Leo Santifaller

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Leo Santifaller unterrichtet Paläographie. Hörsaal des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, 1950er Jahre
Daten zur Person

Leo Santifaller, * 24. Juli 1890 Kastelruth (Lafayhof östlich des Orts), Südtirol (Italien), † 5. September 1974 Wien, Historiker.

Biografie

Leo Santifaller war der Sohn des Notars Michael Santifaller. Er kam 1908 nach Wien, studierte an der Universität Wien Mathematik und Physik, ab 1911 jedoch an den Universitäten Freiburg im Breisgau, Innsbruck und Wien Geschichte (Dr. phil. 1919 Wien, Staatsprüfung am Institut für Österreichische Geschichtsforschung 1921). Er heiratete Berta Richter, die Tochter des Grazer Geographen Eduard Richter.

1921 war Santifaller Bibliothekar im Institut für Österreichische Geschichtsforschung, von 1921 bis 1926 Leiter des Staatsarchivs Bozen und des Kunstamts in Bozen. Nach seiner Habilitation (1928 Berlin) war Santifaller von 1929 bis 1943 Ordinarius an der Universität Breslau, ab 1943 Mitarbeiter an den Monumenta Germaniae Historica und ordentlicher Professor für historische Hilfswissenschaften und Geschichte des Mittelalters an der Universität Wien. 1945 wurde Santifaller Vorstand des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung (bis 1962) und Leiter der Diplomata-Abteilung der Monumenta Germaniae Historica, außerdem Leiter des Österreichischen Staatsarchivs (1948 Gründung der "Mitteilungen des österreichischen Staatsarchivs" [MÖStA]).

Von 1956 bis 1964 war er auch wissenschaftlicher Direktor des österreichischen Kulturinstituts in Rom. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten spezialisierte sich Santifaller auf Paläographie, Urkundenlehre und Verfassungsgeschichte sowie Papsturkunden und das Reichskirchensystem. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen.

Santifaller war korrespondierendes (1943) und wirkliches Mitglied (1945) der Akademie der Wissenschaften und Leiter zahlreicher akademischer Kommissionen, darunter die Historische Kommission (ab 1945), die Kommission zur Herausgabe des Österreichischen Biographischen Lexikons (Mitbegründer; ab 1946), die Weistümer- und Urbarkommission (von 1946 bis 1972), die Mittelalterforschung (von 1948 bis 1969) sowie Mitarbeiter in weiteren 23 Kommissionen. Er war Ehrenmitglied verschiedener wissenschaftlicher Vereinigungen. Santifaller erhielt das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich (1955), die Ehrenmedaille in Gold (1960), das Komturkreuz mit Stern des päpstlichen Ordens des heiligen Gregor (1960), das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1961), das Große Ehrenzeichen des Landes Burgenland (1963), das Große Verdienstkreuz, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (1963), den Wilhelm-Hartel-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (1970) und war Ehrenmitglied des Verbands der österreichischen Archivare. Die "Leo-Santifaller-Schule" in Kastelruth und die Santifallerstraße sind nach ihm benannt.

Literatur

  • Wolfgang Weber: Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Lehrstuhlinhaber für Geschichte von den Anfängen des Faches bis 1970. Frankfurt/Main [u.a.]: Lang 1984
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften: Almanach. Band 125. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1975, S. 478 ff. (Nachruf von Harald Zimmermann)
  • Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Wien/München: Oldenbourg / Wien/Graz/Köln: Böhlau / Innsbruck: Wagner 1880 - lfd. Band 82, 1974, S. 556 ff. (Nachruf von Heinrich Appell)
  • Scrinium. Zeitschrift des Verbandes österreichischer Archivare 10 (1974), S. 21 ff.
  • Rathaus-Korrespondenz, 22.07.1965; 23.07.1970; 05.09.1974
  • Römische Historische Mitteilungen 12 (1970), S. 23-42
  • Scrinium. Zeitschrift des Verbandes österreichischer Archivare 3 (1970), S. 3 ff.
  • Nikolaus Grass [Hg.]: Österreichische Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Band 2. Innsbruck: Wagner 1951, S. 163 ff. (Selbstbiographie)
  • Richard Meister: Geschichte der Akademie der Wissenschaften in Wien 1847-1947. Wien: Holzhausen 1947
  • Hermann A. Ludwig Degener: Wer ist wer. Unsere Zeitgenossen. Zeitgenossenlexikon enthaltend Biographien nebst Bibliographien. Angaben über Herkunft, Familie, Lebenslauf, Werke, Lieblingsbeschäftigungen, Parteiangehörigkeit, Mitgliedschaft bei Gesellschaften, Adresse. Andere Mitteilungen von allgemeinem Interesse. Berlin-Grunewald: Arani-Verlag 1905-1958


Leo Santifaller im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.