Tobias Haslinger

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Tobias Haslinger
Daten zur Person

Tobias Haslinger, * 1. März 1787 Zell bei Zellhof (Oberösterreich), † 18. Juni 1842 Stadt 1065, Musikalienverleger, Kunsthändler.

Biografie

Als Sängerknabe in Linz kam Haslinger beim Domkapellmeister und Musikalienhändler Franz Glöggl mit dem Musikverlagswesen in Berührung, das ihm bald zur Lebensaufgabe werden sollte. Anschließend war er in Friedrich Eurichs Buch- und Kunsthandlung tätig. 1810 übersiedelte er nach Wien und arbeitete in der Buchhandlung von Katharina Gräffer. 1815 heiratete er ihre Tochter Caroline Gräffer. Ab 1812 gab er bereits einige seiner Werke im Selbstverlag heraus.

Ab 1814 trat er in die Musikalienhandlung des Sigmund Anton Steiner im Paternostergassel ein (der Verlag hatte zuvor Alois Senefelder, dem Erfinder des Steindrucks, gehört, der auch Musikalien druckte) und wurde dessen Teilhaber. 1819 erwarb Steiner von der Firma Artaria & Co. eine Steindruckpresse. 1821 legte er aber die Befugnis des Lithographiedrucks zurück und wandte sich, vermutlich aufgrund der Initiative Haslingers, dem Notenstichverfahren zu.

Als sich Steiner 1826 aus dem Geschäft zurückzog († 1838), übernahm Haslinger das Geschäft als alleiniger Inhaber. Seine verlegerische Tätigkeit brachte ihn in enge geschäftliche, aber auch freundschaftliche Beziehungen zu Ludwig van Beethoven (bei dem er unter anderem 1822 Friedrich Rochlitz und 1823 Carl Maria von Weber einführte). In den Jahren 1817 bis 1823 ließ Haslinger eine Prachtsammlung von Werken Beethovens in 62 Bänden vom Kopisten Mathias Schwarz anfertigen. Diese erwarb Beethovens Schüler Erzherzog Rudolph und ging nach dessen Tod in den Besitz die Gesellschaft der Musikfreunde über. Eine 1829 begonnene Gesamtausgabe von Beethovens Werken brachte Haslinger jedoch nicht zum Abschluss.

1830 wurde Haslinger „k. k. Hof- und privater Kunst- und Musikalienhändler"; die „k. k. Hof- und private Kunst- und Musikalienhandlung Tobias Haslinger" nahm einen raschen Aufschwung. Der Katalog des Musikverlags umfasste die Werke aller damals bedeutenden Komponisten. Haslinger komponierte auch eine Reihe von Messen und anderen Tonwerken. 1824 wurde Haslinger Ehrenmitglied des Steiermärkischen Musikvereins. 1833 erhielt Haslinger das Ehrendiplom der Schwedischen Akademie zu Stockholm. Nach seinem Tod übernahmen seine Witwe Caroline Haslinger und sein Sohn Carl Haslinger die Firma, die 1843 ins Haus Stadt 28 (1, Graben 19) übersiedelte.

Im Jahr 1894 wurde Haslingergasse nach dem Musikverleger benannt.


Quellen


Literatur

  • Walter Kleindel: Das große Buch der Österreicher. 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild, Namen, Daten, Fakten. Unter Mitarbeit von Hans Veigl. Wien: Kremayr & Scheriau 1987
  • Friedrich Slezak: Beethovens Wiener Originalverleger. Wien: Deuticke 1987 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 17), S. 42 ff.
  • Selma Krasa: Josef Kriehuber 1800-1876. Porträtist einer Epoche. Wien: Brandstätter 1987, S. 80
  • Peter Csendes [Hg.]: Österreich 1790-1848. Kriege gegen Frankreich, Wiener Kongreß, Ära Metternich, Zeit des Biedermeier, Revolution von 1848. Das Tagebuch einer Epoche. Wien: Brandstätter 1987, S. 263
  • Alexander Weinmann: Vollständiges Verlagsverzeichnis Senefelder, Steiner, Haslinger. München/Salzburg: Musikverlag Katzbichler 1983 (Musikwissenschaftliche Schriften 16)
  • Hans Pemmer: Der Graben und seine Bewohner, in: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 14 (1958), S. 126 f.
  • Alexander Weinmann: Wiener Musikverleger und Musikalienhändler von Mozarts Zeit bis gegen 1860 : Ein firmengeschichtlicher und topographischer Behelf, Wien: Rohrer in Komm. 1956
  • Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
  • Franz Pfeffer: Ein oberösterreichischer Freund Beethovens, Tobias Haslinger. In: Heimatland, Beilage zum Linzer Volksblatt Nr. 1/1927
  • Franz Heinrich Böckh: Wiens lebende Schriftsteller, Künstler und Dilettanten im Kunstfache : Dann Bücher-, Kunst- und Naturschätze und andere Sehenswürdigkeiten dieser Haupt- und Residenz-Stadt ; Ein Handbuch für Einheimische und Fremde. Wien: B. Ph. Bauer 1822, S. 97 f.
  • Franz Gräffer: Kleine Wiener Memoiren und Wiener Dosenstücke. In Auswahl hg. von Anton Schlossar unter Mitwirkung von Gustav Gugitz. München: G. Müller 1918, S. 397
  • Linzer Tagespost Nr. 131/1942
  • ANNO: Kundmachung Bewilligung der Annahme des Ehrendiploms der königlichen Schweden'schen Akademie der Musik zu Stockholm. In: Wiener Zeitung, 25.05.1833, S. 1


Tobias Haslinger im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.