Kurt Reidemeister

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Kurt Reidemeister
Daten zur Person

Kurt Reidemeister, * 13. Oktober 1893 Braunschweig, † 8. Juli 1972 Göttingen, Mathematiker.

Biografie

Kurt Reidemeister war ein deutscher Mathematiker, der in Wien als Extraordinarius für Geometrie lehrte und „Gründungsmitglied“ des Wiener Kreises war.

Kurt Reidemeister wurde am 13. Oktober 1893 in Braunschweig geboren. Seine Schwester Marie wurde die dritte Ehefrau von Otto Neurath. Er studierte zunächst Mathematik, ab 1911 dann Philosophie und Mathematik in Freiburg im Breisgau. Während des Ersten Weltkriegs absolvierte er von 1914 bis 1918 seinen Kriegsdienst, danach setzte er seine Studien in München, Marburg und Göttingen fort. 1920 erreichte er das Staatsexamen für das Lehramt für Mathematik, Philosophie, Chemie, Geologie und Physik. Ein Jahr später promovierte Reidemeister in Hamburg mit der Arbeit „Über die Relativ-Klassenzahl gewisser relativ-quadratischer Zahlkörper“, danach wechselte er zur Differentialgeometrie.

1922 folgte er dem Ruf nach Wien (auf Anregung von Hans Hahn) als Extraordinarius für Geometrie. Dort betrieb er mit Hans Hahn und Moritz Schlick die Lektüre von Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein: Im Herbst 1924 hielt er einen wichtigen Vortrag über den Tractatus logico-philosophicus und er leitete mit Hahn ein Seminar über Russells und Whiteheads Principia Mathematica. Reidemeister fungierte als „Gründungsmitglied“ des Wiener Kreises.

1925 wechselte Reidemeister als ordentlicher Professor nach Königsberg, wo er 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zunächst entlassen wurde – nach Protesten wurde er 1934 wieder als ordentlicher Professor in Marburg eingesetzt, wo er bis 1954 tätig war, mit einer Unterbrechung in Princeton 1948 bis 1950.

Von 1955 bis 1961 arbeitete er als ordentlicher Professor in Göttingen, wo er auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften wurde. Seit 1965 fungierte er als korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Reidemeister war Mitherausgeber der Mathematischen Annalen und des Studium Generale. Neben seiner intensiven Beschäftigung mit der Knotentheorie forschte er zu den Grundlagen der Geometrie und zur kombinatorischen Topologie. Er definierte die später Reidemeister-Torsion genannte topologische Invariante, mit der man erstmals homotopieäquivalente nicht homöomorphe Mannigfaltigkeiten unterscheiden konnte.

Kurt Reidemeister starb am 8. Juli 1972 in Göttingen.

Literatur

  • Christoph Limbeck-Lilienau / Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Texte und Bilder zum Ursprung des Logischen Empirismus. Wien: LIT Verlag 2015
  • Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Ursprung, Entwicklung und Wirkung des Logischen Empirismus im Kontext. Überarbeitete Auflage. Cham: Springer 2015 (Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis, 20) [1. Aufl. 1997]

Weblinks