Verein Ernst Mach

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Aufruf zum Beitritt in den Verein Ernst Mach, 1929
Daten zur Organisation


Der „Verein Ernst Mach“ (benannt nach Ernst Mach) wurde am 23. November 1928 im Alten Rathaus in Wien gegründet und hatte zum Ziel, die Ideen des Wiener Kreises und eine wissenschaftliche Weltauffassung der breiten Öffentlichkeit näherzubringen.

Der Gründung des „Vereins Ernst Mach“ ging eine Veränderung in der Philosophie voraus, die sich immer mehr in eine eigenständigere Richtung entwickelte: Während Otto Neurath schon 1927 von einer „Wiener Schule“ und Schlick von einem Wendepunkt sprach, kam um 1930 der Eindruck einer neuen Bewegung in der Philosophie hin zu einer wissenschaftlichen Weltauffassung.

Der „Verein Ernst Mach“ wurde dann Ende 1928 gegründet. Die ersten praktischen Schritte dazu geschahen bereits am 11. April 1927, als der Österreichische Freidenkerbund, initiiert von Carl Kundermann, die Statuten des „Allgemeinen Naturwissenschaftlichen Bildungsvereins Ernst Mach“ an die Wiener Magistratsabteilung sandte. Kundermann war Stadtschulrat und langjähriger Sekretär des Freidenkerbunds, der sich in der Folgezeit stark für eine Popularisierung des Vereins einsetzte. Diese Richtung stoß bei den wissenschaftlichen Ambitionen einiger Mitglieder, vor allem bei Moritz Schlick, auf Widerstand.

Der „Verein Ernst Mach“ war dennoch das öffentliche Sprachrohr des Wiener Kreises, der „durch Einrichtung von Kursen, Abhaltung von Vorträgen und Vorlesungen, durch Führungen und Exkursionen, durch Beistellung fachwissenschaftlicher Literatur“[1] eine wissenschaftliche Weltauffassung der breiten Öffentlichkeit näherbringen sollte. Neurath, treibende Kraft bei der Gründung, der schon mit seinem 1925 gegründeten Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum durch die „Wiener Methode der Bildstatistik der Öffentlichkeit sozioökonomische Fakten vermittelte, hielt den Eröffnungsvortrag über „Mach und die exakte Weltauffassung“. Moritz Schlick, der bei der Gründung nicht anwesend war, wurde mit Hans Hahn zum Vorsitzenden gewählt.

Ein Jahr nach Gründung erschien das Manifest Wissenschaftliche Weltauffassung. Der Wiener Kreis, in dem nicht nur die Kernthesen genannt wurden, sondern das dem Wiener Kreis, der zunächst als Schlick-Zirkel bekannt wurde, auch seinen Namen gab. Dieses Manifest wurde bei einem Prager Kongress im Herbst 1929 vorgestellt.

Der Verein gab zwar nur zwei kleine Bände in seiner Schriftenreihe heraus (u.a. das Manifest des Wiener Kreises), fungierte aber auch als Mitherausgeber der Zeitschrift Erkenntnis (Hg. Hans Reichenbach und Rudolf Carnap). Darüber hinaus organisierte der Verein, in dem sich neben dem Wiener Kreis auch andere Gruppen engagierten, diverse Vorträge mit einem großen Themenspektrum (beispielsweise Schlick über „wissenschaftliche Weltauffassung in den USA“, Heinrich Gomperz über „empiristische Weltauffassung in der Antike“ oder Josef Frank über „Moderne Weltauffassung und moderne Architektur“). Manche dieser Vorträge stießen allerdings auf Widerstand, so zum Beispiel Hans Hahns „Überflüssige Wesenheiten. Occams Rasiermesser“ oder Rudolf Carnaps „Von Gott und Seele. Scheinfragen der Metaphysik und Theologie“.

Im Rahmen des Vereins wurde außerdem ab 1930 eine Studiengruppe von Carnap organisierte, die als zentrales Thema ihrer Vorträge und Diskussionen die Anwendung der Statistik auf die verschiedenen, weniger mathematischen Fachdisziplinen hatte. Einige der Vortragenden wurden später bedeutende Wissenschaftler.

Grundsätzlich war der Verein offen für Vorträge aus verschiedensten Bereichen. Beispiele dafür waren der Architekt Josef Frank, Bruder von Philipp Frank, oder der Austromarxist Otto Bauer. Sein Vortrag über die sozialen Bedingungen der Erkenntnis und Wissenschaft führte dazu, dass die Behörden den Verein Ernst Mach als sozialistisch einstuften und nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 verboten (ab 1934 wurden alle sozialdemokratischen Organisationen in Österreich verboten). Die letzte Vorstandssitzung des Vereins fand am 20. Oktober 1933 statt und hatte einen ersten Internationalen Kongress für die Einheit der Wissenschaft zum Beschluss, der trotz des Vereinsverbots 1935 in Paris stattfinden konnte.

Literatur

  • Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Ursprung, Entwicklung und Wirkung des Logischen Empirismus im Kontext. Überarbeitete Auflage. Cham: Springer 2015 (Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis, 20) [1. Aufl. 1997]
  • Christoph Limbeck-Lilienau / Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Texte und Bilder zum Ursprung des Logischen Empirismus. Wien: LIT Verlag 2015


Verein Ernst Mach im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.

Weblinks

Referenzen

  1. Friedrich Stadler: Vom Positivismus zur ›Wissenschaftlichen Weltauffassung‹. Am Beispiel der Wirkungsgeschichte von Ernst Mach in Österreich von 1895 bis 1934, Wien-München 1982, S. 170.