Wiener Pfennig

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Mittelalterlicher Wiener Pfennig mit dem Wiener Kreuzschild, Aufschrift: W(ien), H(ausgenossenschaft) (T)eschler, Münze datiert um 1460/1463. Zeichnung aus einem Gutachten zur Herkunft des Stadtwappens, 1805.
Daten zum Begriff


Der Pfennig war eine Münze (alte Schreibung Pfenning; lat.: denarius; Abkürzung d; Zeichen: ₰).

Der Pfennig wurde schon im achten Jahrhundert nach altrömischem Vorbild geprägt und bildete die Grundlage für das mittelalterliche und frühneuzeitliche Währungssystem im Heiligen Römischen Reich. Der Wiener Pfennig wurde ab dem späten 12. Jahrhundert geprägt. Bis ins frühe 16. Jahrhundert war in Wien das Pfund-Pfennig-Rechensystem mit 1 Pfund Pfennig zu 8 Schilling zu 240 Pfennig üblich. Wobei Pfund und Schilling nicht ausgeprägt wurden, sondern lediglich Recheneinheiten darstellten. 30 Pfennig entsprachen einem Schilling, 240 Pfennig einem Pfund. Am Beginn des 16. Jahrhundert wurden das österreichische mit dem Tiroler Münzsystem (einem Gulden-Kreuzer-Rechensystem) vereint und dadurch auch das Gulden-Kreuzer-Rechensystem übernommen. 1 Kreuzer entsprach 4 Pfennig; 60 Kreuzer bzw. 240 Pfennig entsprachen einem Gulden.

Im Hochmittelalter waren in Wien lange Zeit vor allem fremde Münzen im Umlauf, so der Regensburger oder der Friesacher Pfennig. Mit der Verlegung der babenbergischen Münzstätte von Krems nach Wien 1193/94 wird auch in Wien ein Pfennig geprägt. 1204 wird der Wiener Pfennig erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert zirkulierte der Wiener Pfennig bereits in den südlichen Gebieten Böhmens und Mährens sowie in Westungarn und im 14. Jahrhundert verbreitete er sich auch nach Westen (Salzburg und Ostbayern) und in den Süden. Im späten 14 Jahrhundert verdrängte er den Grazer Pfennig und war ab dem frühen 15. Jahrhundert die zentrale Münze in Österreich unter und ob der Enns sowie in der Steiermark, Kärnten und Krain.

Im 15. Jahrhundert war der Wiener Pfennig einer hohen Inflation unterworfen, eine Reform durch die Ausprägung von Pfennigen mit höherem Silbergehalt durch Albrecht V. 1416 scheiterte, da die Münzen vor allem wieder aus dem Verkehr gezogen wurden. Mit der Münzreform von 1481 verlor der Wiener Pfennig seine Funktion als Währungsmünze und wurde zur Scheidemünze. An seine Stelle trat nun der österreichische Gulden, der dem ungarischen und venezianischen Dukaten gleichgestellt wurde.

Der Pfennig existierte weiter als Münze, allerdings sank sein Wert sowie seine Bedeutung und er wurde schließlich als Kupfermünze ausgeprägt.

Literatur

  • Rudolf Geyer: Münze und Geld. Maß und Gewicht in Nieder- und Oberösterreich. Wien: Ueberreuter 1938.
  • Günther Probszt: Österreichische Münz- und Geldgeschichte. Von den Anfängen bis 1918. Wien/Köln/Graz: Böhlau 1973.
  • Michael Alram, Der Wiener Pfennig. Von Herzog Leopold V. (1177–1194) bis Kaiser Friedrich III. (1452–1493), Wolfgang Häusler (Hg.), Geld. 800 Jahre Münzstätte Wien, 53–73.