Paul Felix Lazarsfeld

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Daten zur Person

Paul Felix Lazarsfeld (Pseudonym Elias Smith), * 13. Februar 1901 Wien, † 30. August 1976 New York (USA), Lehrer, Mathematiker, Soziologe.

Biografie

Kindheit und Jugend

Paul Felix Lazarsfeld kam in einer sozialdemokratischen Familie zur Welt. Seine Mutter Sofie Lazarsfeld war Individualpsychologin, sein Vater Robert Lazarsfeld (1871–1940) arbeitete als Rechtsanwalt. Das Elternhaus war prägend für Lazarsfelds weiteren Werdegang, da dort führende Persönlichkeiten der sozialdemokratischen Bewegung verkehrten. Durch das politisch geprägte Elternhaus kam er schon als Mittelschüler (Verband sozialistischer Mittelschüler (VSM)) und später als Student in Verbindung mit der SDAP und entwickelte ein ausgeprägtes politisches Engagement.

Er besuchte das Akademische Gymnasium, maturierte 1919 und studierte anschließend an der Universität Wien Physik und Mathematik. 1924 dissertierte er im Fach Mathematik mit der Arbeit "Über die Berechnung der Perihelbewegung des Merkur aus der Einsteinischen Gravidationstheorie" (Dr. phil.). Anschließend absolvierte er in Frankreich ein Post-Graduierten-Studium. 1925 kehrte Lazarsfeld nach Wien zurück und begann als Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik zu arbeiten (ab 1927 beurlaubt). Von 1927 bis 1933 war er Mitglied des Psychologischen Instituts der Universität Wien. Die 1933 vorgenommene Untersuchung "Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit" von einem Team rund um Lazarsfeld, Marie Jahoda und Hans Zeisel gilt als Meilenstein in der Entwicklung der empirischen Sozialforschung.

Gründung der "Österreichischen Wirtschaftspsychologischen Forschungsstelle"

In den 1920er Jahren gewann der Forschungsbereich der Psychoanalytik stark an Bedeutung, was einen entscheidenden Einfluss auf Lazarsfelds spätere Erkenntnisse in der Konsumforschung hatte. Zudem waren die Einflüsse von Charlotte und Karl Bühler, die das Psychologische Institut in Wien innehatten, zentral für sein Forschungsinteresse, aber auch für sein Interesse an Politik spielte hierbei eine bedeutende Rolle. Lazarsfelds Engagement für die sozialdemokratische Partei nahm in dieser Zeit ab. Die Bühlers fungierten als große Hilfe, als Lazarsfeld 1931 die "Österreichische Wirtschaftspsychologische Forschungsstelle" gründete, die dem Psychologischen Institut angeschlossen wurde und für die Lazarsfeld bis 1933 als wissenschaftlicher Leiter fungierte. Hans Zeisel beschrieb das Forschungsinteresse von Paul Felix Lazarsfeld als bemerkenswert, denn er habe das Bedürfnis, die Motivationen von Menschen und die sozialen Strukturen zu verstehen.

Emigration

1933 zog Paul Felix Lazarsfeld in die USA (Newark, New Jersey) und wurde Stipendiat der Rockefeller Foundation. 1935 kehrte er kurzzeitig nach Wien zurück, um den vollständigen Umzug in die USA zu organisieren (US-Staatsbürgerschaft 1943). Zurück in den USA lebte er zunächst in Manhattan und arbeitete für die National Youth Administration (1935/1936) sowie an der University of Newark (1936/1937). Von 1937 bis 1976 war er in leitenden Funktionen für das Office of Radio Research an der University of Princeton (1939 Verlegung an die Columbia University, 1944 Umbenennung in Bureau of Applied Social Research) tätig. Als Professor unterrichtete und forschte Lazarsfeld von 1939 bis 1971 an der Columbia University in New York. Er hatte mehrere Gastprofessuren inne (u. a. in Oslo, Paris und Wien) und ging nach seiner Emeritierung von 1971 bis 1976 als Distinguished Professor of Social Sciences an die University of Pittsburgh. Lazarsfeld förderte die mathematischen Modelle in der empirischen Sozialforschung, veröffentlichte wichtige Beiträge zur Kommunikations- und Meinungsforschung (Auswirkungen der Massenmedien auf die Gesellschaft) und gehörte zu den Pionieren des Infratests.

1963 gründeten Paul Felix Lazarsfeld und der Ökonom Oskar Morgenstern das Institut für Höhere Studien (IHS), das zunächst durch den Nationalsozialismus vertriebene Wissenschaftler*innen nach Österreich zurückholen sollte. Am 19. Juni 1971 wurde Lazarsfeld von der Universität Wien mit einem Ehrendoktorat der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Lazarsfeld selbst nahm zwar Gastprofessuren in Wien an und hielt Vorträge in seiner Geburtsstadt, kehrte aber nie permanent nach Österreich zurück.

Paul Felix Lazarsfeld war in erster Ehe (1926–1934) mit Marie Jahoda, in zweiter Ehe (1936–1945) mit Herta Herzog und in dritter Ehe mit der Sozialwissenschaftlerin Patricia Louise Kendall (ab 1949) verheiratet. Er war Vater von zwei Kindern: Lotte Franziska Lazarsfeld, verheiratete Bailyn, kam 1930 (Mutter: Marie Jahoda) und Robert Lazarsfeld 1953 (Mutter: Patricia Louise Kendall) zur Welt.

An der Universität Wien ist das 1983 gegründete Paul F. Lazarsfeld-Archiv angesiedelt, das den Nachlass des Soziologen inklusive dessen Arbeitsbibliothek verwahrt. Dort wird auch die Paul Lazarsfeld Gastprofessur vergeben. In Floridsdorf (21. Bezirk) ist seit 1994 die Lazarsfeldgasse nach ihm benannt. 2023 wurde an seiner ehemaligen Schule, dem Akademischen Gymnasium, im Zuge eines Symposiums eine Gedenktafel von der Schule gestiftet und am 13. April feierlich enthüllt. Die American Sociological Association, deren Präsident Lazarsfeld war, vergibt seit 1986 den Paul F. Lazarsfeld Award.

Literatur

  • Walter Kleindel: Das große Buch der Österreicher. 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild. Namen, Daten, Fakten. Unter Mitarbeit von Hans Veigl. Wien: Kremayr & Scheriau 1987
  • Hans Zeisel: The Vienna Years. In: Qualitative and quantitative Social Research. Papers in Honor of Paul F. Lazarsfeld. R. Merton / J. Coleman / P. Rossi [Hg.]. New York: The Free Press 1979 (Paul Lazarsfeld Archiv: Blaue Mappe, About PFL – 2)
  • Alfred Magaziner: Paul Lazarsfeld gestorben. Wien: Sozialistische Partei Österreichs 1976 (Paul Lazarsfeld Archiv: Rote Mappe, Biography I.)
  • Michael Pollak: Paul F. Lazarsfeld: A socio-intellectual biography. Program on Science, Technology and Society. New York: Cornell University Ithaca [1979] (Paul Lazarsfeld Archiv: Blaue Mappe, About PFL – 1)
  • 50 Klassiker der Soziologie: Paul F. Lazarsfeld [Stand: 20.05.2025]


Paul Felix Lazarsfeld im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.

Weblinks