Heinrich von Neumann
Heinrich Neumann (Ritter von Héthárs), * 10. Juni 1873 Héthárs, Ungarn (Lipany, Slowakei), † 6. November 1939 New York, Otologe.
Biografie
Schon während seines Studiums an der Universität Wien, wo er 1898 (nach anderen Angaben: 1901) zum Dr. med. univ. promovierte, war Neumann Schüler des Otologen Adam Politzer geworden, an dessen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus er 1903 bis 1907 auch Assistent war. Nach seiner Habilitation 1907 (Verleihung des Titels eines außerordentlichen Universitätsprofessors 1911) übernahm er 1910 die Ohrenchirurgie im Krankenhaus der Wiener Kaufmannschaft und 1912 die Ohren-Abteilung im Kaiser-Franz-Joseph-Ambulatorium.
1919 avabcierte er zum Extraordinarius für Ohrenheilkunde an der Universität Wien sowie zum Vorstand der Universitäts-Ohrenklinik im Allgemeinen Krankenhaus in Nachfolge von Victor Urbantschitsch. Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 zunächst von den Nationalsozialisten inhaftiert und seiner Funktionen enthoben, konnte Neumann im Frühjahr 1939 nach New York emigrieren, mit dem Ziel, dort die jüdische Auswanderung aus Österreich zu organisieren; Neumann starb jedoch bereits ein halbes Jahr später.
Gemeinsam mit und teilweise als Konkurrent des späteren Nobelpreisträgers Robert Bárány widmete sich Neumann der Vestibularisforschung sowie otogenen Hirnerkrankungen und deren operativer Therapie und leistete auf diesen Gebieten Pionierarbeit. Er war Mitglied zahlreicher medizinischer Gesellschaften und verfasste Arbeiten unter anderem über schmerzlose Operationen, das Mittelohr und die Chirurgie des Ohres. Eine am Haus 1, Oppolzergasse 6 (Wohnhaus und Ordination) 1989 angebrachte Gedenktafel existiert seit etwa 2014 nicht mehr.
Literatur
- Karl Heinz Tragl: Chronik der Wiener Krankenanstalten. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2007, S. 166
- Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die Medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938. Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Phil. Diss. Univ. Wien 1980, S. 166 ff.
- Werner Röder / Herbert A. Strauss: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 / International biographical dictionary of Central European émigrés 1933-1945. Hg. vom Institut für Zeitgeschichte München und von der Research Foundation for Jewish Immigration. München [u.a.]: Saur 1980-1999
- Isidor Fischer [Hg.]: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band 2: Kon-Zweig. Nachträge und Berichtigungen. München: Urban & Schwarzenberg 1963
- Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Band 7: Mus - Pet. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1978, S. 97
- Klaus Lohrmann [Hg.]: 1000 Jahre österreichisches Judentum. Ausstellungskatalog. Eisenstadt: Edition Roetzer 1982 (Studia Judaica Austriaca, 9)
- Josef Fraenkel: The Jews of Austria. London: Vallentine 1967, S. 186
- Wiener klinische Wochenschrift 58 (1946), S. 117 f.
- E. H. Majer: Zum 100. Geburtstag von Gustav Alexander und Heinrich Neumann. In: Österreichische Ärztezeitung. Organ der Österreichischen Ärztekammer 29 (1974), S. 497 ff.
