Eduard Kremser
Eduard Kremser, * 10. April 1838 Wien, † 26. November 1914 Wien, Komponist, Dirigent.
Biografie
Eduard Joseph Georg Kremser war der Sohn des Buchhalters Joseph Kremser und der Franziska Kremser, geborene Glomser. Kremser sollte Kaufmann werden, studierte aber nach Absolvierung der Handelsschule Klavier und Musiktheorie. Er erhielt seine musikalische Ausbildung bei Hermann Proksch (Klavier) und Leonhard Mälzel (Komposition). 1856 trat er als Pianist in Seufferts Klaviersalon auf und erregte erstmals die Aufmerksamkeit der Presse.
Als Chordirigent war er zunächst bei der Wiener Liedertafel und beim Sängerverein Leopoldstadt tätig. 1861 kam er als Begleiter und Quartettsänger zum Wiener Männergesang-Verein und wurde dessen Chormeister (1869–1899) und später Ehrenchormeister (1899–1910). Unter seiner Leitung erlebte der Verein internationale Aufmerksamkeit und absolviert 50 "Sängerfahrten", unter anderem 1907 nach Amerika. Auch nachdem er 1910 sein Amt als Ehrenchormeister zurücklegte, leitete er noch bis zu seinem Tod Konzerte. Als Konzertdirektor des Wiener Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde setzte er sich von 1877 bis 1880 für zeitgenössische Musik ein und dirigierte die österreichische Erstaufführung von Liszts Graner Messe. Kremser gab zudem eine Sammlung "Wiener Lieder und Tänze" heraus (drei Bände, 1912–1925). Für diese Sammlung erhielt er im Dezember 1911 einen Brillantring mit dem Wappen der Stadt Wien aus Rubinen als Ehrengabe überreicht. Am 14. Juni 1913 wurde Kremser zum Präsidenten des neu gegründeten Komponisten-Clubs, des späteren Komponistenbunds, gewählt, dessen Vizepräsident war Carl Michael Ziehrer. Ebenso war er von 1897 bis zu seinem Tod Vizepräsident der AKM und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde.
Eduard Kremser heiratete am 25. Oktober 1870 Juliana Resch (* 15.04.1849, † 07.04.1918) aus Braunsdorf. Sie hatten vier Kinder. Der Erstgeborene Georg Josef Eduard Kremser (* 07.09.1871, † 29.10.1908 Moskau) schlug ebenfalls eine musikalische Laufbahn ein. Es folgten Eduard Josef Georg Kremser (* 26.07.1874, † 09.07.1943), ein Bankbeamter und die Töchter Maria Rosalia Franziska Kremser (* 30.10.1875, † 21.06.1960) und Juliana Rosalia Franziska Kremser (* 02.05.1879, † 27.10.1963). Letztere ging am 25. Jänner 1901 die Ehe mit Heinrich Wertheim ein und der gemeinsame Sohn Eduard Heinrich Karl Georg Wertheim-Kremser trat als Pianist, Kapellmeister und Komponist in die Fußstapfen seines berühmten Großvaters.
Eduard Kremser starb am 26. November 1914 an Herzmuskelentartung, wahrscheinlich ein Herzinfarkt. Der Leichenzug führte vom Sterbehaus, zur Kirche St. Nepomuk, über die Wiener Ringstraße vorbei am Musikverein der Gesellschaft zum Zentralfriedhof, wo er in einem Ehrengrab bestattet wurde.
Kremser hinterließ über 700 Werke, darunter eine große Anzahl an Männerchören - teilweise auch mit Orchesterbegleitung ("Altes Weihnachtslied", "Balkanbilder", "Prinz Eugen", "Das Leben ein Tanz"). Zudem verfasste er zahlreiche Volksliedbearbeitungen. Er komponierte aber auch Opern wie "Der Botschafter", "Der Schlosserkönig" oder das Singspiel "Der kritische Tag".
