Maßeinheit
Die Entwicklung der historischen Maße in Wien und den österreichischen Ländern war von regionaler Vielfalt und jahrhundertelangen Vereinheitlichungsbestrebungen geprägt, die schließlich in der Einführung des metrischen Systems im 19. Jahrhundert mündeten.
Entwicklung der historischen Maße
Die Maßsysteme waren im Mittelalter regional und lokal sehr unterschiedlich. Für Märkte und Handel bedeutete dies Schwierigkeiten. Ab dem ausgehenden Mittelalter gab es daher Bestrebungen der Obrigkeiten Maße zu vereinheitlichen. Diese Bemühungen blieben aber meist nur auf einzelne Maßeinheiten beschränkt und erstreckten sich zunächst maximal auf Landesebene. In den 1750er und 1760er Jahren wurde versucht die vielen unterschiedlichen regionalen Maßeinheiten in den österreichischen Ländern zu vereinheitlichen. Der Grundgedanke dieser Unifikationsbestrebungen war es alle Maßeinheiten in der Monarchie auf Wiener bzw. niederösterreichische Maßeinheiten anzupassen. Durch die verschiedenen Maßpatente Maria Theresias (1747, 1751, 1752, 1756, 1760, 1763, 1768, 1771, 1777), sowie die Vereinheitlichung und die Anfertigung von Maßnormalen (Maß-Prototypen) wurden die Maße zunächst in Niederösterreich vereinheitlicht und diese Maße nach und nach auf alle Erblande ausgedehnt. 1853 und 1858 wurde in allen Kronländern der Monarchie das Theresianische Maßsystem gesetzlich eingeführt.
1867 trat eine Kommission zur Ausarbeitung eines neuen österreichischen Maßsystems zusammen. 1870 brachte die Regierung einen Gesetzentwurf in das Herrenhaus ein und am 23. Juli 1871 wurde das Gesetz von Kaiser Franz Joseph sanktioniert. Das metrische Maß- und Gewichtsystem war ab 1. Jänner 1873 fakultativ und ab 1. Jänner 1876 obligatorisch. Erst die Einführung des metrischen Maß- und Gewichtssystems brachte ein einheitliches System für die gesamte Monarchie.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wurde die Verwaltung der Maße und Gewichte von der Stadt durchgeführt und von landesfürstlicher Seite oberbeaufsichtigt. Die Stadt hatte eigene Organe zur Verwaltung der Maße, wie einen Wagmeister, einen Metzenleiher mit Unterorganen und einen Weinfechter. Der Metzenleiher war der oberste städtische Eichungsbeamte für das Getreidemaß. Er hatt die Aufsicht über die Gefälle, Mehlmesser, Sackträger und Mehlbeschauer inne und verlieh die Getreidemaße (vor allem die Achtelmaße). Er hatte seinen Sitz in der Mehlgrube am Neuen Markt. Das eigentliche Messen und Eichen (zeitgenössisch als „fechten“ bezeichnet) wurde von einem Binder durchgeführt. Dem Metzenleiher waren geschworene Mehlmesser untergeordnet, die eine eigenen Zeche bildeten. Vor 1588 waren es 14, danach 18 Mehlmesser. Die Mehlmesser trafen sich monatlich in der Mehlgrube, hatten eine Lehre durchzumachen und mussten vor der Zeche „den strich zu thuen“. Die Messer mussten ihr Metzenmaß nach getaner Arbeit wieder auf die Mehlgrube bringen.[1]
Waage, Gewicht und Ellen unterstanden bereits im Mittelalter direkt der landesfürstlichen Oberverwaltung. Das landesfürstliche Kontrollorgan, der Zimenter, beaufsichtigte Gewicht, Maß und Elle, später auch Weinmaße. Er zimentierte und zeichnete die Maße (Waagen und Gewichte) die zur Ausmessung und Gewichtung der Waren verwendet wurden. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts bestand in Wien ein Zimentierungsamt. Dieses unterstand direkt den landesfürstlichen Behörden und war immer wieder verpachtet. 1787 wurde das landesfürstliche Zimentierungsamt von Joseph II. aufgelöst und war danach ein städtisches Amt bis 1875. Mit 1876 wurde das Zimentierungsamt ins staatliche Eichamt überführt.
Umrechnungen
Bei Maßen, deren Größe/Volumen sich im Laufe der Jahre verändert hat, wurde hier die späteste Umrechnung (meist 1871) angegeben.
