Joseph Dietl
Joseph (Józef) Dietl, * 24. Jänner 1804 Podbuż, Galizien (Pidbusch, Ukraine), † 18. Jänner 1878 Krakau, Arzt, Politiker.
Biografie
Joseph Dietl war der Sohn eines Provinzbeamten im Kronland Galizien, die Mutter stammte aus dem polnischen Adel. Nach dem Besuch verschiedener Schulen in Galizien absolvierte er 1821 bis 1823 eine philosophische Ausbildung an der Universität Lemberg, ehe er ein Studium der Medizin an der Universität Wien begann, das er 1829 mit der Promotion zum Dr. med. abschloss. Zu seinen Mitstudierenden zählten Carl von Rokitansky und Joseph Skoda, zu seinen Lehrern Johann Nepomuk Reimann.
Zunächst Assistent an der Lehrkanzel für Zoologie und Mineralogie an der Universität Wien erwarb er sich große Verdienste als Arzt während der Choleraepidemie von 1830. 1833 wurde er zum Bezirksarzt der Vorstadt Wieden berufen, 1841 zum Primarazt am Wiedner_Krankenhaus. Spätestens 1848 avancierte er zum Ärztlichen Direktor des Spitals.
1851 wechselte Dietl als Ordinarius an die Universität Krakau, wo er die Balneologie aufbaute und die Errichtung eines pathologischen Instituts initiierte. In den Jahren 1861/1862 fungierte er auch als Rektor der Hochschule. 1865 trat er in den Ruhestand, nachdem er sich schon vorher der Politik zugewandt hatte. Der Mediziner gehörte von 1861 bis 1867 dem galizischen Landtag und von 1861 bis 1865 dem Abgeordnetenhaus des Reichsrats an. Hier zählte er zu den Föderalisten und war Mitglied des Polenklubs. Von 1866 bis 1874 war er als Bürgermeister von Krakau tätig und ab 1869 gehörte er dem Herrenhaus des cisleithanischen Parlaments an.
Der Mediziner ist Autor zahlreicher medizinischer Fachbeiträge, etwa über die Wanderniere oder gegen den Aderlass. 1846 bereiste er verschiedene Länder Europas, um sich über die Organisation und Behandlungsmethoden zu informieren.
Literatur
- Karl Heinz Tragl: Chronik der Wiener Krankenanstalten. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2007, S. 224
