Otto Reisch

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Daten zur Person

Otto Reisch, * 23. Oktober 1891 Linz, † 1977 Innsbruck, Psychiater, NS-Aktivist.

Biografie

Otto Reisch studierte nach der Matura an einem Linzer Gymnasium zunächst Musik und meldete sich 1914 freiwillig zum Dienst im Ersten Weltkrieg. 1918 inskribierte er Medizin an der Universität Innsbruck, an der er 1924 zum Dr. med. promovierte. Bereits während seines Studiums wirkte er als Demonstrator am Anatomischen Institut. Von 1924 bis 1926 war er Stipendiat der Rockefeller-Stiftung, danach war er als Assistenzarzt am Physiologischen Institut sowie an der Psychologisch-neurologischen Universitätsklinik in Innsbruck tätig. Der engagierte Nationalsozialist - unter anderem war er Mitglied der illegalen Landesleitung der Tiroler NSDAP - wurde 1936 wegen seiner politischen Betätigung entlassen und ging nach Berlin, wo er als "politischer Flüchtling" anerkannt wurde und als Oberarzt der Neurologischen Abteilung am Robert-Koch-Krankenhaus Arbeit fand. Ab 1936 gehörte er auch der SS an.

Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 wurde er in Wien mit dem Umbau des städtischen Gesundheitssystems beauftragt. Von 1939 bis 1940 fungierte er als Leiter der Hauptabteilung für Gesundheitswesen, was annähernd der Position eines Amtsführenden Stadtrats entsprach. In diesem Rahmen war Reisch auch für die "Säuberung" der städtischen Gesundheitseinrichtungen aus "rassischen" oder politischen Gründen verantwortlich. 1940 wurde er zum Vorstand der Psychiatrisch-neurologischen Universitätsklinik an die Universität Graz berufen und außerordentlicher Universitätsprofessor. Zudem war er als Gutachter im Rahmen der Euthanasieaktion "T4" tätig sowie Mitglied des Erbgesundheitsobergerichts für Steiermark und Kärnten.

1945 seiner Funktionen enthoben, kehrte er nach Innsbruck zurück, wo er als niedergelassener Neurologe und Psychiater tätig blieb. Er blieb für seine Tätigkeit im Rahmen der NS-Medizin strafrechtlich unbehelligt.

Literatur

Weblinks