Leinwandhaus
48° 12' 38.94" N, 16° 22' 21.04" E zur Karte im Wien Kulturgut
Leinwandhaus (1, Hoher Markt 4, Landskrongasse 8; Conskriptionsnummer 544 [Teil A]). Auf dem heutigen Areal standen seinerzeit fünf kleine Häuser (Teil A-E), von denen vier mit der Front zum Hohen Markt lagen (A [das Leinwandhaus], B, D [das Schuhhaus, 1418-1428 Irchhaus, benannt nach den Irchern = Weißgerbern], E), eines (C) lag hinter dem Haus B (Front zur Landskrongasse), die sich im 14./15. Jahrhundert zu verschiedenen Zeiten im Besitz des Bürgerspitals befanden. Im späteren Leinwandhaus, das an der Ecke des bereits 1376 nachweisbaren Linnengäßchens stand und in dem ab 1385 die Leinwater ihre Verkaufsstätten hatten, war im 13. Jahrhundert (erstmals urkundlich erwähnt 1277) die Schlagstube (Prägestätte der Hausgenossen) eingerichtet (die um 1280 in die vormalige Herzogsresidenz Am Hof verlegt wurde (Münzer). Die Bezeichnung Leinwandhaus taucht 1388 erstmals urkundlich auf. Das Haus gehörte dem Bürgerspital, das es 1369 aus Privatbesitz erworben hatte; die Leinwater waren daher gegenüber dem Bürgerspital abgabepflichtig. 1453 wurde verfügt, daß jeder Leinwater im Leinwandhaus eine Verkaufsstätte haben sollte. Die Standorte der „Stätten" wurden durch Los bestimmt (1516 wurde ein wöchentlicher Wechsel der Standorte verfügt). 1480 hatten 24 Leinwater im Leinwandhaus ihre Verkaufsstätte, doch ließen sich die Händler auch in anderen Häusern der Stadt nieder. 1497 wurde festgelegt, daß sich die Befugnis der Leinwater auf den stück- oder ellenweisen Verkauf beschränkte. Die sogenannte Schrannenordnung von 1566 bestätigte, daß jeder, der das Recht zum Leinwandhandel nicht geerbt, sondern gekauft habe, einer Platzkonzession vom Bürgerspital bedurfte. 1558-1627 unterhielt das Bürgerspital, das ab 1432 das Braumonopol besaß, im Haus eine Bierstube, die später an Bierleutgeben verpachtet wurde. 1628 schenkte die Stadt Wien dem damaligen Bürgermeister Daniel Moser das Leinwandhaus samt den beiden (hintereinanderliegenden) Nachbarhäusern (B und C); 1630 arrondierte Moser diesen Besitz durch den Kauf der beiden mit der Front zum Hohen Markt gelegenen Nachbarhäuser (Conskriptionsnummer 544, Teil D [[[Schuhhaus]]] und E); 1654 ließ ein Nachbesitzer, der Handelsmann Matthias Voitsperger, anstelle aller fünf Häuser einen Neubau errichten. Die Behauptung, daß sich im 16. und 17. Jahrhundert der Schuldenarrest im Leinwandhaus befunden habe, ist nicht zu beweisen.
Literatur
- Richard Perger: Der Hohe Markt. Wien [u.a.]: Zsolnay 1970 (Wiener Geschichtsbücher, 3), S. 53, 80 f.
- Eugen Meßner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928, S. 126
- Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 40 ff.
- Meiseis: Bummel durch Alt-Wien. 1936, S. 41
- Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele: Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Ein belehrendes und unterhaltendes Nachschlag- und Lesebuch in anekdotischer, artistischer, biographischer, geschichtlicher, legendarischer, pittoresker, romantischer und topographischer Beziehung. Wien: [o. V.] 1846, Band 2, S. 139
- Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 384
