Karl Böhm-Böhmersheim
Für weitere Bedeutungen siehe Karl Böhm (Begriffsklärung).
Karl Böhm (1891 Edler von Böhmersheim), * 26. Oktober 1827 Horowitz, Böhmen (Hořovice, Tschechien), † 27. Mai 1902 Mödling, Militärarzt, Chirurg.
Biografie
Nach dem Gymnasium in Pilsen (Plzeň, Tschechien) und Kursen an den Universitäten Prag nahm der aus Zentralböhmen stammende Sohn eines Amtmanns ein Studium der Medizin an der Universität Wien auf, das er 1851 mit der Promotion zum Dr. med. et chir. abschloss. Zu seinen Lehrern zählten Josef Skoda, Carl von Rokitansky, Franz Pitha und [[Franz Schuh (Arzt)|Franz Schuh. Danach wirkte er als Militärarzt, unter anderem als Chefarzt des Miltärspitals in Trient (Trento, Italien) und später in Verona.
Ab 1853 war der Mediziner als Assistent der chirurgischen und chemischen Lehrkanzel am Josephinum tätig, wo er 1859 als zum Dozenten der theoretischen Chirurgie, Instrumenten-Bandagenlehre und Zahnheilkunde avancierte. Darüber hinaus leitete er ab 1859 die Chirurgischen Abteilung des Garnisonsspitals Nr. 1. Nach Habilitation für Chirurgie an der Universität Wien (1861) wurde Böhm-Böhmersheim 1864 außerordentlicher Universitätsprofessor für klinische Chirurgie am Josephinum und Mitglied des Militärsanitätskomitees.
1865 schied er aus dem Militärverband aus und übernahm zunächst die I. Chirurgische, später die Gynäkologische Abteilung der Rudolfstiftung, wurde in weiterer Folge provisorischer und ab 1870 definitiver Direktor dieser Anstalt. Von 1887 bis 1896 fungierte Böhm als Direktor des Allgemeinen Krankenhauses. Unter seiner Leitung wurden zusätzliche Operationsräume geschaffen, der Medikamenten-Einkauf in Eigenregie übernommen und die hygienischen Standards, insbesondere im Bereich der Desinfektion, weiter verbessert. Ab 1897 gehörte er dem Obersten Sanitätsrat an.
Schwerpunkte seiner medizinischen Forschung waren die Therapie von Knochenbrüchen, die Transportfähigkeit von Patientinnen und Patienten oder die operative Behandlung von Gebärmuttervorfällen. Auch an technischen Fragen sehr interessiert, erwarb sich Böhm besondere Verdienste um die Verbesserung der hygienischen Anlagen und der Ventilationssysteme in Spitälern und Großbauten des In- und Auslands (in Wien etwa der Rudolfstiftung, Spital der Israelitischen Kultusgemeinde, Gebäranstalt, Hofoper, Hofburgtheater, Hofmuseen). Weiters war er Mitbegründer der Photographischen Gesellschaft in Wien, in deren Vorstand er sich engagierte.
Für seine Verdienste wurde er unter anderem 1891 in den Adelsstand erhoben und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. (1889 Hofrat), einige Jahre auch Mitglied des Obersten Sanitätsrats. Orden der Eisernen Krone III. Klasse; Franz-Joseph-Orden.
Literatur
- Karl Heinz Tragl: Chronik der Wiener Krankenanstalten. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2007, S. 38
- Eduard Meder: Die Direktoren des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (2. Fortsetzung). In: Wiener Medizinische Wochenschrift 32/1935, S. 876 f.
- Agathon Wernich / August Hirsch: Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. Wien [u.a.]: Urban u. Schwarzenberg 1884-1888
- Julius Leopold Pagel [Hg.]: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin / Wien: Urban & Schwarzenberg 1901
- Salomon Kirchenberger: Lebensbilder hervorragender österreichisch-ungarischer Militär- und Marineärzte. Wien / Leipzig: Šafář 1913, S. 14 f.
- Mitteilungen des Wiener medizinischen Doktoren-Kollegiums 28 (1902), S. 76
