Leopold Breitenecker
Leopold Breitenecker, * 14. April 1902 Perchtoldsdorf, † 22. November 1981 Wien, Pathologe, Gerichtsmediziner.
Biografie
Leopold Breitenecker studierte Medizin an der Universität Wien und wirkte schon während des Studiums in der Prosektur der Wiener Allgemeinen Poliklinik unter dem Pathologen Carl Sternberg. Nach der Promotion zum Dr. med. 1928 ging er für ein halbes Jahr zum Studium der Knochenpathologie nach Innsbruck und kam Ende 1929 als Assistent zu Sternberg zurück.
1930 holte ihn der Gerichtsmediziner Albin Haberda ans Wiener Institut, wo er sich 1939 habilitieren konnte und 1944 den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors erlangte. Der Arzt war bereits 1933 der NSDAP beigetreten und arbeitete nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 im Rassenpolitischen Amt der Gauleitung Wien mit, hielt rassen- und erbkundliche Schulungen für die Hitlerjugend und fungierte zwischen 1941 und 1945 als sehr aktiver ärztlicher Beisitzer am Erbgesundheitsgericht Wien. Als Gerichtsmediziner arbeitete er eng mit der Gestapo zusammen.
1945 als Nationalsozialist vom Dienst suspendiert, leitete Breitenecker von 1946 bis 1953 die Prosektur des Allgemeinen Krankenhauses Wiener Neustadt und wirkte im dortigen Kreisgerichtsbezirk als Gerichtsmediziner. Danach war er wieder als Dozent und ab 1956 als außerordentlicher Universitätsprofessor an der Universität Wien tätig. 1957 übernahm er als Sektionschef die Leitung des Volksgesundheitsamts im Bundesministerium für Soziale Verwaltung, von 1959 bis 1972 leitete er als Ordinarius das Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Wien als Nachfolger Walther Schwarzachers. Durch seine Initiative konnte bald der Institutsneubau realisiert werden. Von 1964 bis 1966 war er zudem Dekan der medizinischen Fakultät.
Breiteneckers über 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen befassen sich unter anderem mit der Pathologie des plötzlichen beziehungsweise gewaltsamen Todes, mit der Kohlenoxyd- und Alkoholintoxikation und den ärztlichen Kunstfehlern. Als Gerichtsgutachter hatte er hohes Ansehen. So konnte er Fälle von Fehlgutachten aufklären und Freisprüche nach mehrjähriger Haft erwirken. Als Gutachter in einem Euthanasieprozess klassifizierte er den Mord in Gaskammern als "eine der humansten Tötungsarten überhaupt".
Der Gerichtsmediziner war Mitglied des Obersten Sanitätsrats, des Wiener Landessanitätsrats und zahlreicher medizinischer Gesellschaften. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen der Republik Österreich und der Stadt Wien, darunter den Ehrenring der Stadt Wien als deren dritthöchste Auszeichnung.
Quellen
Literatur
- Wiener klinische Wochenschrift 95 (1983), S. 59 f.
- Mitteilungen der Ärztekammer Wien 3 (1982)
- Das Studienjahr 1981/1982. Hg.: Universitätsdirektion der Universität Wien. Wien 1981, S. 97 ff.
- [Joseph] Kürschners deutscher Gelehrtenkalender. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. Berlin: de Gruyter / München: Saur 1925 - lfd.
Leopold Breitenecker im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.