Von 1939 bis 1949 war die Eduard-Kremser-Gasse (2) nach dem Komponisten benannt. An seinem ehemaligen Wohnhaus 2, Kleine Stadtgutgasse 10 befindet sich eine Gedenktafel gewidmet vom Männergesang-Verein aus dem Jahr 1924.
Ein 1.820 Inventarnummern umfassender Teilnachlass mit unter anderem Werken, Briefen und Lebensdokumenten befindet sich in der Wienbibliothek im Rathaus. Im Musikalischen Nachlass des Enkels, der ebenfalls in der Wienbibliothek verwahrt wird, befindet sich ein Kryptonachlass (zwei Archivboxen) zu Eduard Kremser.
Quellen
- Wienbibliothek im Rathaus: Teilnachlass Eduard Kremser
- Wienbibliothek im Rathaus: Musikalischer Nachlass Eduard Wertheim-Kremser : samt Kryptonachlass Eduard Kremser, Georg Kremser, E. S. Engelsberg
- Wienbibliothek Digital: Eduard Kremser
- Wienbibliothek Digital: Partezettel
- Meldezettel (WStLA, BPD Wien: Historische Meldeunterlagen, K11)
- Matricula Online: Trauungsbuch der Pfarre Wien 02. St. Johann Nepomuk, Signatur 02-06, fol. 252
- Matricula Online: Taufbuch der Pfarre Wien 02. St. Josef, Signatur 01-06, fol. 230
- Matricula Online: Taufbuch der Pfarre Wien 02. St. Johann Nepomuk, Signatur 02-06, fol. 340
- Matricula Online: Taufbuch der Pfarre Wien 02. St. Josef, Signatur 01-12, fol. 265
- Matricula Online: Taufbuch der Pfarre Wien 02. St. Johann Nepomuk, Signatur 01-16, fol. 233
- Matricula Online: Taufbuch der Pfarre Wien 02. St. Johann Nepomuk, Signatur 01-17, fol. 185
- Matricula Online: Sterbebuch der Pfarre Wien 02. St. Johann Nepomuk, Signatur 03-16, fol. 223
- ANNO: Concerte. In: Fremdenblatt, 12.03.1856, S. 3
- ANNO: Zum vierte deutschen Sängerbundfeste. Eduard Kremser. IN: Wiener Montags-Journal, 11.08.1890, S. 1
- FamilySearch: "New York City, New York, United States Aufzeichnungen," United States. National Archives and Records Administration. Image Group Number: 007650844. Aufnahme 225 von 754 (Registrierung notwendig, Zugang kostenlos) [Stand: 16.05.2025]
- ANNO: Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 10.04.1908, S. 9
- ANNO: Theater und Kunst. In: Das interessante Blatt, 09.04.1908, S. 19
- ANNO: Todesanzeige Georg Kremser. In: Deutsches Volksblatt, 07.11.1908, S.12
- ANNO: Eine Ehrengabe für Eduard Kremser In: Die Zeit, 17.12.1911, S. 4
- ANNO: Eduard Kremser gestorben. In: Die Zeit, 27.11.1914, S. 12
- ANNO: Eduard Kremser letzte Fahrt. In: Reichspost, 30.11.1914, S. 7f
Literatur
- Monika Kornberger / Christian Fastl: Artikel „Kremser, Familie“. In: Oesterreichisches Musiklexikon online (letzte inhaltliche Änderung: 8.11.2022 [Stand: 16.5.2025]
- Rathaus-Korrespondenz. Wien: Presse- und Informationsdienst, 25.11.1964
- Hans Markl: Kennst du die berühmten letzten Ruhestätten auf den Wiener Friedhöfen? Band 1: Zentralfriedhof und Krematorium (Urnenhain). Wien: Pechan 1961, S. 101
- Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 115
- Hugo Riemann: Riemann Musiklexikon. Mainz: Schott 1959-1961 (auch Ergänzungsband)
- Österreichisches biographisches Lexikon 1815–1950. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften / Wien/Graz: Böhlau 1954-lfd.
Eduard Kremser im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.
