Türkis Rosa Lila Villa (Gebäude)
Für weitere Bedeutungen siehe Türkis Rosa Lila Villa (Begriffsklärung).
Miethaus aus der Gründerzeit, Eckhaus mit drei Stockwerken und erhaltener Fassade.
Erbauung und Eigentümer*innen
Das Haus wurde im Zeitraum der großen Stadterweiterung zwischen 1858 und 1864 von Stadtbaumeister Eduard Frauenfeld senior (1816–1874) für den Maurermeister August Lütge gebaut. Es wurde mehrmals umgebaut und durch Karl Stöber aufgestockt, sodass sich ab 1884 in insgesamt drei Stockwerken 15 Wohnungen befanden. Die Eigentürmerschaft wechselte 1875 zu Karl Beyer. Die ursprüngliche Adresse lautete An der Wien Nr. 597, ab 1861 Ufergasse 10/Ecke Spörlinggasse 1 und 1899 erfolgte die Umbenennung in Linke Wienzeile.
Dem Bezirksmuseum Mariahilf zufolge befanden sich in dem Haus 1913 das Geschäft für Jagdschmuck F. Arenz, ein Gold- und Silberschmied sowie der Klavierbauer Eugen Panigl. 1914 war das Haus Eigentum der Oberlandesgerichtsrats-Witwe Anna Petschacher und beherbergte verschiedene Handwerksbetriebe, etwa einen Stockdrechsler, einen Tischler, einen Schneider sowie ein Milchgeschäft und eine Schuhleistenfabrik.
Ankauf durch die Gemeinde Wien
Die Gemeinde Wien kaufte die beiden Häuser Linke Wienzeile 102 und 104 im Jahre 1926 an und bestimmte sie zur Instandsetzung 1927, die jedoch nicht gesichert nachweisbar ist; 1932 erfolgte zumindest die Instandsetzung der Steinzeug-Rohrleitung.
Weiterhin im Eigentum der Gemeinde Wien befindlich, war das Haus 1981 zum Abriss vorgesehen, um dem Neubau einer Parkgarage zu weichen. 1982 erfolgte die Besetzung durch queere Aktivist*innen und die Gründung des Wohnprojekts Rosa Lila Villa – Erstes Wiener Lesben- und Schwulenhaus. Die Legalisierung der Besetzung gelang noch im selben Jahr nach Verhandlungen mit der Wiener Vizebürgermeisterin Gertrude Fröhlich-Sandner. Zwischen der Stadt und den Besetzer*innen wurde ein Vertrag zur Instandsetzung und Einrichtung einer LGBTIQ-Beratungsstelle durch die Bewohner*innen auf 30 Jahre geschlossen (mittlerweile verlängert bis 2045). Die Sanierung wurde 1988 abgeschlossen.
Die barrierearme Umgestaltung startete 2018: In einer ersten Phase wurde das Eingangsniveau dem der Straße angeglichen und ein barrierefreier Zugang über eine Rampe geschaffen. Des weiteren wurde ein barrierefreies WC im Erdgeschoss errichtet und der Zugang zu den Beratungsräumen durch ein taktiles Leitsystem, Brailleschrift-Beschriftungen und Kontrast-Markierungen erleichtert.
Literatur
- Architekturzentrum Wien (Hg.): Eduard Frauenfeld senior. In: Architektenlexikon Wien 1770–1945. Letzte Änderung: 02.10.2023 [Zugriff 03.07.2025]
- Bezirksmuseum Mariahilf (Hg.): Häuser in Mariahilf. Linke Wienzeile 102. Wien: 2021 [Zugriff 03.07.2025]
- GABU Heindl Architektur (Hg.): Türkis Rosa Lila Villa. Barrierearme Umgestaltung des Community-Zentrums für Lesben, Schwule und Trans-Personen in der Türkis Rosa Lila Villa. Wien: 2018 [Zugriff 03.07.2025]
- Türkis Rosa Lila Villa (Hg.): Türkis Rosa Lila Villa barrierefrei JETZT! Crowdfunding zum Umbau. Wien: 2018 [Zugriff 03.07.2025]
- Helmut H. Sendlhofer: Zur Geschichte der Rosa Lila Villa. Ein historischer Abriß. In: Rosa Lila Tip [Hg.]: "Weil drauf steht, was drin ist!" 10 Jahre Lesben- und Schwulenhaus Rosa Lila Villa. Selbstverlag: Wien 1992
- Kunsthistorische Arbeitsgruppe GeVAG [Hg.]: Wiener Fassaden des 19. Jahrhunderts. Wohnhäuser in Mariahilf. Böhlau: Wien u. Graz 1976
