Mädchengymnasium
Das erste deutschsprachige Mädchengymnasium (amtliche Bezeichnung "Gymnasiale Mädchenschule") innerhalb der Grenzen der k. k. Monarchie wurde 1892 in Wien gegründet und bestand bis 1938. Diese wegweisende Bildungseinrichtung bereitete Mädchen auf Matura und Universitätsbesuch vor.
Bis ins späte 19. Jahrhundert war höhere Bildung für Mädchen nicht üblich und meist auf informelle Bildungsangebote beschränkt. Nur wenigen Mädchen wurde Hausunterricht erteilt oder der Besuch privater Schulen mit speziellen „Lehrplänen für das weibliche Geschlecht“ ermöglicht (siehe Mädchenschulen).
Der Kampf um Gleichstellung
Frauenvereine hatten jahrzehntelang für das Recht auf gleichberechtigte akademische Bildung gekämpft. Da staatliche Stellen jedoch zögerten, Knabengymnasien generell für Mädchen zu öffnen oder staatliche Mädchengymnasien zu schaffen, wurde das Mädchengymnasium vom „Verein für erweiterte Frauenbildung“ gegen erhebliche Widerstände privat finanziert und betrieben.
Marianne Hainisch gehörte dabei zu den treibenden Kräften. Sie forderte gleiche Startbedingungen für Mädchen und Buben, um Theorien über angebliche Unterschiede der geistigen Fähigkeiten praktisch zu widerlegen.
Seitens der Behörden wurde der neu gegründeten Schule die Benennung Mädchengymnasium untersagt. Stattdessen wurde die amtliche Bezeichnung "Gymnasiale Mädchenschule" vorgeschrieben – ein Ausdruck, der deutlich macht, dass eine Gleichstellung mit Knabengymnasien nicht intendiert war.
Öffnung der akademischen Berufe für Frauen
Der Lehrplan der Gymnasialen Mädchenschule orientierte sich jedoch bewusst an den bestehenden Gymnasien für Knaben, um gleiche akademische Standards sicherzustellen. Das Mädchengymnasium spielte somit eine zentrale Rolle bei der Öffnung der Universitäten und der akademischen Berufe für Frauen und leistete einen wesentlichen Beitrag zur Gleichstellung im Bildungswesen.
Unter den ersten Frauen, die nach Beginn der Öffnung der Universitäten für Frauen 1897 ein Studium abschlossen, befinden sich zahlreiche Absolventinnen des Mädchengymnasiums (siehe Frauenstudium).
Orte
Von 1892 bis 1905 konnte die Schule in Wien, Hegelgasse 12, einige Räume des Pädagogiums mitbenutzen. Von 1905 bis 1910 waren die Räumlichkeiten in der Hegelgasse 19 untergebracht, ab 1910 in der Rahlgasse 4.
Quellen
Die historischen Schülerkataloge der Institution werden im Archiv des Bundesgymnasiums und Bundesrealgymnasiums Rahlgasse in Wien verwahrt.
Literatur
- Margret Friedrich: "Ein Paradies ist uns verschlossen...". Zur Geschichte der schulischen Mädchenerziehung in Österreich im "langen" 19. Jahrhundert. Wien: Böhlau 1999 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs, Band 089).
