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Neue Freie Presse

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Pavillon der Neuen Freien Presse auf der Weltausstellung 1873 in Wien
Daten zur Organisation
Art der OrganisationArt der Organisation Zeitung
Datum vonDatum (oder Jahr) von 1. September 1864
Datum bisDatum (oder Jahr) bis 1. Februar 1939
Benannt nach
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GNDGemeindsame Normdatei
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RessourceUrsprüngliche Ressource  Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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BildnameName des Bildes Neue Freie Presse.jpg
BildunterschriftInformation, die unterhalb des Bildes angezeigt werden soll Pavillon der Neuen Freien Presse auf der Weltausstellung 1873 in Wien

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Neue Freie Presse. Die Zeitung wurde für die österreichische Publizistik höchste Bedeutung und entwickelte sich zum angesehenen Weltblatt mit liberaler Grundtendenz.

Zeit der Monarchie

Gegründet wurde die Neue Freie Presse am 1. September 1864 durch Michael Etienne und Max Friedländer in Konkurrenz zur "Presse" mit einer Anfangsauflage von 10.000 Exemplaren, die sich laufend steigerte: 1867 18.000 (bereits höher als Die Presse), 1870 25.000, 1890 40.000 und 1901 55.000 Exemplare. Parallel dazu stieg der Umfang (70er Jahre 12-18, 80er Jahre 16-30 Seiten, Sonntagsausgaben 50-80 Seiten). Während sich die Neue Freie Presse sprachlich und stilistisch von der "Presse" nur geringfügig unterschied, gab es Bereicherungen beim Feuilleton (in das auch Reiseberichte und deutsche Originalromane einbezogen wurden) und beim politischen Leitartikel (in den Moriz Benedikt Wirtschaft und Kultur einbezog), eine stärkere Gewichtung des Nachrichtenteils, einen (besonders in der Gründerzeit zur Entfaltung kommenden) Wirtschaftsteil („Economist") und (während des Ersten Weltkriegs) eine „Militärzeitung"; hingegen blieben Lokal- und Gerichtssaalberichterstattung ebenso untergeordnet wie der Sport (ausgenommen Gesellschaftsnachrichten in der Rubrik „Kleine Chronik" und, ab 1908, Automobilsport). Unter Benedikt, einem äußerst produktiven und fanatischen Journalisten, wurde die Neue Freie Presse zur einflussreichsten österreichischen Zeitung, die selbst jene abonnierten, die sich mit ihrem Inhalt nicht völlig identifizierten. Neben ihm, der es durch seine Leitartikel sogar vermochte, die österreichische Politik zu beeinflussen (so schreibt man ihm die Ablehnung der Wahlreform Taaffes zu, mit der dieser aus dem Sattel gehoben wurde), gehörten drei Kritiker zu den namhaftesten Mitarbeitern der Neuen Freien Presse: Eduard Hanslick (der allerdings vergebens gegen Richard Wagner, Anton Bruckner und Hugo Wolf auftrat), Ludwig Speidel (der besonders als Burgtheaterkritiker Bedeutung erlangte, jedoch so manches Fehlurteil traf [Ablehnung von Hauptmann und Ibsen]) und Hugo Wittmann. Das Wiener Lokalfeuilleton übernahm Daniel Spitzer, der ab 1873 seine „Wiener Spaziergänge" veröffentlichte. Feuilletonredakteur war lange Zeit Theodor Herzl, nach ihm Franz Servaes. Die Neue Freie Presse verstand es, fast alle führenden liberalen Politiker, Schriftsteller und Gelehrten des In- und Auslands zur (wenigstens gelegentlichen) Mitarbeit heranzuziehen. Sie war großbürgerlich-liberal, betont deutschfreundlich (beispielsweise Deutsch-Französischer Krieg) und eine Zeitlang offiziös (Haltung im Friedjung-Prozess), innenpolitisch zentralistisch (daher gegen den Ausgleich 1867), antiklerikal (Bekämpfung des Konkordats), für eine Reform des Wahlrechts (allerdings gegen den Entwurf von Taaffe) und sozial verständnisvoll (Anerkennung der sozialen Forderungen des Arbeiterstands). Die Neue Freie Presse erschien zweimal täglich.

Zeit der Republik

In ununterbrochener Erscheinungsweise kam die Neue Freie Presse bis 31. Jänner 1939 heraus; ab 1. September 1936 wurden die beiden Tagesausgaben durch ein boulevardmäßig gestaltetes Abendblatt ergänzt, das jedoch bereits am 30. September 1938 sein Erscheinen einstellte. Nach dem Tod von Moriz Benedikt 1921 ging das Blatt an seinen Sohn Dr. Ernst Martin Benedikt über, der auch die Chefredaktion übernahm. 1932 gingen die Aktien der Neuen Freien Presse an ein Konsortium über, dem der bisherige volkswirtschaftliche Redakteur Stefan von Müller angehörte. 1934 verkaufte Benedikt seine restlichen Aktien und verließ die Zeitung; Müller, der nun Chefredakteur wurde, veranlasste die Regierung unter Hinweis auf die schlechte finanzielle Lage der Neuen Freien Presse und die Gefahr, dass die Nationalsozialisten Einfluss gewinnen könnten, 40 %, später 90 % des Aktienkapitals zu erwerben, wodurch die Neue Freie Presse (ohne dass dies der Öffentlichkeit bewusst geworden wäre) offiziös wurde. Die inhaltliche Gestaltung änderte sich kaum; der Nachrichtenteil gewann das Übergewicht gegenüber dem Leitartikel, als Beilagen gab es die „Reisezeitung", eine Sport- und Jugendbeilage sowie die „Mitteleuropäische Wirtschaft". Zu den Mitarbeitern gehörten unter anderem Ernst Molden, Ernst Lothar, Wolfgang Korngold, Julian Sternberg und Paul Wertheimer. 1930 erreichte die Neue Freie Presse mit einer Wochentagsauflage von 78.000 ihre stärkste Verbreitung (1935: 60.000, 1938: 50.000). Am 1. Februar 1939 wurden die Neue Freie Presse und das - Neue Wiener Journal mit dem Neuen Wiener Tagblatt unter dem Titel des letzteren zusammengelegt.

Literatur

  • Kurt Paupié: Kurt Handbuch der Österreichischen Pressegeschichte 1848-1959. Band 1. Wien: Wilhelm Braumüller 1960, S. 144 ff.
  • Gabriele Melischek/Josef Seethaler [Hg.]: Die Wiener Tageszeitungen. Eine Dokumentation, Band 3: 1918-1938. Frankfurt/Main [u.a.]: Lang 1992, S. 138 ff.