Stefan Jellinek
Stefan Jellinek, * 29. Mai 1871 Prerau, Mähren (Přerov, Tschechische Republik), † 2. September 1968 Edinburgh, Schottland, Elektropathologe, Mediziner.
Biografie
Nach dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er 1898 mit deer Promotion zum Dr. med. univ. beendete, war Jellinek 1903 bis 1909 Assistent an der internen Abteilung des Wiedner Krankenhauses. Sein Hauptinteresse galt aber schon damals der Elektrizität und ihren Gefahren für den Menschen. Seine profunden Untersuchungen der Ursachen und der Schockwirkungen von Elektrounfällen trugen vor dem Ersten Weltkrieg maßgeblich zur Einführung von Schutzmaßnahmen im Umgang mit technischer Elektrizität bei. Er entwickelte die Idee des elektrischen Scheintodes und entwickelte neue Methoden der Wiederbelebung.
Mit dem Dermatologen Gustav Riehl und dem Chirurgen Anton von Eiselsberg hatte Jellinek auch Anteil an der praktischen Behandlung von Patienten nach Stromunfällen im Allgemeinen Krankenhaus. Zusammen mit Alexander Kolisko erforschte Jellinek als Assistent am Institut für gerichtliche Medizin die histologischen Veränderungen in einzelnen Organen nach Elektrizitätseinwirkung. 1908 habilitierte sich der Mediziner an der Universität Wien für innere Medizin mit besonderer Berücksichtigung der Elektropathologie, für die 1929 sowohl an der Universität als auch der Technischen Hochschule eine eigene Lehrkanzel begründet wurde. Im Bereich des ehemaligen Garnisonsspitals I schuf er das erste [[Elektropathologische Museum mit fast 2.000 Objekten, die in der NS-Zeit von der Gestapo konfisziert wurden.
Nach dem "Anschluss" 1938 wurde er zwangspensioniert und emigrierte 1939 nach Großbritannien, wo er unter anderem im Queen's College in Oxford arbeitete. Nach seiner dortigen Emeritierung kehrte Jellinek 1948 als Gastprofessor nach Wien zurück, wo er sowohl an der Universität als auch an der Technischen Hochschule lehrte.
Zu seinen Veröffentlichungen zählen "Der elektrische Unfall" (1925), "Elektroschutz" (1931) und "Faradays Symbole" (1949).
Werke
- Atlas zur Spurenkunde der Elektrizität. Wien: Springer 1955
- Faradays Symbole als Grundlage einer neuen biologischen Forschungsrichtung. Wien: Urban & Schwarzenberg 1949
- Dying, apparent-death and resuscitation. London: Ballière, Tindall and Cox 1947
- Elektrische Verletzungen. Klinik und Histopathologie. Leipzig: Barth 1932
- Gefahren der Elektrizität. Salzburg: Kiesel 1932
- Elektroschutz in 132 Bildern. Wien / Leipzig: Deutscher Verlag für Jugend und Volk 1931
- Spurenkunde der Elektrizität. Elektrophysiographie. Leipzig / Wien: Deuticke 1927
- Der elektrische Unfall skizziert für Ingenieur und Arzt. Leipzig / Wien: Deuticke 1925
- Das Gefahrenmoment beim Radio. Mit einem Elektro-hygienischen Merkblatt für Radioamateure. Leipzig und Wien: Deuticke 1925
- Atlas der Elektropathologie. Berlin: Urban 1909
Literatur
- Andreas Westhoff: Ein Arzt gegen den Strom. In: Deutschlandfunk, 29.05.2021 [Stand: 01.07.2025]
- Ernst Bruckmüller [Hg.]: Personenlexikon Österreich. Wien: Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon 2001
- Stefan Jellinek zum Gedenken. In: Rathauskorrespondenz, 28.05.1971, Bl. 1565 f.
- 95. Geburtstag von Stefan Jellinek. In: Rathauskorrespondenz, 27.05.1966, Bl. 1420
- Isidor Fischer [Hg.]: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band 1: Aaser-Komoto. München: Urban & Schwarzenberg 1962
- Neue deutsche Biographie. Hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 1. Berlin: Duncker & Humblot 1953
- Erna Lesky: Professor Jellineks elektropathologisches Museum. In: Ciba-Symposium 9, Heft 5, S. 248 ff.
- Judith Bauer: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die Medizinische Fakultät der Universität Wien. Diss. Univ. Wien. Wien 1980, S. 109 ff.
- Franz Th. Brücke: Der elektrische Unfall. In memoriam Professor Dr. Stefan Jellinek. In: Österreichische Ärztezeitung 23 (1968), S. 2300 ff.
- Nachruf. In: The Lancet, 02.11.1968

