Rudolf Allers
Rudolf Allers (Abeles), * 13. Jänner 1883 Wien, † 14. Dezember 1963 Hyattsville, Maryland (USA), Psychiater, Psychologe, Philosoph.
Biografie
Rudolf Abeles war der Sohn des Internisten und Balneologen Marcus Mordechai Abeles. Nach dem Studium der Medizin an der Universität Wien, das er 1906 mit der Promotion zum Dr. med. univ. abschloss, änderte er seinen Namen in "Allers" und arbeitete an der II. Medizinischen Universitätsklinik sowie an der Wiener Allgemeinen Poliklinik. 1907 wurde er Assistent im Laboratorium für experimentelle Chemie des Chemikers und Dermatologen Eduard Spiegler, ging dann an die Prager Psychiatrische Universitätsklinik zu Arnold Pick und war ab 1909 Assistent an der Münchner Psychiatrischen Universitätsklinik unter Emil Kraepelin, bei dem er sich 1913 habilitierte. 1908 heiratete er eine jüngere Schwester der Physikerin Lise Meitner und konvertierte zum katholischen Glauben.
Im Ersten Weltkrieg als Chirurg im Dienst der Armee, wirkte er nach seiner Rückkehr bis 1938 am Physiologischen Institut der Universität Wien; Viktor Frankl war damals sein Mitarbeiter bei sinnesphysiologischen Forschungen. 1926 wurde er außerdem Leiter einer Erziehungsberatungsstelle im Rahmen der Caritas. Ursprünglich in engem Kontakt mit der individualpsychologischen Schule um Alfred Adler und häufiger Vortragender kam es 1927 zum Bruch mit diesem Kreis. Allers wandte sich verstärkt der katholischen Lehre zu und versuchte in seinen Werken, diese mit Aspekten der Individualpsychologie bzw. der Psychotherapie generell zu verbinden. 1934 promovierte er an der Universität Mailand zum Dr. phil.
Noch vor der nationalsozialistischen Besetzung Österreichs verließ Allers 1938 seine Heimat, lehrte zuerst an der Catholic Universitity of America in Washington D.C. und ab 1948 als Professor für Psychologie und Philosophie an der Georgetown Universität in Washington. Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 wurde ihm die Lehrbefugnis an in Wien entzogen. Als Psychiater setzte sich Allers kritisch ablehnend mit der von Sigmund Freud geschaffenen Psychoanalyse auseinander ("Über Psychoanalyse", 1922). Weitere bedeutende Werke Allers sind "Das Werden der sittlichen Person" (1930), "Character education in adolescence" (1940) und "The successful error: a critical study of Freudian psychoanalysis" (1940). Allers wissenschaftliches Werk umfaßt 16 Bücher (Übersetzungen in acht Sprachen) und rund 700 Aufsätze.Er war Ehrenmitglied der Österreichischen Ärztegesellschaft für Psychotherapie.
Quellen
Literatur
- Alexa Kyra Weber: Rudolf Allers. In: AlfredAdler.at [Stand: 31.07.2025]
- Isidor Fischer [Hg.]: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band 1: Aaser-Komoto. München: Urban & Schwarzenberg 1962
- Judith Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahr 1938. Biographie entlassener Professoren und Dozenten. Diss. Univ. Wien. Wien 1980, S. 5 f.
- Louis Jugnet: Rudolf Allers ou L'Anti-Freud. Paris: Les Éditions du Cèdre 1950
- Viktor Frankl: Rudolf Allers als Philosoph und Psychiater. In: Wissenschaft und Weltbild 17 (1964), S. 150 ff.
- Wolfgang Huber [Hg.]: Beiträge zur Geschichte der Psychoanalyse in Österreich. Wien / Salzburg: Geyer-Edition 1978, S. 81 ff., S. 101 ff.
