Bancozettel

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Wiener Stadt-Banco (Prägeautorität), Banco-Zettel, 25 Gulden, 1762 (Herstellung)
Daten zum Begriff

Bancozettel waren eine frühe Form des Papiergelds in Österreich, die ab 1762 ausgegeben wurden.

Gegen Ende des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763) begann die Wiener Stadt-Banco, die seit den 1730ern in Staatsverwaltung stehende Bank, im Auftrag der Hofkammer 1762 mit der Ausgabe von „Wiener-Stadt Banco-Zettel". Zur Tilgung der Staatsschuld und Kriegsfinanzierung im Rahmen des Siebenjährigen Krieges wurden Bancozettel in der Höhe von 12 Millionen Gulden ausgegeben. 1771 wurden weitere 12 Millionen Gulden Bancozettel in Umlauf gebracht. 1785 erfolgte eine weitere Neuausgabe, 1788 und 1794 kam es zu geheimen Vermehrungen. 1796 waren bereits 44 Millionen Gulden Bancozettel im Umlauf. Aufgrund des staatlichen Finanzbedarfs durch die Napoleonischen Kriege wurde die Menge weiter erhöht.

Ab 1797 stieg die im Umlauf befindliche Zahl Bancozettel stark an. Gleichzeitig verschwand das vorhandene Metallgeld. Silbermünzen konnten nur mehr mit Agio (also Aufgeld) erhalten werden und die Bevölkerung begann auch die kleinen und mittleren Scheidemünzen zu horten. Ab 1800 konnte man die Bankozettel nicht mehr gegen Metallgeld umtauschen. 1800 waren bereits 200 Millionen Bancozettel im Umlauf, 1805 waren es 377 Millionen, 1810 942 Millionen und im März 1811 1.061 Millionen Gulden.

Mit dem Staatsbankrott 1811 wurden die Bancozettel im Verhältnis 5 zu 1 gegen Einlösungsscheine umgetauscht. Damit war die Wiener Währung (W.W.) eingeführt. Die abgewerteten Bancozettel waren neben den Einlösungsscheinen noch bis 31. Jänner 1812, als Teil der Wiener Währung, gültiges Zahlungsmittel.

Literatur

  • Günther Probszt: Österreichische Münz- und Geldgeschichte. Von den Anfängen bis 1918. Wien/Köln/Graz: Böhlau 1973.
  • Rudolf Geyer: Münze und Geld. Maß und Gewicht in Nieder- und Oberösterreich. Wien: Ueberreuter 1938.