P. & C. Habig, k.u.k. Hof-Hutfabrikanten

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Fabrik und Verkauflokal in Wien 4 um 1900
Daten zur Organisation


Hutfutterdruckerei um 1900

Die Firma P. & C. Habig zählte zu den bedeudensten Hutfabrikanten der Donaumonarchie. Gegründet 1862 als Einzelhandelsgeschäft auf der Wieden wurde ab 1867 die Hutproduktion aufgenommen, ab 1869 auch die Filzhutproduktion. Ab 1874 kam es zu einer Erweiterung der Fabrikräume und Eröffnung eines Verkaufsgeschäfts in der Inneren Stadt. 1882 erfolgte der Umstieg auf Produktion mit Dampfmaschinen, welche eine starke Ausweitung des Exports zur Folge hatte. 1896 entstand schließlich die Firmenzentrale im Habig-Hof in der Wiedner Hauptstraße. Der Traditionsbetrieb setzte seine Tätigkeit nach Ende des Ersten Weltkrieges unter geänderten Rahmenbedingungen fort. Zur Schließung des Betriebs kam es 1995.

Vom Einzelhandelsgeschäft zur Fabriksproduktion

Der aus SaImünster bei Frankfurt am Main aus bäuerlichen Verhältnissen stammende Peter Habig wurde von seinem Onkel, der ein Hutgeschäft in Wien betrieb, bewogen 1852 sein Glück in Wien zu suchen. Nach Absolvierung einer Hutmacherlehre in Nußdorf erwarb er im Jahr 1862 das kleine Hutmachergeschäft seines Onkels auf der Wieden auf den Gründen des späteren Habig-Hofes, welches dort schon einige Jahrzehnte bestanden hatte. Ab 1867 wurden dort Seidenhüte und Chemise-Gallethüte produziert. Ab 1869 begann die Filzhutproduktion. Markenzeichen wurde der "Habig-Hut". Das Handelsgeschäft weitete sich langsam auch auf den Großhandel aus. 1871 trat der Bruder des Gründers, Carl Habig, in das Geschäft ein. Ab 1872 wurden die eigenen Fabrikate nur noch unter der Fabrikmarke verkauft, obwohl englische Marken den Markt dominierten. Bei der Wiener Weltausstellung von 1873 begründete die Firma ihren Weltruf. Im Jahr 1874 wurden die Fabrikräume erweitert und im Todescopalais in der 1., Kärntnerstraße 51 ein großes Verkaufsgeschäft eröffnet. Durch den Erwerb einer großen Realität im Jahr 1882 in der 4., Wiedner Hauptstraße 29 war es möglich, die Produktion auf Dampfmaschinen umzustellen. Dadurch kam es zu einer bedeutenden Ausweitung des Exports. Durch den Bau des Habig-Hofes im Jahr 1896 in der Wiedner Hauptstraße 15-17 als Wohn-, Waren- und Fabrikgebäude entstand eine modern eingerichtete Firmenzentrale in der alle Sorten von Damen- und Herrenhüten produziert und verkauft wurden. Besonders erfolgreich war auch das Berliner Verkaufslokal.

Peter Habig fungierte bei Weltausstellungen als Präsident der gesamten Bekleidungsindustrie und errichtete im Technischen Museum eine Musterwerkstätte der Hutmacherkunst. Er erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen. In der Genossenschaft setzte er sich für Prämierungen von Gehilfen und Lehrlingen für hervorragende Leistungen ein. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges rief Habig im Einvernehmen mit dem Kriegsfürsorge-Amt den Kriegsfürsorgehut ins Leben dessen Verkaufserlöse der Kriegsfürsorge zu Gute kamen. Im Jahr 1916 starb Peter Habig als letztes Mitglied der Gründergeneration.

Von 1918 bis zur Schließung des Betriebs

Der Zerfall des gemeinsamen Wirtschaftsraumes im Jahr 1918 brachte einen schweren Rückschlag für das Unternehmen. Die Führung des Unternehmens lag in den Händen der nächsten Generation Peter und Hubert Habig. Die Produktion wurde in eingeschränkter Form fortgesetzt. Nach 1945 verloren Hüte infolge der sich ändernden Mode an Bedeutung. Hubert Habig starb 1963. In den 1970er Jahren feierte der Zylinder ein Comeback in der High-Society, was dem Unternehmen neuen Auftrieb verschaffte. Im Jahr 1974 kaufte Carl Habig junior die Zylinderhut-Fabrik des Holländers Mark Sporenberg auf und verdoppelte die Produktion innerhalb weniger Jahre, wobei die USA Hauptexportland wurden. Dennoch war die große Zeit des Unternehmens vorbei. Das Verkaufsgeschäft in der Wiedner Straße bestand bis 1990. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde schließlich an die Generali-Stiftung verkauft. 1995 übersiedelte die als gemeinnütziger Kunstverein der Generali Gruppe Österreich zur Förderung zeitgenössischer bildender Kunst gegründete Generali Foundation in den Habig-Hof und verblieb an diesen Standort 2015. Das Verkaufsgeschäft wurde in ein Haubenlokal umgewandelt. Die Erbin Barbara Habig führt eine kleine Manufaktur weiter, in der sie Hüte als Modeaccessoires kreiert.

Quellen

Literatur

  • Arbeiter-Zeitung, 26. November 1963.
  • R. Granichstaedten-Cerva/J. Mentschl/G. Otruba: Altösterreichische Unternehmer. 110 Lebensbilder. Wien: Bergland Verlag 1969, S. 47-50.
  • Die Gross-Industrie Oesterreichs. Festgabe zum glorreichen fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. dargebracht von den Industriellen Oesterreichs 1898, Bd. 4, Wien: Leopold Weiss 1898, S. 443-446.
  • Hutgeschäft auf Haubenkurs? In: falter 46/96.
  • Österreichisch-ungarische Hutmacher-Zeitung (Österreichische Hut-Zeitung). Jg. 33, Nr. 2, 15.1.1916; Jg. 54, Nr. 6, 25. Juli 1937, S. 1-2.
  • Inge Santner: Man trägt wieder Zylinder. Der Welt einziger Seidenröhren-Fabrikant meldet Rekordumsätze. In: Weltwoche, 10. August 1977, Nr. 32, S. 41.