Emil Wessely
Emil (Adolf) Wessely, * 27. April 1887 Wien, † 24. August 1954 Wien, Laryngologe
Biografie
Der Sohn des Bildhauers Josef Wessely studuerte Medizin an der Universität Wien und promovierte 1915 zum Dr. med. Bereits zuvor war er als Demonstrator tätig gewesen und war im Kriegseinsatz an der Ostfront schwerk erkrankt. Nach neuerlichem Einsatz im Ersten Weltkrieg wirkte er an der Universitätsklinik für Laryngologie, an der I. Chirurgischen Klinik bei Anton von Eiselsberg sowie als Assistent des Laryngologen Markus Hajek. 1927 konnte er sich mit einer Arbeit über Tuberkolose des Kehlkopfs habilitieren.
Nach der Pensionierung von Hajek 1933 übernahm Wessely die provisorische Leitung der laryngologischen Abteilung und wurde 1939 zum Vorstand der nun selbständigen II. Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten bestellt. Außerdem wurde er zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Er war Mitglied der SS und stellte seine medizinische Tätigkeit in den Dienst des Nationalsozialismus. In der Ausgabe 1940 seines Standardwerks "Klinik der Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen" gab er Anleitungen zur Erstellung von "Erbgutachten" für erblich taube Menschen, für die er eine Zwangssterilisation vorschlug.
1945 außer Dienst gestellt, wurde er nach einige Jahren wieder mit der Leitung der II. HNO-Universitätsklinik betraut und zum Extraordinarius ernannt. Er gehörte der "Notgemeinschaft ehemaliger Hochschullehrer" an, die die Rehabilitierung von im Zuge der Entnazifizierung entlassenen Hochschullehrer betrieb.
Literatur
- Wolfgang A. F. Ruppert / Peter W. Michor: Mathematik in Österreich und die NS-Zeit. 176 Kurzbiographien. Berlin: Springer Spektrum 2023, S. 307 f.
- Karl Heinz Tragl: Chronik der Wiener Krankenanstalten. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2007, S. 168 f.
- Professor Dr. Emil Wessely verstorben. In: Neues Österreich, 26.08.1954, S. 4
