Gruppe Soldatenrat
Die Gruppe Soldatenrat war eine österreichische Widerstandsgruppe während der NS-Zeit.
Überblick
Die Gruppe Soldatenrat setzte sich vordergründig aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus kommunistischen (besonders dem Kommunistischen Jugendverband Österreichs (KJVÖ)) und sozialdemokratischen Kreisen zusammen. Die meisten stammten aus dem Arbeitermilieu, es gab aber auch Student*innen unter den Mitgliedern. Die Widerstandsgruppe wies außerdem einen besonders hohen Frauenanteil auf. Der Name "Gruppe Soldatenrat" entstand, da eine von der Widerstandsgruppe herausgegebene Flugschrift "Der Soldatenrat" hieß. Die Gruppe Soldatenrat agierte zwischen 1939 (Gründung nach dem Überfall des NS-Regimes auf Polen) und 1943, wobei sie von 1939 bis 1941 am aktivsten war. Ihr vordergründiges Ziel war die Kampfmoral beziehungsweise Siegeszuversicht von einfachen Wehrmachtssoldaten zu erschüttern, über die Verbrechen des NS-Regimes aufzuklären und zu einer pazifistischen, antifaschistischen Haltung aufzurufen. Vor allem zwischen 1941 und 1943 kam es zu mehreren umfassenden Verhaftungswellen, nachdem die Gestapo zuvor erfolgreich Spitzel in die Widerstandsgruppe eingeschleust hatte. Nur wenige Mitglieder konnten einer Festnahme entgehen, unter anderem Walter Burstein († 1942, natürlich Todesursache). Bei den Verhafteten ist besonders die kurze Dauer der Gerichtsprozesse und der hohe Anteil an Todesstrafen auffällig. Mit 18 Jahren war Anna Gräf die jüngste Hingerichtete der Gruppe Soldatenrat.
Hauptaktivitäten
Die Widerstandstätigkeiten der Gruppe Soldatenrat setzten sich aus drei Hauptaktivitäten zusammen:
- Die Gruppe sammelte Feldpostadressen von Frontsoldaten, an die sie Briefe mit kriegskritischem Inhalt und Aufforderungen zur Desertation oder Sabotage verschickte.
- Die Gruppe stellte Flugzettel (besonders weit verbreitet war das Flugblatt "Hitler hat den Krieg schon verloren") und Zeitschriften (etwa "Der Soldatenrat", "Rote Jugend") her, die sie an Fronturlauber und in Wien stationierte Wehrmachtssoldaten verteilte.
- Die Gruppe plante Sabotageakte und Anschläge auf die Kriegsproduktion, die teilweise auch ausgeführt wurden. Menschen sollten dabei nicht zu Schaden kommen. Die Brandsätze wurden aus gesammelten Zelluloidabfällen hergestellt. Potenzielle Ziele waren unter anderem Bahnstrecken, Bahnhöfen, Postbriefkästen oder auch die NS-Propaganda-Ausstellung "Das Sowjetparadies" (1941/1942 im Messepalast, heute: MuseumsQuartier).
Festgenommene und verurteilte Mitglieder
Zu Zuchthausstrafen verurteilt
- Edith Gadawits (ursprünglich Todesstrafe, in Zuchthausstrafe umgewandelt)
- Gertrude Hausner (ursprünglich Todesstrafe, in Zuchthausstrafe umgewandelt)
- Anna Senhofer
- Ernestine Soucek
- Sophie Vitek (ursprünglich Todesstrafe, in Zuchthausstrafe umgewandelt)
Zu Todesstrafen verurteilt und hingerichtet
- Ernestine Diwisch
- Alfred Fenz
- Anna Gräf
- Elfriede Hartmann
- Rosa Hofmann
- Felix Imre
- Walter Kämpf
- Oskar Klekner
- Rudolf Klekner
- Leopoldine Kovarik
- Karl Mann
- Rudolf Mašl
- Friedrich Mastny
- Anton Mayer
- Bruno Morawitz
- Friedrich Muzyka
- Johann Neubauer
- Alfred Rabofksy
- Franz Reingruber
- Leopoldine Sicka
- Franz Sikuta
- Anna Wala
Literatur
- Johanna Mertinz / Winfried R. Garscha [Hg.]: Mut, Mut – noch leben ich. Die Kassiber der Elfriede Hartmann aus der Gestapo-Haft. Wien: Mandelbaum Verlag 2013
- Eduard Rabofsky: Über das Wesen der „Gruppe Soldatenrat“. Erinnerungen und Einschätzungen. In: Helmut Konrad / Wolfgang Neugebauer [Hg.]: Arbeiterbewegung – Faschismus – Nationalbewusstsein. Festschrift zum 20jährigen Bestand des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und zum 60. Geburtstag von Herbert Steiner. Wien / München / Zürich: Europaverlag 1983, S. 213–224
- ANNO: Franz Danimann: Die Gruppe Soldatenrat. In: Der Neue Mahnruf, November 1981
- ANNO: Jugend und Widerstand (2). In: Der Neue Mahnruf, November 1978
- Widerstandsmomente: Gruppe Soldatenrat [Stand: 19.11.2024]
- DÖW: Nie an den "Endsieg" geglaubt: Alfred Rabofsky, Walter Kämpf und die Widerstandsgruppe "Soldatenrat" [Stand: 19.11.2024]
