Reinhard Kamitz

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Daten zur Person

Reinhard Kamitz, * 18. Juni 1907 Halbstadt (Meziměstí), Böhmen, † 9. August 1993 in Wien, Wirtschaftspolitiker.

Biografie

Der Sohn von Dr. Wenzel Kamitz, von 1931 bis 1934 Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, wurde im damals überwiegend deutsch besiedelten Halbstadt geboren, kam mit seinen Eltern 1910 vom nördlichsten Böhmen an der Grenze zu Schlesien nach Wien, studierte an der Hochschule für Welthandel Wirtschaftswissenschaften (Dipl. 1929, Dr. rer. merc. 1933), praktizierte in Frankreich und in der Tschechoslowakischen Republik, arbeitete von 1934 bis 1938 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Konjunkturforschung in Wien, habilitierte sich 1937 an der Hochschule für Welthandel und war von 1939 bis 1946 bei der Wiener Handelskammer tätig.

Von 1940 bis 1945 war Reinhard Kamitz Mitglied der NSDAP.

Von 1946 bis 1951 war Kamitz in der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft tätig (ab 1948 Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung, ab April 1950 stellvertretender Generalsekretär), war vom 23. Jänner 1952 bis 17. Juni 1960 Finanzminister und prägte in dieser Zeit die Regierungspolitik der unter Führung der ÖVP stehenden schwarz-roten Koalitionsregierung. Mit dem Begriff „Raab-Kamitz-Kurs" erwarb er Ansehen als seriöser Verwalter der Staatsfinanzen und der Wirtschaftspolitik. 1952 legte er ökonomische Grundsätze vor, von 1952 bis 1955 war er um die Stabilisierung und strukturelle Änderungen im Aufbau der österreichischen Wirtschaft besorgt, von 1955 bis 1958 ging es um Konsolidierung und Aufbau nach dem Staatsvertrag.

1956 bewirkte er den Verkauf von 40 % des Aktienkapitals der zwei großen verstaatlichten Banken, Creditanstalt-Bankverein und Österreichische Länderbank, 1957 das Exportförderungsgesetz. Von 1958 bis 1960 arbeitete er an der Überwindung der weltweiten Rezession von 1958. Kamitz stabilisierte die Währung (1959 Schilling-Konvertibilität für Devisenausländer), übertrug das Modell der Sozialen Marktwirtschaft auf Österreich und vertrat die Theorie des Steuerabbaus (1954 erste, 1955 zweite, 1958 dritte Steuersenkung).

Von 1960 bis 1968 war Kamitz Präsident der Oesterreichischen Nationalbank und ab 1960 Professor für Ökonomie, Wirtschaftspolitik und Finanzen an der Universität Wien.

Großes Goldenes Ehrenzeichen am Band der Republik Österreich, Großkreuze Bayerischer Verdienstorden, belgischer Kronenorden, Verdienstorden Bundesrepublik Deutschland und spanischer Zivil-Verdienstorden.

Literatur

  • Isabella Ackerl / Friedrich Weissensteiner: Österreichisches Personenlexikon der Ersten und Zweiten Republik, Wien: Ueberreuter 1992
  • Walter Kleindel: Das große Buch der Österreicher. 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild, Namen, Daten, Fakten. Unter Mitarbeit von Hans Veigl. Wien: Kremayr & Scheriau 1987
  • Richard Bamberger / Franz Maier-Bruck: Österreich-Lexikon in zwei Bänden. Band 1: A–K. Wien: Österreichischer Bundesverlag / Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1966
  • Unterlagen der Oesterreichischen Nationalbank


Reinhard Kamitz im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.