Lichtermeer 1993

Aus Wien Geschichte Wiki
Wechseln zu:Navigation, Suche
Flyer und Anstecker als Werbematerial für das Lichtermeer 1993 aus der Sammlung der Wienbibliothek im Rathaus
Daten zum Ereignis

Das Lichtermeer war die bislang größte Demonstration der Zweiten Republik.

Das Lichtermeer

Am 23. Jänner 1993 gingen zwischen 250.000 und 300.000 Menschen auf die Straße, um ein Zeichen gegen den seit den 1980er Jahren in Österreich aufkommenden Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung zu setzen. Als zentrale Forderungen wurden Menschlichkeit, Solidarität und Menschenrechte proklamiert. Unmittelbarer Anlass war das von der FPÖ initiierte Volksbegehren "Österreich zuerst".

Organisiert wurde die Großdemonstration von der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch, die am 10. Dezember 1992 gegründet worden war. Eine breite Allianz von zivilgesellschaftlichen, politischen und religiösen Gruppen – darunter Flüchtlingsorganisationen, ÖH, Gewerkschaften, SPÖ, Grüne, KPÖ, ÖVP – sowie einzelne Künstler*innen und Intellektuelle unterstützten das Lichtermeer.

Eine nicht verwendete Fackel vom Lichtermeer 1993 aus der Sammlung der Wienbibliothek im Rathaus

Die Kundmachung stand als Anspielung auf das Volksbegehren "Österreich zuerst" unter dem Motto "Anständigkeit zuerst". Verschiedene Gruppen zogen ab 17 Uhr etwa vom Rathausplatz und vom Stephansplatz über den Ring zum Heldenplatz, wo um 18 Uhr die Abschlusskundgebung stattfand. Diese moderierten Maria Bill und André Heller. Als Redner*innen traten etwa Paul Chaim Eisenberg, Viktor Klima, Franz König, Ingrid Korosec, Fritz Neugebauer, Maria Rauch-Kallat, Willi Resetarits und Rudolf Scholten auf. Ähnlich den Lichterketten in Deutschland 1992/1993 trugen die Demonstrierenden Kerzen und Fackeln.

In den anderen Landeshauptstädten wurden ähnliche Veranstaltungen abgehalten.

Weitere Entwicklungen

Das zwei Tage später anlaufende Volksbegehren (Eintragungszeitraum: 25. Jänner bis 1. Februar 1993) – aufgrund seiner Forderungen auch als "Anti-Ausländer-Volksbegehren" bezeichnet – unterschrieben 7,35 Prozent aller Stimmbeteiligten (416.531 Unterschriften), womit es die von der FPÖ angepeilten 1 Million Unterschriften verfehlte. Bemessen an der Unterschriftenzahl belegt es im österreichischen Volksbegehren-Ranking Platz 18 (Stand: Juni 2025).

Am 4. Februar gründete sich nach dem Austritt von fünf FPÖ-Abgeordneten, die den ausländerfeindlichen Kurs der Partei nicht mittragen wollten, das Liberale Forum.

Video

Quellen

Literatur

Weblinks