Karl Mayrhofer

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Daten zur Person

Karl Mayrhofer, * 24. März 1899 Kastelruth (Südtirol), † 24. Juli 1969 Wien, Mathematiker.

Biografie

Karl Mayrhofer wurde als Sohn eines Südtiroler Gendarmeriewachtmeisters geboren. Er wuchs in Innsbruck auf, wo sich sein Vater Anton Mayrhofer bis zum Kanzlei-Oberdirektor und Sekretär des Tiroler Bauernbundes hocharbeitete. Dort studierte er Mathematik und Physik (Dr. phil. 1922, Lehramtsprüfung 1923). Mayrhofer erweiterte seine Fachausbildung in München und war von 1923 bis 1927 außerordentlicher Assistent am Ersten Physikalischen Institut der Technischen Hochschule Wien. Nach der Habilitation (1927) in Mathematik ging er mittels eines Rockefeller-Stipendiums im Studienjahr 1927/1928 nach Hamburg zu Wilhelm Blaschke. Dort entwickelte er einen topologischen Satz, der von Kurt Reidemeister weiter entwickelt und als "Satz von Maryrhofer und Reidemeister" bekannt wurde. Im Studienjahr 1928/1929 war Mayrhofer in Tübingen bei Konrad Knopp (1928 Übertragung der Lehrbefugnis für Mathematik von der Technischen Hochschule Wien auf die Universität Tübingen). Nach seiner Rückkehr (1929) erhielt er auf Ansuchen die venia legendi für das Gesamtgebiet der Mathematik an der Universität Wien, wo ihn Wilhelm Wirtinger unterstütze. 1935 wurde er außerordentlicher Professor, 1936 erhielt er in Nachfolge Wirtingers eine ordentliche Professur. Als Ordinarius war er im Vorstand des Mathematischen Instituts und Mitherausgeber der "Monatshefte für Mathematik und Physik".

Mayrhofers Berufung als Nachfolger von Wilhelm Wirtinger war stark umstritten. Wie Wolfgang A. F. Ruppert und Peter W. Michor herausarbeiten, setzte sich Moritz Schlick in der Berufungskommission vergeblich für Karl Menger ein. Schließlich wurde "der mathematisch achtbare, aber die Brillanz Wirtingers oder Mengers bei weitem nicht erreichende Karl Mayrhofer zum Nachfolger Wirtingers".[1] Dass das Ministerium unter Kurt Schuschnigg oder illegale nationalsozialistische Beziehungen bei der Berufung auch eine Rolle spielten, ist laut der Untersuchung von Ruppert und Michor nicht ausgeschlossen. Diese seien aber wahrscheinlich nicht maßgeblich gewesen.

Ab 1934 war Mayrhofer Mitglied der Vaterländischen Front. Ab 1937 war er im NS-Lehrerbund, im NS-Dozentenbund, der NS-Volkswohlfahrt und im Reichslehrerbund. Zwischen 1934 und 1936 hatte er der NSDAP Geld gespendet. Die Parteimitgliedschaft folgte kurz nach dem "Anschluss". Das Eintrittsdatum vom 1. Mai 1938 ist vermutlich rückdatiert. Mayerhofers Mitgliedsnummer gehört zum Nummernblock, der für österreichische "Altparteigenossen" reserviert war. Laut den Regeln der Entnazifizierungskommissionen galt er somit als illegales Parteimitglied während der Verbotszeit (1933 bis 1938). Ab 1938 leitete Mayrhofer mit Anton Huber das Mathematische Institut der Universität Wien. Zwischen 1941 und 1945 soll er den Vorsitz der Mathematischen Gesellschaft in Wien gehabt haben, die zwischen dem "Anschluss" 1938 und 1945 jedoch nicht aktiv war. Mayrhofer war während des Zweiten Weltkriegs unabkömmlich gestellt.

1945 wurde Mayrhofer wegen seiner illegalen Tätigkeit für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) (ab 1937) in den Ruhestand versetzt. Er lebte nach dem Zweiten Weltkrieg in Bad Goisern (Oberösterreich) und hielt ab 1947 an der Volkshochschule Linz sowie ab 1951 im Rahmen des "Technischen Studiums der Stadt Linz" Vorlesungen. 1952 erschien das Werk "Inhalt und Maß". Auf dieses Thema hatte er sich nach dem Krieg konzentriert. Auf Ansuchen erteilte ihm die Universität Wien 1954 neuerlich die 1945 aberkannte Lehrbefugnis, 1956 nahm er seine Vorlesungstätigkeit als Privatdozent auf. 1957 wurde er wieder zum ordentlichen Professor ernannt und Mitvorstand am Mathematischen Institut.

Mayrhofer war korrespondierendes (1937) und wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften (1941). Nachdem Mayrhofers Mitgliedschaft 1945 "für erloschen erklärt"[2] worden war, schien er aufgrund des Amnestiegesetzes vom April 1948 im selben Jahr wieder als Mitglied auf. Mayrhofer war mit Herta Eveline Kefer verheiratet (1927).

Literatur

  • Wolfgang A. F. Ruppert / Peter W. Michor: Mathematik in Österreich und die NS-Zeit. 176 Kurzbiographien. Berlin: Springer Spektrum 2023
  • Johannes Feichtinger / Herbert Matis / Stefan Sienell / Heidemarie Uhl (Hg.): Die Akademie der Wissenschaften in Wien 1938 bis 1945. Katalog zur Ausstellung. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2013
  • Rudolf Einhorn: Vertreter der Mathematik und Geometrie an den Wiener Hochschulen 1900-1940. Diss. Techn. Univ. Wien. Wien 1983, S. 264 ff. (Behandlung seiner wissenschaftlicher Schwerpunkte)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften: Almanach. Band 120. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1970, S. 294

Referenzen

  1. Wolfgang A. F. Ruppert / Peter W. Michor: Mathematik in Österreich und die NS-Zeit. 176 Kurzbiographien. Berlin: Springer Spektrum, 2023, S. 339
  2. Johannes Feichtinger / Herbert Matis / Stefan Sienell / Heidemarie Uhl (Hg.): Die Akademie der Wissenschaften in Wien 1938 bis 1945. Katalog zur Ausstellung. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2013, S. 232