Camillo Wiethe
Camillo Wiethe, * 24. Mai 1889 Wien, † 10. Juli 1949 Wien, Hals-, Nasen- und Ohrenarzt.
Biografie
Camillo Wiethe besuchte das Schottengymnasium in Wien und studierte danach Medizin an der Universität Wien. Nach der Promotion zum Dr. med. im Jahr 1913 wirkte er im Krankenhaus Rudolfstiftung bei Paul Clairmont, wurde aber bald zum Kriegsdienst eingezogen und am Isonzo schwer verwundet. Nach dem Ersten Weltkrieg machte er eine Fachausbildung an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten sowie an der Chirurgische Universitätsklinik bei Anton von Eiselsberg. 1927 erhielt er eine Stelle als Assistent an der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik bunter Markus Hajek und habilitierte sich 1933 für Laryngo-, Rhino- und Otologie.
Ab 1936 war der Mediziner an der entsprechenden Fachabteilung im Krankenhaus der Wiener Kaufmannschaft. Weiters fungierte er ab 1933 als Leiter eines Kurses über Anatomie und Physiologie des Gesangsapparates an der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nach dem "Anschluss" 1938 wurde ihm die Lehrbefugnis entzogen, weil er mit einer "Jüdin" im Sinne der NS-Terminologie verheiratet war und er eine Scheidung verweigerte. Er betrieb bis 1945 eine Privatpraxis im 1. Bezirk.
Nach Ende der NS-Herrschaft wurde Wiethe wieder an die Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten berufen und ein Jahr später offiziell zu deren Vorstand sowie zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Während einer Studienreise in dern USA erkrankte er schwer und starb wenig später in Wien. Er galt als Spezialist für Kehlkopf-Erkrankungen und behandelte zahlreiche Sängerinnen und Sänger. Darüber hinaus war er eine Pionier in der Behandlung von Ohrenerkrankungen mit Ultraschall.
1955 wurde die Wiethestraße in der Donaustadt nach dem Arzt benannt.
Literatur
- Karl Heinz Tragl: Chronik der Wiener Krankenanstalten. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2007, S. 169
