Johann Schrammel
Johann Baptist Schrammel, * 22. Mai 1850 Neulerchenfeld, † 17. Juni 1893 Wien, Komponist, Ensembleleiter, Geiger.
Biografie
Johann Schrammel war der Sohn der Handarbeiterin und späteren Sängerin Aloisia Ernst und des Klarinettisten Kaspar Schrammel. Die Eltern heirateten am 7. September 1853, am 2. Juni 1857 wurde Johann nachträglich als ehelicher Sohn legitimiert. Die Eltern versuchten ihren Unterhalt mit Musik zu verdienen, die Volkssängergesellschaft des Vaters musste aber halbjährlich um Bewilligung ansuchen.
Bereist als Kinder waren Johann und sein jüngerer Bruder Josef Schrammel Mitglieder im Neulerchenfelder Kirchenchor. Ab 1858 wurden die Brüder von Ernst Melzer, dem Primgeiger des Carl-Theaters, in Musik unterrichtet. Am 6. Jänner 1861 traten die Brüder mit ihrem Vater Kaspar und einem Verwandten im Gasthaus "Zum goldenen Stuck" auf. Aufgrund des errungenen Erfolgs wurden Johann am KonservatoriumSchüler von Georg Hellmesberger und später bei Carl Heissler. Kurzzeitig wurde er auch im Gesang unterrichtet. 1866 wurde er aber aus unbekannten Gründen vom Studium ausgeschlossen.
Schrammel wurde angeblich vorübergehend Geiger im Harmonietheater und im Theater in der Josefstadt, dann wandte er sich der Volksmusik zu. Von 1866 bis 1877 war Johann Schrammel bei der Militärmusik, zunächst im 2. Dragoner-Regiment, später beim Infanterie-Regiment 32, zuletzt bei der Reserve des Infanterie-Regiments 49. Bereits seit 17. September 1872 war Johann Schrammel mit der Wirtschafterin Rosalia Weichselberger (* 22. 3. 1852 ) verheiratet, mit der er dreizehn Kinder hatte. Neun von ihnen erreichten das Erwachsenenalter: Aloisia, Johann, Anton, Josef, Leopoldine, Anna, Franz, Rosalia, Rudolf.
Johann Schrammel spielte zunächst im Salonorchester Margold, da er nicht als Heurigenmusiker auftreten wollte. Da er mit der Salonmusik nur schwer sein Auslangen fand, schlossen sich die Schrammel-Brüder mit dem Gitarristen Anton Strohmayer zu dem "Nußdorfer Terzett bzw. D'Nußdorfer" zusammen. Gemeinsam traten sie in den Buschenschänken von Hernals und Ottakring, bei Etablissements wie Gschwandtner, Stalehner oder Mandl auf. Als sich ihnen Georg Dänzer mit der Klarinette anschloss, schlug die Geburtsstunde des Schrammel-Quartetts ("D'Schrammeln").
Eine Empfehlung Johann Strauss' öffnete ihnen die Türen zu den Salons des Bürgertums und der Aristokratie bis ins Kaiserhaus. Auch mit den "Natursängern", wie Josef Bratfisch, der Fiaker von Kronprinz Rudolf, traten sie auf und erhielten dafür eine eigene Lizenz. 1891 wurde die Klarinette, von den Zeitgenoss*innen nur "das picksüaße Hölzl" genannt, durch die chromatische Harmonika ersetzt, die im Schrammel-Quartett Anton Ernst übernahm.
Johann Schrammel war auch als Direktor der Singspielhalle und als Komponist aktiv. Zu seinen bekanntesten Kompositionen zählen "Wien bleibt Wien" (Marsch), "'s Herz von an echten Weana" (Walzerlied), "Mir san in Wien a Herz, a Sinn", "Weana Gmüat" (Walzer), "Der Nachwuchs" und "Nur aussa mit die tiafn Tön'". 1888 gab er das musikalische Werk "Alte österreichische Volksmelodien bis 1860" heraus. Seine Kompositionen erschienen bei Musikverlagen wie Spina, Gutmann, Lewy und Andre und er unternahm Konzertreisen nach Deutschland und viele Städte der Monarchie. Die Einladung zur Weltausstellung in Chicago 1892 konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen und auch viele andere Auftritte musste er absagen. Johann Schrammel starb am 17. Juni 1893 an einer Nierenentzündung.
Quellen
- Wienbibliothek im Rathaus: Sammlung Johann Schrammel
- Wienbibliothek Digital: Johann Schrammel
- Matricula Online: Taufbuch der Pfarre 16., Neulerchenfeld, Signatur: 01-20, folio 46
- Matricula Online: Sterbebuch der Pfarre 17., Hernals, Signatur: 03-40, folio 144
- Matricula Online: Trauungsbuch der Pfarre 16., Altottakring, Signatur: 02-10, folio 526
Literatur
- Monika Kornberger/Ernst Weber: Artikel "Schrammel, Familie". In: Oesterreichisches Musiklexikon online (letzte inhaltliche Änderung: 27.04.2023) [Stand: 10.07.2025]
- Trude Neuhold: Klingendes Hernals. Ausstellung im Bezirksmuseum Hernals 2015 [Stand 10.07.2025]
- Susanne Schedtler: Die Gebrüder Schrammel und ihre Musik (Foldertext für den Zyklus der Symphonia Schrammeln im Konzerthaus Wien, Saison 2009/2010, Programmheft Wiener Konzerthaus, Oktober 2009) [Stand 10.07.2025]
- Rathaus-Korrespondenz, 07.10.1992, 10.05.1993, 25.02.1994
- Gerhard Renner: Die Nachlässe in der Wiener Stadt- und Landesbibliothek. Wien 1993
- Vier Musiker aus der Vorstadt. Das Schrammel-Quartett. Katalog Bezirks Museum Hernals und Wiener Stadt- und Landesarchiv. Wien: Eigenverlag 1993
- Volksblatt Magazin, 18.06.1993, S. 3 ff.
- Helmut Kretschmer: Wiener Musikergedenkstätten. Wien: Jugend & Volk ²1990, S. 97 ff.
- Margarethe Egger: Die Schrammel in ihrer Zeit. Wien: Österr. Bundesverlag 1989
- Christian Brandstätter: Stadtchronik Wien. 2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien [u.a.]: Brandstätter 1986, S. 329
- Kurt Dieman: Das erste große Buch über die Brüder Johann und Josef Schrammel, ihr legendäres Quartett und ihre Musik. Graz: Ed. Kaleidoskop 1981
- Hans Hauenstein: Chronik des Wienerliedes. Klosterneuburg: Jasomirgott-Verlag 1976, S. 96 ff.
- Hugo Riemann: Riemann Musiklexikon. In drei Bänden. Personenteil L-Z. Mainz: Schott 1961
- H. Mailler: Schrammelquartett. Wien: Wiener Verl. 1943
- Rudolf Alexander Meißl: Die Schrammel-Dynastie. St. Pölten: St. Pöltner Zeitungs-Verl.-Ges. 1943
- ÖBL Österreichisches Biographisches Lexikon: Schrammel, Johann [Stand 10.07.2025]
- Austria-Forum: Schrammel Johann [Stand 10.07.2025]
Johann Schrammel im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.



