide mit gehäuftem Gupf im Metzengeschirr gemessen wurde. Gestrichen, abgestrichen oder glatt bedeutete, dass das Getreide mit einem Streichbrett im Metzengeschirr gemessen wurde. Der in Wien übliche Kaufstrich war eine Wiener Besonderheit und dürfte eine Zwischenform zwischen glatt abgestrichen und gegupft gewesen sein.
Eine Umrechnung auf Liter wird in der Literatur (mit leichten Unsicherheiten) wie folgt vorgenommen:[1]
- Wiener Metzen:
- Getreide
- Glattstrich = 40,75 Liter (bis 1690), 46,25 Liter (1690–1752)
- Kaufstrich = 42 Liter (bis 1596 bzw. 1620), 46,75 Liter (1621–1690)
- Hafer
- Glattstrich = 45,75 Liter (bis 1690), 51 Liter (1690–1752)
- Kaufstrich= 48,25 Liter (bis 1596 bzw. 1620), 51 Liter (1690–1752)
- Gupfmaß = 53,5 Liter (bis 1690)
- Getreide
- Niederösterreichischer Landmetzen:
- Getreide
- Glattstrich = 59,25 Liter (1588–1687), 61 Liter (1688–1756), 61,5 Liter (1756–1875)
- Gupfmaß = 71 Liter (1588–1687), 77 Liter (1688–1752)
- Getreide
Mehlmaß
Weiters ist noch das Mehlmaß zu nennen. Als 1690 das Volumen des Getreidemetzen erhöht wurde, behielt man den Glattstrichmetzen als Mehlmaß ausdrücklich bei. Dieser wurde als Maß für Mehl und die meisten nach Trockenmaß verkauften Feldfrüchte verwendet. 1752 wurde der Wiener Mehlstrich (wie der Getreidemetzen) durch das niederösterreichische Landmaß ersetzt. Als Rechenmaß blieb der Mehlstrich bis 1860 in Verwendung.[2]
Literatur
- Andreas Zechner/Elias Knapp/Michael Adelsberger: Prices and Wages in Salzburg and Vienna, c. 1450–1850. An Introduction to the Data. Version: 1. VSWG - Journal of Social and Economic History. Dataset.
- Felix Wintermayr, Niederösterreichische Getreidemaße (von 1500 bis zur Gegenwart). In: Unsere Heimat. Zeitschrift des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 47 1976, S. 31–35.
- Rudolf Geyer: Münze und Geld, Maß und Gewicht in Niederösterreich und Oberösterreich. Wien: Ueberreuter 1938, S. 85–103.
- Karl Schalk: Zur Geschichte der älteren Wiener Maasse im XV. und XVI. Jahrhunderte. Wien: Verlag des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 1887.
