Sicherung und Verlagerung von Kulturgut (Zweiter Weltkrieg)
In Absprache mit der Stadtverwaltung und dem Denkmalamt wurden etliche wertvolle Denkmäler vor eventuellen Bombenschäden im Zuge des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg geschützt (unter anderem die Pestsäule am Graben; das Riesentor des Stephansdoms; das Hochgrab Friedrichs III.; die Grabdenkmäler in der Kapuzinergruft).
Im Oktober 1942 fand anlässlich einer geplanten baulichen Sicherung der beiden Reiterstandbilder am Heldenplatz (Erzherzog Karl und Prinz Eugen) eine Besprechung statt. Der Reichsstatthalter von Wien, Baldur von Schirach, hatte an das Reichsbauamt Wien-Innere Stadt diesbezüglich eine Voruntersuchung angeordnet. Drei Möglichkeiten standen zur Diskussion: 1) Ummauerung der Denkmäler durch Ziegel, 2) Abtragung und Aufstellung derselben auf einen nicht luftschutzgefährdeten Ort, 3) diese stehen lassen und durch Gipsabdrücke einen möglichen Verlust durch einen Nachguss zu ermöglichen.[1] Die Denkmäler und der Unterbau wurden vorsorglich untersucht und alle Risiken berücksichtigt, ehe die beiden Bronzedenkmäler mit zwei splittersicheren Ziegelummauerungen, versteift mit Eisenbetonrosten, umkleidet wurden.
Obwohl die NS-Führung veranlasst hatte, historische Denkmäler und Bauten zu schützen, wurde gleichzeitig Kulturgut zerstört. Glocken und leicht abzutragende metallene Denkmäler wurden für Rüstungszwecke eingeschmolzen. Auf einer eigenen Liste aus dem Jahr 1943 wurden rund 30 Denkmäler angeführt (unter anderem Augustin, Georg Raphael Donner, Sebastian Kneipp, Johann Nestroy, Erzherzog Rainer, Siegfried, Carl Auer-Welsbach), die abzutragen sind.[2] Letztendlich wurden aber nicht alle eingeschmolzen.
1942 wurden etliche Kulturschätze und Archivmaterialien aus den Wiener Museen vorsorglich abtransportiert. Unzählige Transporte, überfüllte Möbelwagen brachten bereits zu Kriegsbeginn Gemälde und andere Kunstwerke zu diversen Bergungsorten. Viele übersiedelten später in das Salzkammergut (in das Bergwerk Bad Ischl / Lauffen). Ganze Bibliotheken wurden beispielsweise in das Stift Klosterneuburg oder nach Gaming verfrachtet.[3]
