Felix Petyrek

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Felix Petyrek, um 1930
Daten zur Person

Felix Petyrek, * 14. Mai 1892 Brünn, † 1. Dezember 1951 Wien, Komponist, Musikwissenschafter.

Biografie

Felix Petyrek war der Sohn des kaiserlichen Rates, Chorleiters und Organisten August Petyrek (* 20.08.1853, † 08.01.1915), der ihm auch die erste musikalische Ausbildung zukommen ließ, und der Anna Petyrek, geborene Bernhard (* 29.09.1869, † 06.04.1954). Als Felix zwei Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Wien. Er hatte drei Schwestern: Hedwig, (* 21.02.1896,† unbekannt ), Anna (* 09.07.1899, † 25.06.1982) und Auguste (* 09.08.1904, † 02.01.1988). Der Vater unterrichtete als Übungsschullehrer an der Lehrerbildungsanstalt in Wien.

Nach dem Besuch eines Gymnasiums studierte Petyrek an der Wiener Musikakademie bei Leopold Godowsky und Emil Sauer Klavier und bei Franz Schreker Komposition, unter seinen Komilitonen befanden sich auch Wilhelm Grosz, Ernst Krenek, Karol Rathaus und Alois Hába. Er schloss mit Auszeichnung ab. Seine musikalische Ausbildung ergänzte er durch ein Studium der Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien bei Guido Adler.

Im Ersten Weltkrieg bekam Petyrek, der aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Front eingezogen wurde, den Auftrag, Soldatenlieder von Kriegsgefangenen zu sammeln. Für die Musikhistorische Zentrale des Kriegsministeriums, an die er durch eine Empfehlung des Volksliedforschers Raimund Zoder kam und von Bernhard Paumgartner geleitet wurde, begann er also in einem Lager für russische Kriegsgefangene in der Südsteiermark mit der Aufzeichnung von slawischen Volksliedern.

Nach dem Krieg heiratete Felix Petyrek am 5. Juli 1919 die Lehrerin Hedwig Gabriel (* 19.02.1895, † 22.03.1975). Die beiden hatten zumindest einen Sohn Hans (* ca. 1920). Die Ehe wurde am 7. Jänner 1934 von Tisch und Bett getrennt, dann erneut nach Einführung des Ehegesetzes 1938 rechtskräftig geschieden. Ab demselben Jahr war er mit der Pianistin Helene Renate Lang verheiratet, der er zahlreiche Werke für zwei Klaviere widmete und die bereits ab 1931 seine Klavierpartnerin war.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs reüssierte Petyrek mit ersten Kompositionen und zählte zur Avantgarde der Neuen Musik. Er begann seine Lehrtätigkeit, die ihn zunächst ans Mozarteum in Salzburg (1919–1921) führte. 1923 folgte er Schreker nach Berlin, wo er sein Studium fortsetzte und an der Orchesterschule bei der Musikhochschule Berlin unterrichtete. Gesundheitliche Probleme erforderten längere Aufenthalte in Arlesheim in der Schweiz und in Abazzia, die er für die Beschäftigung mit der Anthroposophie Rudolf Steiners und zur Abhaltung von "Freien Klassen für Klavier und Komposition" nützte. Zudem hatte er Erfolg bei den Donaueschinger Musiktagen. Von 1926 bis 1930 war er an der Athener Musikschule "Odeon" Professor für Klavier und arbeitete als Musikwissenschaftler. 1930 wurde er Nachfolger von Professor Wilhelm Kempf in Stuttgart, wo er auch als Konzertpianist vor allem für neue Musik tätig war. Von 1939 bis 1945 war er an der Universität in Leipzig tätig.

1933 war Petyrek der NSDAP beigetreten und soll bei der Säuberung des deutschen Theaters in Stuttgart mitgeholfen haben.[1] Seine Musik wies Atonalität, Bi- und Polytonalität auf, die mit den Idealen des nationalsozialistischen Regimes nicht vereinbar schienen, doch verließ er die Tonalität nie ganz. Während der Zeit des Nationalsozialismus konnte er weitgehend ungehindert unterrichten. Bei der 250 Jahr Feier der Leipziger Bühnen Anfang November 1942 wurde auch eine Märchenoper von Petyrek uraufgeführt. 1941 wurde ihm der Eichendorff-Preis verliehen. Nachdem er nach Kriegsende in Leipzig entlassen worden war, kehrte er nach Wien zurück und erhielt 1949 eine Professur an der Wiener Musikhochschule.

Petyrek gehörte zu den Mitbegründern der Internationalen Gesellschaft für neue Musik (IGNM) und setzte sich besonders für neue Klaviermusik ein. Zudem arbeitete er an einem Archiv der europäischen Volksmusik. Er starb 1951 an den Folgen eines Schlaganfalls in seiner Wohnung in einer verfallenen Kaserne in Wien Landstraße und wurde im Grab seiner Eltern auf dem Friedhof in Perchtoldsdorf beigesetzt.

Quellen

Literatur


Felix Petyrek im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.

Weblinks

Referenzen