Isidor Fischer
Isidor Fischer, * 20. September 1868 Wien, † 13. Jänner 1943 Bristol, Großbritannien, Gynäkologe, Medizinhistoriker.
Biografie
Der Sohn des Pädagogen Albert Fischer nahm nach dem Besuch des Rainer-Realgymnasiums in Wien-Margareten ein Studium der Medizin an der Universität Wien auf, das er 1892 mit der Promotion zum Dr. med. univ. abschloss. Zunächst wirkte er als Sekundararzt am Allgemeinen Krankenhaus Wien und Operationszögling an der Klinik Chrobak, wo er eine Fachausbildung zum Gynäkologen absolvierte. Von 1897 bis 1921 war er Leiter des Frauen-Krankeninstituts des Vereins "Charité" im 9. Bezirk und unterhielt eine private Ordinnation.
Schon frühzeitig mit Forschungen zur Medizingeschichte beschäftigt, habilitierte sich Fischer in diesem Fach 1914 an der Wiener Universität als Privatdozent mit der Studie "Geschichte der Geburtshilfe in Wien". Fischer war seit 1896 Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien und übernahm dort 1921 die Funktion des Bibliothekars. Der Mediziner investierte viel Zeit in diese Tätigkeit und ordnete das historisch bedeutende Archiv der Gesellschaft. Er verfasste medizinhistorische Standardwerke, darunter das zweibändige "Biographische Lexikon der her hervorragenden Ärzte der letzten 50 Jahre" (1932/1933) sowie eine umfangreiche "Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Wien 1837-1937", die als Folge des "Anschlusses" Österreichs anonym erschien.
Als weitere Konsequenz der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich verlor der Gynäkologe seine Lehrbefugnis und musste im Herbst 1938 unter Zurücklassung seiner Ordination und umfangreichen Bibliothek fliehen. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre verarmt in Bristol, England.
Quellen
Literatur
- Hermann Zeitlhofer: Anonymisiert und Vertrieben. Isidor Fischer – Gynäkologe, Medizinhistoriker und Funktionär der Gesellschaft der Ärzte in Wien (Vergessene Größen der Wiener Medizin und ihre Beziehung zur Gesellschaft der Ärzte in Wien, 2) [Stand: 20.08.2025]
- Isidor Fischer (1868-1943): Vertrieben 1938. In: Van Swieten Blog, 17.04.2013 [Stand: 20.08.2025]
- Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte. Hg. von Franz Planer. Wien: F. Planer 1929
