Hofkonditorei Demel
48° 12' 31.06" N, 16° 22' 1.81" E zur Karte im Wien Kulturgut
Die bereits 1786 am Michaelerplatz gegründete und erfolgreich geführte Konditorei übernahm 1857 der Zuckerbäckergeselle Christoph Demel und verlegte sie am Kohlmarkt. An diesem Standort erlebte sie einen raschen Aufschwung. Nach dem Tod Christoph Demels erhielten seine Söhne den Titel Hoflieferanten verliehen. Nach 1888 befand sich die Konditorei auf ihrem heutigen Standort am Kohlmarkt 14. Die Konditorei verschaffte sich ihren besonderen Ruf durch das Catering von (Hof-)Festen und Bällen. Literarisch erhielt auch das weibliche Service-Personal, die "Demelerinnen", eine entsprechende Würdigung. Sie blieb bis 1972 im Besitz der Familie Demel. Die Konditorei zählt bis in die Gegenwart zu den bedeutendsten ihrer Art in Wien.
Aufstieg
Nachdem im Jahr 1786 der Zuckerbäckergehilfe Ludwig Dehne eine am Michaelerplatz gegenüber dem Alten Burgtheater eröffnete Konditorei etabliert hatte, blieb diese bis 1857 im Familienbesitz. Nach dem Tod von Ludwig Dehne 1799 führte seine Witwe Antonia mit ihrem zweiten Gatten das Geschäft. Danach führte Ludwig Dehnes Sohn August Dehne das Geschäft mit großem Erfolg, erwarb dabei ein großes Vermögen, doch dessen Sohn schlug einen anderen Berufsweg ein, sodass August Dehne 1857 an den Gesellen Christoph Demel den Betrieb verkaufte. Nach den Wirren des Jahres 1848 hatte der Betrieb einen geschäftlichen Niedergang erlebt. Christoph Demel verlegte die Konditorei in das Haus Kohlmarkt 18, sicherte dem Betrieb einen raschen Aufschwung und erlangte mit ihm bald internationalen Ruf. 1867 übergab Christoph Demel den Betrieb an seine beiden Söhne Söhne Josef und Karl sen. (1841-1891; Gattin Maria Griensteidl, † 1911); seither heißt die Firma "Christoph Demel's Söhne". Nach dem Abbruch des alten Burgtheaters (1888) und im Zuge der Umgestaltung des Michaelerplatzes übersiedelte die Konditorei ins Haus 1, Kohlmarkt 14, welches von den Hoflieferanten Portois & Fix elegant eingerichtet wurde.
Treffpunkt Demel
Josef und Karl Demel erlangten 1874 den Hoflieferantentitel. Die Konditorei belieferte den Wiener Hof bei Bällen und Festen, verlieh Tafelgerät und zum Teil auch Personal. Die Firma war auch sehr bemüht, Neuigkeiten der Zuckerbäckerkunst aus Paris zu übernehmen. Einen besonderen Ruf erwarb sich auch das weibliche Personal. Die "Demelinerinnen", wie die Servierdamen des Hauses wegen ihrer Kleidung in klösterlichem Schwarz bald genannt wurden, erlangten Berühmtheit; Helmut Qualtinger hat sich mit ihnen auch kabarettistisch beschäftigt. Der Demel wurde ein Treffpunkt der Wiener Aristokratie und des reichen Bürgertums. Nachdem Maria Demel 1891-1911 den Betrieb geführt hatte, ging er an ihren Sohn Karl junior über (1911-1917) und als dieser kinderlos starb, an seinen Bruder Christoph, der mit Anna, geborene Siding, verheiratet war (er ging der nach Scheidung nach Paris, wo er 1918 starb), die 1917-1956 das Geschäft mit steigendem Erfolg leitete. Unter Anna Demel wurden besondere von Künstlern gestaltete Verpackungen und Schachteldekorationen eingeführt. Der Ehemann von Anna Demels Nichte Klara Demel Friedrich von Berzeviczy sorgte für die künstlerische Umgestaltung der Innenräume. Nach Anna Demels Tod blieb die Konditorei noch ein knappes Jahrzehnt im Familienbesitz. Klara Berzeviczy starb 1965. Ihr Ehemann Friedrich Berzeviczy verkaufte 1972 den Betrieb.
