Herold Verlagsanstalt
48° 10' 40.52" N, 16° 23' 40.73" E zur Karte im Wien Kulturgut
Im November 1893 eröffnete der politische Verein “Christliche Presse“ seine Vereinskanzlei in der Josefstädter Straße 14. Ziele des Vereins waren die Schaffung und Erhaltung eines christlichen Tagblattes “Die Reichspost“, die dort ihre Administration und Redaktion einrichtete. Offizin des Blattes war die an derselben Adresse befindliche Verlagsbuchdruckerei Ambrosius Opitz. Im Dezember 1895 übersiedelten Redaktion, Verwaltung, Expedition und Druckerei in die Strozzigasse 41, wo eine erste Rotationsdruckmaschine in Betrieb ging. 1912 wurde der Trägerverein “Herold“ gegründet. Für den Verein “Reichspost“ beantragte Viktor Kienböck 1913 einen Neubau in der Strozzigasse 8, wohin Verwaltung, Redaktion und Druckerei noch im selben Jahr übersiedelten. Der Verein “Reichspost“ bzw. “Herold“ wurde auch Inhaber der Buchhandlung und Buchdruckerei Ambosius Opitz Nachfolger.
Im Februar 1919 wurde die Verlagsanstalt Herold als Kommanditgesellschaft auf Aktien gegründet. Persönlich haftender Gesellschafter war der Verein “Herold“ (Obmann Franz Martin Schindler, Stellvertreter Friedrich Funder). Die Gesellschaft übernahm die Opitzsche Buchdruckerei und Buchhandlung sowie die “Reichspost“. Im eigenen Verlag erschienen außerdem vier Wochenblätter und 1929 “Das Kleine Volksblatt“, dessen Auflagezahl die der Reichspost bald überstieg. Gedruckt wurde es in einer durch Herold 1928 erworbenen zweiten Druckerei (in diesem Jahr erlitt das Gebäude in der Strozzigasse während der Julidemonstration Schäden) in der Bandgasse unter der Firma Albrecht Dürer GmbH. 1937 waren in der Herold Druckerei ca. 300 Arbeiter beschäftigt. Sie verfügte über zwei Rotationsmaschinen, eine Tiefdruck-Rotationsmaschine, eine Offsetmaschine, 15 Setzmaschinen und acht Buchbindereimaschinen. Die Herold KG war auch Eigentümerin des "Wiener Montagsblatts", das von 1894 bis 1943 bestand.
1938 wurde die “Reichspost“ stillgelegt, der Verein aufgelöst. Herold und Dürer wurden deutschen Verlagsgruppen einverleibt. 1945 trat an die Stelle der KG die Herold Druck und Verlags GesmbH, 1946 wurde Richard Schmitz Generaldirektor. 1976 übernahm die Erzdiözese Wien das gesamte Unternehmen. 1990 ging Herold Druck an die Industriegruppe von Josef Taus. 1992 wurde in der Faradaygasse ein Neubau für die Druckerei errichtet. Das Gebäude in der Strozzigasse 6-8 wich dem Friedrich Funder Studentenheim. Seit Anfang 1999 hat der Herold Verlag Beteiligung im Bogendruck und 2002 erfolgte eine Erweiterung durch eine COLORMAN Zeitungsdruckanlage und Übernahme und Ausbau des Tageszeitungsexpedits, ab 2007 wurden UV-Produkte (Semicommercials) und Kombinationsprodukte (z.B. Umschläge und Magazinteile in Zeitungen) gedruckt.
Bei Herold wurden Tages-, Wochen- sowie Monatszeitungen gedruckt: neben der Tageszeitung „Die Presse“ seit 2003 die „Wiener Zeitung“ (älteste Tageszeitung der Welt) und seit 2004 „Heute“ (erfolgreichste Gratis-Tageszeitung in Österreich). Die anhaltende Krise der gedruckten Medien erreichte schließlich auch Herold: Nach dem Ende der gedruckten "Wiener Zeitung" musste Ende 2023 der Betrieb eingestellt werden.
Quellen
Literatur
- Grazer Volksblatt, 14.11.1893
- Reichspost, 29.11.1893; 29.12.1895
- Der Bautechniker 33. Jg., Nr. 10 (7.3.1913)
- Compass, Finanzielles Jahrbuch (mehrere Jahrgänge)
- Anton Durstmüller: 500 Jahre Druck in Österreich: Die österreichischen graphischen Gewerbe zwischen 1918 und 1982. Wien: Hauptverband der Graphischen Unternehmungen Österreichs 1988.
- Andreas Resch: Das Geschäft mit Wort und Bild. Wirtschaftsgeschichte der Massenmedien und der Werbebranche in Wien. Wien: LIT 2008.
- Peter Melichar: Arisierung und Liquidierung im Papier- und Holzsektor, in: Ökonomie der Arisierung, Teil 2: Wirtschaftssektoren, Branchen, Falldarstellungen. Wien, München: Oldenbourg: 2004.
- APA: Herold Druck schließt nach Verlust von "Heute" und "Wiener Zeitung". Der Standard, 28.6.2023
