Hans Reichenbach
Hans Reichenbach, * 26. September 1891 Hamburg (Deutschland), † 9. April 1953 Los Angeles (USA), Physiker, Philosoph, Logiker.
Biografie
Hans Reichenbach war ein deutscher Physiker, Philosoph und Logiker. Gemeinsam mit Rudolf Carnap war er Herausgeber der Zeitschrift Erkenntnis.
Hans Reichenbach wurde am 26. September 1891 in Hamburg geboren. Er studierte Bauingenieurswesen an der TH Stuttgart und Mathematik, Philosophie und Physik an den Universitäten Berlin, Göttingen und München. 1915 schloss er seine Studien mit dem Dr. phil. in Erlangen ab und diente anschließend im Ersten Weltkrieg bis 1917 in Russland. Ab 1918 engagierte er sich in der Studentenbewegung.
Von 1920 bis 1926 lehrte Reichenbach als Privatdozent an der TH Stuttgart, danach wechselte er bis zu seiner Emigration 1933 als außerordentlicher Professor für Naturphilosophie und Physik an die Universität Berlin. Nachdem der positivistische Philosoph Josef Petzold mit anderen Berliner Wissenschaftlern 1927 die Berliner Gesellschaft für empirische Philosophie gründete, aber kurz darauf starb, übernahm Hans Reichenbach ab 1929 die Leitung der Gruppe. Diese lud zu wissenschaftlichen Vorträgen und hatte starke Ähnlichkeit mit dem Wiener Kreis. Zwischen beiden Diskussionsgruppen entstand ein reger Austausch und sie luden gegenseitig Mitglieder zu Vorträgen ein. Reichenbach entwickelte sich so zu einem der wichtigsten Philosophen des Logischen Empirismus. Er wurde 1929 an erster Stelle nach Prag berufen, lehnte die Stelle aber ab. 1931 kam daraufhin Rudolf Carnap an die Deutsche Universität Prag. Ab 1930 war Reichenbach gemeinsam mit Rudolf Carnap Herausgeber der Zeitschrift Erkenntnis. Diese Zeitschrift blieb die nächsten acht Jahre das wichtigste Sprachrohr des Wiener Kreises und der Berliner Gruppe und bot eine Plattform für aktuelle Debatten des Kreises. Die erste Nummer beinhaltete Moritz Schlicks wichtigen Artikel „Die Wende der Philosophie“. Die Zeitschrift hatte sich aus den Annalen der Philosophie entwickelt, die von Felix Meiner herausgegeben worden war. Als er während der Prager Tagung 1929 auf den Wiener Kreis traf, entwickelte sich die Idee, über den Verein Ernst Mach und die Berliner Gesellschaft für empirische Philosophie der Zeitschrift neue Impulse zu geben und Carnap und Reichenbach als Herausgeber einzusetzen.
Nach seiner Entlassung 1933 emigrierte Reichenbach in die Türkei, wo er Professor für Philosophie an der Universität Istanbul wurde. 1938 emigrierte er in die USA. Bis zu seinem Tod 1953 lehrte er dort an der University of California in Los Angeles als Professor für Philosophy of Science, mit zwischenzeitlichen Gastprofessuren in New York und Paris.
Hans Reichenbach starb am 9. April 1953 in Los Angeles.
Literatur
- Christoph Limbeck-Lilienau / Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Texte und Bilder zum Ursprung des Logischen Empirismus. Wien: LIT Verlag 2015
- Friedrich Stadler: Der Wiener Kreis. Ursprung, Entwicklung und Wirkung des Logischen Empirismus im Kontext. Überarbeitete Auflage. Cham: Springer 2015 (Veröffentlichungen des Instituts Wiener Kreis, 20) [1. Aufl. 1997]
Hans Reichenbach im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.
