Epsteinpalais

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Daten zum Bauwerk
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48° 12' 23.68" N, 16° 21' 34.60" E  zur Karte im Wien Kulturgut

Gustav Ritter von Epstein (1873)

Epsteinpalais (1, Dr.-Karl-Renner-Ring 1).

Das Gebäude wurde 1870-1873 von Theophil von Hansen in Formen italienischer Renaissance für den geadelten Bankier Gustav Ritter von Epstein erbaut. Die Erhebung in den Adelsstand nach der Verleihung des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse erfolgte am 6. November 1866. Die Gruft der Familie Epstein befindet sich am Zentralfriedhof, erstes Tor (Israelitische Abteilung), Grab 9.

Das Palais

Das Epsteinpalais kam 1883 in den Besitz der „Imperial Continental Gas Association", wurde jedoch 1902 vom Staat erworben und im Sommer desselben Jahres im Inneren adaptiert (Sitz des bis dahin im Porciapalais [1, Herrengassa 23] untergebracht gewesenen Verwaltungsgerichtshofs [heute 1, Judenplatz 11]) und war 1922-1938 Sitz des Wiener Stadtschulrats. 1938-1945 war das deutsche Reichsbauamt hier untergebracht, 1945-1955 die Sowjetrussische Kommandantur. 1955 zog (nach Renovierung) wieder der Stadtschulrat in das Palais ein.

Bis 1996/1997 Sitz des Wiener Stadtschulrats. Nach seiner Absiedlung wurde für das denkmalgeschützte Palais ein neuer Verwendungszweck gesucht; von den zahlreichen in die öffentliche Diskussion eingebrachten Vorschlägen wurden letztlich zwei in die engere Wahl gezogen: eine vom Parlamentsdirektorium vorgesehene Übersiedlung von Teilen der Parlamentsadministration und Schaffung von Arbeitsstätten für die politische Fraktionen im Parlament beziehungsweise die von wissenschatlicher Seite geforderte Widmung zu einem „Haus der Geschichte". Die Entscheidung fiel wegen der günstigen topografischen Lage für eine Nutzung durch das Parlament, doch sind auch Räumlichkeiten für eine permanente Ausstellungen über die Geschichte des Parlamentarismus in Österreich vorgesehen.

Die Nutzung des Gebäudes soll im Herbst 2005 beginnen.

Äußeres

Der auf drei Seiten freistehende viergeschossige Bau ist als Kubus in der historistische Architektur seiner Zeit ein Einzelfall; als räumliches Gliederungselement dient einzig das Portal, das durch einen Säulenvorbau mit vier auf ornamentierten Sockeln stehenden Karyatiden (von Vincenz Pilz) hervorgehoben wird. Die Ecken werden durch einen größeren Achsenrhythmus und durch Pilastervermehrung betont; die Fassaden sind sparsam gegliedert (Verkleidung des obersten Geschosses mit Terrakotta), Risalite fehlen.

Im glasgedeckten Innenhof steht ein Hygieia-Brunnen von Pilz. Neben dem Portal Gedenktafel (mit Bronzerelief von Erich Pieler, 1954) für Otto Glöckel.

Inneres

Im Inneren fällt die reich dekorierte Feststiege (mit Marmorsäulen und Wandpilastern) auf; die Repräsentationsräume sind nicht öffentlich zugänglich. Das Palais besaß seinerzeit einen nach Skizzen aus dem Nachlaß von Carl Rahl mit Gemälden ausgeschmückten Tanzsaal (Kartons von Hans Bitterlich, Malerei von Christian Griepenkerl), der 1922 zum Verhandlungssaal umgestaltet wurde.

Im ersten Stock hatte Theophil Hansen einen großen Tanzsaal (mit Parkettboden aus Ahorn und Mahagoni, Ölgemälden an der Decke und bemerkenswerte Stuckarbeiten) eingeplant; große (noch im Originalzustand erhaltene) Schiebetüren, die im Zuge der Renovierungsarbeiten (siehe unten) freigelegt werden konnten, stellten eine Verbindung zum seinerzeitigen Wintergarten mit seinem Mosaikfußboden her.

Umgestaltung und Renovierung

Die Umgestaltung beruht auf Plänen der Architektenen Alexander van der Donk und Georg Töpfer, die versuchen, das Epsteinpalais in seinem ursprünglichen Zustand zu rekonstruieren.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten konnten Teile der ursprüngliche architektonische Ausstattung freigelegt werden; sie sollen restauriert werden und damit erhalten bleiben.

Im ehemaligen Kassenraum der Epsteinschen Bank sollen Sitzungssäle eingerichtet werden, im Dachgeschoss 25 Büroplätze.


Literatur

  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 1. Wiesbaden: Steiner 1969, S. 141 f.
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 4. Wiesbaden: Steiner, S. 243 f.
  • Renate Wagner-Rieger [Hg.]: Die Ringstraße. Bild einer Epoche. Die Erweiterung der Inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Joseph. Band 7. Wiesbaden: Steiner, S. 257 ff. und Register
  • Felix Czeike: I. Innere Stadt. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1983 (Wiener Bezirkskulturführer, 1), S. 30 f.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 80
  • Kurier, 21.11.2003, S. 11 und andere Medienberichte