Nachfolger
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Konditorei mit dem im Obergeschoß des Hauses begründeten "Club 45" und später mit der Person von Udo Proksch verbunden. Im ersten und zweiten Stock stehen Salons zur Verfügung, im dritten Stockwerk entstanden Büro-, im obersten Geschoß Wohnräume; jene Räume, in denen im vierten Stock Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert mit Darstellungen von Scheinarchitektur freigelegt wurden, gestaltete man zu Repräsentationsräumen. Der barocke Innenhof wurde freigelegt und wird (mit einer Glasdachkonstruktion versehen) als Schanigarten beziehungsweise Wintergarten der Konditorei genutzt.
1989-1993 besaß Günther Wichmann Haus und Konditorei. Ab den 1970er Jahren wurden grotesk-heitere Auslagendekorationen eingeführt. 1991 wurde "Christian Demel's Vis-á-vis" im Haus Kohlmarkt 11 eröffnet. Im Februar 1994 erwarb die Raiffeisenbank Wien die Liegenschaft Kohlmarkt 14 und führte umfangreiche Renovierungsarbeiten durch. Catering, Versand, Lager und Verpackung wurden in den 22. Bezirk abgesiedelt. Der "neue Demel" wurde am 18. April 1996 eröffnet. 2002 wurde der Demel vom Cateringunternehmen Do & Co übernommen.
Quellen
- Wiener Stadt- und Landesarchiv: Verzeichnis der Zuckerbäcker 1856-1858: Meister Christoph Demel und Lehrlinge https://wais.wien.gv.at/archive.xhtml?id=Stueck++f362757d-e1e3-42d8-bfdb-ecd9ba9b3002#Stueck__f362757d-e1e3-42d8-bfdb-ecd9ba9b3002
- Wiener Stadt- und Landesarchiv: Verlassenschaftsabhandlung nach Karl Demel https://www.intern.magwien.gv.at/actaproweb2/benutzung/archive.xhtml?id=Akt+++++1c8c5d2a-ff83-444b-a6c9-04b23b7cecd9VERA&parent_id=#Akt_____1c8c5d2a-ff83-444b-a6c9-04b23b7cecd9VERA
- Wienbibliothek digital: Partezettel von Carl Demel
- Wienbibliothek digital: Partezettel von Christoph Demel
- Wienbiblithek digital: Partezettel von Josef Demel
- Wiener Stadt- und Landesarchiv, Testament Josef Demel https://www.intern.magwien.gv.at/actaproweb2/benutzung/archive.xhtml?id=Stueck++214438e0-214f-436d-b613-f92ecb6eedd5VERA&parent_id=#Stueck__214438e0-214f-436d-b613-f92ecb6eedd5VERA
- Wiener Stadt- und Landesarchiv: Verlassenschaftsabhandlung nach Josef Demel https://www.intern.magwien.gv.at/actaproweb2/benutzung/archive.xhtml?id=Akt+++++63a31313-9883-42e6-91e8-2541af9200b4VERA&parent_id=#Akt_____63a31313-9883-42e6-91e8-2541af9200b4VERA
- Wienbibliothek digital: Partezettel von Josefine Demel
- Wienbibliothek digital: Partezettel von Karl Demel
- Wiener Stadt- und Landesarchiv, Testament Karl Demel https://www.intern.magwien.gv.at/actaproweb2/benutzung/archive.xhtml?id=Stueck++4ca6cf14-e207-43b0-9aa6-6f82f65cecd6VERA&parent_id=#Stueck__4ca6cf14-e207-43b0-9aa6-6f82f65cecd6VERA
- Wienbibliothek digital: Partezettel von Maria Demel
- Wienbibliothek digital: Partezettel von Marie Demel
Literatur
- Milan Dubrovic: Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés. Wien [u.a.]: Zsolnay 1985, S. 231 ff. (Die Demelinerinnen)
- Ingrid Haslinger: Kunde : Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k.u.k. Hofliefereanten, Wien: Anton Schroll (1997), 54 f.
- Gottfried Heindl: Wien. Brevier einer Stadt. Wien: Neff 1972, S. 87 ff.
- János Kalmár / Mella Waldstein: K. u. k. Hoflieferanten Wiens. Graz: Leopold Stocker Verlag, 2001, S.16
- Helmut Kretschmer: Der Demel in Wien, in: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1993. Band 48, S. 106 ff.
- Josef Mentschl / Gustav Otruba: Österreichische Industrielle und Bankiers. Wien: Bergland-Verlag 1965 (Österreich-Reihe, 279 / 281), S. 25 ff.