Längenmaße
- 1 Kilometer (km) = 0,131823 Österreichische Meilen (Postmeilen)
- 1 Meter (m) = 0,5272916 Wiener Klafter bzw. 1,286077 Wiener Ellen
- 1 österreichische (Post-)Meile = 7,585 km (4.000 Wiener Klafter)
- 1 Klafter = 189,6484 cm (6 Fuß)
- 1 Wiener Fuß/Werkschuh/Schuh = 31,6081 cm (12 Zoll)
- 1 Wiener Elle = 77,7558 cm (0,41 Wiener Klafter)
- 1 Daumelle = 51,1 cm
- 1 Zoll = 2,63401 cm (12 Linien)
- 1 Wiener Linie = 2,195 mm (12 Punkte)
- 1 Wiener Punkt = 0,182917 mm
Flächenmaße
- 1 Quadratmeter = 0,278036 Quadratklafter = 10,00931 Quadratfuß
- 1 Ar = 27,80364 Quadratklafter
- 1 Hektar (ha) = 1,737727 Österreichisches Joch
- 1 Quadratklafter = 36 Quadratfuß = 3,596652 Quadratmeter
- 1 Quadratfuß = 144 Quadratzoll = 0,099907 Quadratmeter
- 1 niederösterreichisches Joch = 1600 Quadratklafter = 57,54642 Ar = 0,5754642 Hektar
Siehe auch: Joch, Weingartenmaß
Raummaße
- 1 Kubikmeter = 0,146606 Kubikklafter = 31,66695 Kubikfuß
- 1 Kubikklafter = 216 Kubikfuß = 6,820992 Kubikmeter
- 1 Kubikfuß = 1728 Kubikzoll = 0,03157867 Kubikmeter
Hohlmaße für trockene Gegenstände
- 1 Hektoliter (hl) = 1,626365 Wiener Metzen
- 1 Liter (l) = 0,01626365 Wiener Metzen
- 1 Wiener Metzen = 16 Massel = 61,48682 Liter
- 1 Wiener Massel = 4 Futtermassel = 3,842925 Liter
- 1 Wiener Futtermassel = 2 Becher = 0,9607314 Liter
- 1 Wiener Becher = 1/8 Massel = 0,4803657 Liter
Die Maßart war unterschiedlich (Glattstrich, Kaufstrich, Gupf). Siehe auch: Metzen, Mehlmaß,
Hohlmaße für Flüssigkeiten
- 1 Hektoliter (hl) = 1,767129 Wiener Eimer
- 1 Liter (l) = 0,7068515 Wiener Maß
- 1 Wiener Eimer = 40 Maß = 56,589 Liter
- 1 Wiener Maß = 2 Halbe = 1,414724 Liter
- 1 Wiener Halbe = 2 Seitel = 0,707362 Liter
- 1 Wiener Seitel = 2 Pfiff = 0,353681 Liter
- 1 Wiener Krügel = 3 Pfiff = 0,530521 Liter
Gewichte
- 1 Kilogramm = 1,785523 Wiener Pfund = 2 Zollpfund = 2,380697 Apothekerpfund = 3,562928 Wiener Mark Silber
- 1 Wiener Pfund = 32 Wiener Lot = 0,56006 Kilogramm
- 1 Wiener Zentner = 100 Wiener Pfund = 56,006 Kilogramm
- 1 Wiener Lot = 4 Quint (Quentchen/Quintl) = 17,5003125 Gramm
- 1 Zollzentner = 50 Kilogramm
- 1 Zollpfund = 0,5 Kilogramm
- 1 Wiener Pfennig = 15 Wiener Gran = 1,093867 Gramm
- 1 Wiener Gran (Apothekergran) = 0,0729245 Gramm
- 1 Apothekerpfund =12 Unzen = 420,0450 g
- (1 Unze (35,00375 g) = 8 Drachmen =24 Skruppel =480 Gran)
Siehe auch: Gewichte
Siehe auch
Literatur
- Rudolf Geyer: Münze und Geld. Maß und Gewicht in Nieder- und Oberösterreich. Wien: Ueberreuter 1938.
- Wilhelm Rottleuthner: Alte lokale und nichtmetrische Gewichte und Maße und ihre Größen nach metrischem System. Ein Beitrag in Übersichten und Tabellen. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 1985.
- Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Wien: Ueberreuter 1995, S. 585.
- Karl Schalk: Zur Geschichte der älteren Wiener Maasse im XV. und XVI. Jahrhunderte. Wien: Verlag des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 1887.
- Karl Ulbrich: 100 Jahre metrisches Maßsystem in Österreich (1872–1972). Wien: Bundesamt für Eich- u. Vermessungswesen 1972.
Referenzen
- ↑ Karl Schalk: Zur Geschichte der älteren Wiener Maasse im XV. und XVI. Jahrhunderte. Wien: Verlag des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 1887, S. 10
