Diözese Wien

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Georg von Slatkonia, erster Bischof von Wien (Epitaph im Stephansdom)
Daten zur Organisation
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48° 12' 33.59" N, 16° 22' 23.88" E  zur Karte im Wien Kulturgut

Die Diözese Wien (auch Bistum Wien) wurde 1496 gegründet und 1722 zur Erzdiözese erhoben.

Errichtung des Bistums

Der ehemalige große Passauer Hof

Seit Herzog Leopold VI. (erste Hälfte 13. Jahrhundert) bemühten sich die Landesfürsten, für ihr Land ein eigenes, vom Passauer Bistum unabhängiges Bistum zu erhalten, scheiterten jedoch immer wieder an dem von den Päpsten zur Kenntnis genommenen Widerstand Passaus, zu dessen Diözese Wien gehörte; die östlich der Enns gelegenen Dekanate unterstanden dem in Wien (Passauer Hof) residierenden bischöflichen Offizial.

Erst Friedrich III. vermochte anlässlich eines Besuchs in Rom einen Meinungswandel herbeizuführen. Die Bistumsgründung (verfügt durch Papst Paul II. mit der Bulle "In supremae dignitatis specula" vom 18. Jänner 1469, Original im Wiener Diözesanarchiv) blieb allerdings territorial auf das Stadtgebiet und einige angrenzende Pfarren beschränkt, insgesamt handelte es sich dabei um drei Stadt- und vierzehn angrenzende Landpfarren. Die Pfarrkirche St. Stephan wurde zur Kathedrale und das seit 1365 dort angesiedelte Kollegiatkapitel zum Domkapitel. Wegen der Proteste des Passauer Bischofs Ulrich III. konnte die Bulle erst am 17. September 1480 (nach dessen Tod 1479) in der Stephanskirche feierlich verlautbart werden; ab diesem Zeitpunkt ist sie in Kraft. 1476 folgte das Bistum Wiener Neustadt. Das große Gebiet rund um das kleine Bistum Wien wurde weiterhin vom Passauer Bistum durch einen im Passauer Hof (in Wien) residierenden bischöflichen Offizial verwaltet.

Vom Bistum zum Erzbistum Wien

Das exemte (von bestimmten gesetzlichen Pflichten und Verbindlichkeiten befreite) Bistum umfasste die drei Stadt- sowie 14 Landpfarreien. Finanziell stützte es sich lediglich auf die Einkünfte des Kollegiat-Propstes. Die dementsprechend überschaubaren diözesanen Finanzmittel gepaart mit politischen und religiösen Unruhen führten dazu, dass das Bistum anfangs durch Administratoren verwaltet wurde und erst 1513 mit Georg von Slatkonia (1513-1522) das Amt des Bischofs besetzt war.

Seine Amtszeit und die seiner Nachfolger war auf politischer und religiöser Ebene durch den Konflikt zwischen der Reformation und der römischen Kirche geprägt, während sie auf diözesaner Ebene versuchten eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Bis Ende des 16. Jahrhunderts breitete sich der Protestantismus im Gebiet des Bistums aus. Unter Johann von Revellis (1523-1530), Johann Fabri (1530-1541), Friedrich Nausea (1541-1552), vor allem jedoch unter Petrus Canisius (Administrator 1554-1555), Antonius Brus (1558-1561) und Kardinal Melchior Khlesl (1598/1614-1630) kam es zur Verteidigung beziehungsweise machtvollen Wiedereinführung des katholischen Glaubens in Wien (Klosteroffensive, Gegenreformation).

Erschwert wurde diese Situation durch drei Katastrophen des 17. Jahrhunderts: den Dreißigjährigen Krieg, einem Pestausbruch 1679 und die Zweite osmanische Belagerung 1683.

Bischof Anton Wolfrath erhielt 1631 für sich und seine Nachfolger von Ferdinand II. die Reichsfürstenwürde verliehen. Philipp Friedrich Graf Breuner (1639-1669) und Emerich Sinelli (1681-1685) zeichneten sich durch ihren Seelsorgeeifer aus.

Errichtung der Erzdiözese Wien

Bulle "Suprema dispositione" zur Erhebung Wiens zum Erzbistum vom 1. Juni 1722

Die Erhebung Wiens zur Erzdiözese erfolgte unter Karl VI. durch eine Bulle Papst Innozenz XIII. vom 1. Juni 1722, die jedoch erst am 14. Februar 1723 in Wien eintraf. Der feierliche Festakt zur Erhebung wurde am 24. Februar 1723 veranstaltet. Siehe Erzdiözese Wien.

Literatur

  • Beiträge zur Wiener Diözesangeschichte. Hg. vom Erzbischöflichen Ordinariat, Wien. Wien: Erzbischöfliches Ordinariat 1960-1996
  • Peter Baldauf [Hg.]: Das Pfarr- und Decanat-Amt mit seinen Rechten und Pflichten in den k.k. österreichisch-deutschen Ländern, sowohl nach dem Kirchenrechte und der Pastoral, als auch nach den Allerhöchsten darauf Bezug habenden, bis zum Schlusse des Jahres 1846 erlassenen und als geltend bestehenden k.k. Gesetzen und Verordnungen, nebst Formularien von Geschäfts-Aufsätzen und Tabellen, mit Genehmigung des Fürstbischöflichen Seckauer Ordinariates. Grätz: Ferstl 1848
  • Konrad Baumgartner u.a. (Hg.): Lexikon für Theologie und Kirche, 11 Bde. Freiburg im Breisgau: Herder 1993-2001
  • Annemarie Fenzl / Johann Weißensteiner: Die Erzdiözese Wien in ihrer Geschichte. 3 Bände. Strasbourg: Edition du Signe 1995-1998
  • Viktor Flieder: Stephansdom und Wiener Bistumsgründung. Eine diözesan- und rechtsgeschichtliche Untersuchung. Wien: Wiener Dom-Verlag 1968 (Veröffentlichungen des Kirchenhistorischen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, 6)
  • Lexikon für Theologie und Kirche. Hg. von Michael Buchberger. Band 10. Freiburg im Breisgau: Herder 21938, Spalte 876 ff.
  • Franz Loidl: Geschichte des Erzbistums Wien. Wien [u.a.]: Herold 1983, besonders S. 114 ff., 337 ff.
  • Jan Mikrut: Die Erzdiözese Wien im Spiegel der Priestergestalten des XIX. und XX. Jahrhunderts. Wien: Wiener Dom-Verlag 2013
  • Knut Walf: Bistum. In: Wörterbuch des Christentums. Hg. von Volker Drehsen / Hermann Häring / Karl-Josef Kuschel / Helge Siemers in Zusammenarbeit mit Manfred Baumotte. Zürich: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn / Benzinger Verlag 1988, S. 160–164