Schmetterlinge (Musikgruppe)
Schmetterlinge (Musikgruppe).
Werdegang
Die Musikgruppe Schmetterlinge wurde 1969 gegründet und war von Anfang an eine Formation, die sich in ihren Texten explizit politisch äußerte („Politrock“). Gründungsmitglieder waren Willi Resetarits, Georg Herrnstadt, Fredi Rubatschek und Erich Meixner. 1971 wurde die Engländerin Pippa Armstrong Sängerin der Band, 1976 übernahm Beatrix Neundlinger diese Rolle. Die sozialistisch ausgerichtete Band trat von 1973 bis 1975 immer wieder im Audimax der Universität Wien auf, 1976 beteiligte sie sich an der Besetzung des Auslandsschlachthofs im Rahmen der „Arena“-Bewegung.
1976 nahmen die Schmetterlinge ihr Opus magnum ins Repertoire auf: Die auf Texten von Heinz R. Unger beruhende „Proletenpassion“ – ein „Oratorium“, das sich mit Herrschaftsstrukturen und sozialen Fragen von den Bauernkriegen bis zur Gegenwart auseinandersetzt. 1977 erschien das Stück auf einem Dreifachalbum. Ebenfalls 1977 vertrat die Musikgruppe Österreich beim Eurovisions-Songcontest. Sie sangen das Lied „Boom Boom Boomerang“ mit einem Text von Lukas Resetarits – eine satirische Kritik der Plattenindustrie („Ein gutes Lied ist pures Gold / (Das hören die Konzernherrn von Nashville bis Luzern gern) / Und der Dollar rockt und rollt“). Die 1979 erschienene Langspielplatte „Herbstreise“ kann als „Soundtrack des ,Deutschen Herbsts‘“[1] gesehen werden – eine musikalische Stellungnahme zu den 1979 vorherrschenden Themen, vom „Radikalenerlass“ über RAF bis zum Kampf gegen Kernkraftwerke.
Mitte der 1980er Jahre verließen Willi Resetarits und Helmut Grössing (seit 1982 dabei) die Band. Mit dem „Schmetterlinge Kindertheater“ (Mastermind: Erich Meixner) ergab sich ein neuer Arbeitsschwerpunkt. Die Gruppe setzte dabei Kinderbücher musikalisch auf der Bühne um (z.B. die „Geggis“ von Mira Lobe). Zugleich wurde 1987 die „Proletenpassion“ für eine große Deutschland-Tournee wieder aufgenommen. 1995 wurden die beiden Programme „Jahre wie Tränen“ und „Lieder zur rechten Zeit“ erarbeitet. Danach wurden die gemeinsamen Auftritte seltener. Der letzte Auftritt fand im Dezember 2018 im Rahmen einer Radiosendung statt, bei der (mit Willi Resetarits) drei Lieder aus der „Proletenpassion“ zum Besten gegeben wurden.
2023 übernahm die Wienbibliothek im Rathaus die Sammlung Beatrix Neundlinger, die auch zahlreiche Materialien zur Geschichte der Schmetterlinge enthält.
Diskographie
- Schmetterlinge: Schmetterlinge (1973)
- Schmetterlinge: Lieder fürs Leben (1975)
- Schmetterlinge: Proletenpassion (1976)
- Schmetterlinge: Beschwichtigungs-Show (1977)
- Schmetterlinge: Herbstreise. Lieder zur Lage (1979)
- Schmetterlinge: Bauern Bonzen und Moneten (1979)
- Schmetterlinge, Jura Soyfer: Verdrängte Jahre (1981)
- Schmetterlinge: Die letzte Welt (1982)
- Schmetterlinge: Valerie und die Gutenachschaukel (1984)
- Schmetterlinge: Mit dem Kopf durch die Wende (1986)
- Schmetterlinge-Musiktheater: Rosa und Petersil (1999)
Quellen
Literatur
- Peter Temel: Schmetterlinge-Mitbegründer Erich Meixner ist tot. In: Der Kurier, 29.05.2013
- Ingrid Karger: Politische Musik und naive Musiktherapie. Eine Untersuchung zum Erleben politischer Konzerte in den 80er Jahren am Beispiel von Aufführungen des szenischen Oratoriums „Proletenpassion“ der Polit-Rock-Gruppe Schmetterlinge. Oldenburg: BIS 2000
- Heinz R. Unger: Die „Proletenpassion“. Dokumentation einer Legende. Wien u.a.: Europaverlag 1989
- Heinz R. Unger: Proletenpassion. Ein szenisches Oratorium. Wien: Eigenverlag 1976
Weblinks
- Infos zu den „Schmetterlingen“ auf der Website zu „Kurt Ostbahn“ und Günter Brödl
- Website des Schmetterlinge-Kindertheaters
- Gröbchen: Schmetterlinge. In: Ö1 Radiokolleg, 22.05.2017
Referenzen
- ↑ Temel 2013
